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832. Nacht

Eines Abends, da er eben nach Hause gekommen war und die Soldaten des Achmed Aldanaf entlassen hatte, saß er bei seiner Gattin, als sie aufstand und ihn verließ mit den Worten, dass sie sogleich wiederkäme. Kurz darauf ließ ein durchdringender Schrei sich hören. Alaeddin eilte hinaus, um zu sehen, wo der Schrei herkäme, und fand seien geliebte Sobeïde
auf den Boden hingestreckt. Er sprang hinzu, um sie aufzuheben, aber wie groß war sein Erstaunen und Entsetzen, als er sah, dass sie entseelt dalag!

Das Zimmer von Sobeïdes Vater war dem Zimmer Alaeddins gegenüber. Der Greis, der auch den Schrei seiner Tochter gehört hatte, öffnete die Türe und fragte seinen Schwiegersohn, was das zu bedeuten hätte.

"Ihr habt keine Tochter mehr," rief Alaeddin aus, "meine Sobeïde ist dahin!"

Der Greis, obwohl selber tief betrübt über den Verlust seiner Tochter, war jedoch von dem Schmerz, von welchem sein Schwiegersohn durchdrungen schien, dermaßen gerührt, dass er ihn zu trösten suchte und ihm vorstellte, dass der letzte Beweis, welchen sie von ihrer Liebe zu der ihnen so plötzlich und traurig Entrissenen geben könnten, darin bestände, ihr Leichenbegängnis zu besorgen. Beide beschäftigten sich also gemeinschaftlich damit, ihr die letzte Pflicht zu erweisen, und suchten sich gegenseitig zu trösten.

Aber lassen wir für jetzt Sobeïde in Frieden ruhen: Vielleicht werden wir noch Gelegenheit haben, auf diesen Vorfall zurückzukommen.

Alaeddin legte Trauer an und überließ sich dermaßen seinem Schmerz, dass er gänzlich unterließ, in den Diwan zu gehen. Der Kalif, über seine Abwesenheit verwundert, fragte den Wesir Giafar, warum Alaeddin nicht mehr in den Palast käme.

"Unumschränkter Beherrscher der Gläubigen," antwortete der Wesir, "es ist die Trauer über den Verlust seiner Gattin, welche ihn daran verhindert: Er beweint sie Tag und Nacht."

"Wir müssen ihn besuchen," sagte der Kalif. Der Kalif und Giafar verkleideten sich sogleich und begaben sich nach Alaeddins Wohnung. Sie fanden ihn, den Kopf in beide Hände gestützt, sitzend und in traurige Gedanken tief versunken. Alaeddin stand auf, sie zu empfangen; und als er den Kalifen erkannte, warf er sich ihm zu Füßen. Der Fürst hieß ihn freundlich aufstehen und sagte ihm teilnehmend, dass er stets seiner gedächte.

"Möge Gott die Tage Euer Majestät verlängern!", rief Alaeddin aus, die Augen in Tränen gebadet.

"Warum," sagte der Kalif zu Alaeddin, "kommst Du nicht mehr zu uns und bist Du so lange nicht im Diwan gewesen?"

"Herr," antwortete Alaeddin, "ich bin untröstlich über den Verlust meiner Gattin Sobeïde."

"Du musst dich nicht also dem Schmerz hingeben," fuhr der Kalif fort, "sondern Dich den Beschlüssen der Vorsehung unterwerfen. Die Tränen, welche Du vergießest, sind furchtlos und können Diener Gattin das Leben nicht wiedergeben."

"Ich werde nicht eher aufhören, sie zu beweinen," sagte Alaeddin, indem er einen tiefen Seufzer ausstieß, "als bis der Tod uns beide für immer wieder vereinigt hat."

Der Kalif empfahl ihm beim Weggehen ausdrücklich, sich wie gewöhnlich in den Diwan zu verfügen und ihn nicht länger seiner Gegenwart zu berauben.

Gerührt von dieser Güte des Fürsten, stieg Alaeddin am folgenden Morgen zu Pferd und begab sich wie gewöhnlich nach dem Diwan. Bei seinem Eintritt in den Saal warf er sich mit dem Antlitz auf den Boden. Der Kalif stieg, sobald er ihn bemerkte, von seinem Thron und näherte sich ihm, um ihn aufzuheben. Er empfing ihn auf die ausgezeichneteste Weise und ließ ihn seinen gewöhnlichen Platz einnehmen.

"Ich hoffe," sagte er zu ihm mit Freundlichkeit, "Du wirst heute Abend bei uns bleiben."

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