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833. Nacht

Nach dem Diwan, als der Kalif sich wieder in das Seraï begab, ließ er eine Sklavin rufen, die Kut Alkulub hieß, und sagte zu ihr:

"Alaeddin hat kürzlich seine Gattin Sobeïde verloren, welche durch ihr Talent für die Tonkunst die Glückseligkeit seines Lebens machte und alle Traurigkeit aus seinem Herzen bannte. Ich wünschte, dass Du Dich diesen Abend auf der Laute mit irgend einem Stück hören ließest, welches ihn auf einen Augenblick erheitern könnte."

Am Abend sang Kut Alkulub, hinter einem Vorhang verborgen, nachdem sie ihre Laute gestimmt hatte, auf eine so hinreißende Weise und begleitete sich mit so viel Anmut, dass der Kalif, ganz entzückt davon, sich lebhaft zu Alaeddin wandte und ihn fragte, was er von der Geschicklichkeit dieser Sklavin hielte.

"Sie singt sehr schön," antwortete Alaeddin, "aber ihre Stimme macht nicht denselben Eindruck auf mich wie Sobeïdes Stimme."

"Das begreife ich wohl," fuhr der Kalif fort, "aber gefällt Dir sonst ihre Stimme?"

"Herr," antwortete er verlegen, "ich müsste sehr schwer zu befriedigen sein, wenn ich nicht einiges Vergnügen daran fände, sie zu hören."

"Wohlan," fuhr der Kalif fort, "ich mache Dir ein Geschenk damit: Ich gebe sie Dir samt allen Sklavinnen, die zu ihren Diensten sind."

Alaeddin, immer mehr und mehr überrascht, bildete sich ein, der Kalif wollte sich einen Scherz machen, und begab sich, befangen in diesem Gedanken, nach Hause.

Am folgenden Morgen trat der Kalif in Kut Alkulubs Zimmer und sagte ihr, dass er sie Alaeddin geschenkt hätte samt allen Frauen ihrer Bedienung. Die Sklavin war hocherfreut darüber; denn da sie den Alaeddin durch den Vorhang, der sie seinen Blicken entzog, nach Gefallen hatte betrachten können, so hatte sie ihn sehr nach ihrem Geschmack gefunden und sich nicht enthalten können, ihn zu lieben.

Der Kalif ließ sogleich alles Gerät der Kut Alkulub nach Alaeddins Hause bringen und sie selber dahin führen. Man ließ sie in eine Sänfte steigen, desgleichen alle ihre Weiber, deren vierzig waren, und so führte man sie in Alaeddins Palast, während dieser im Diwan war, welcher diesen Tag sehr lange dauerte; denn der Kalif hob die Sitzung erst gegen Abend auf und begab sich sehr spät ins Seraï zurück.

Als Kut Alkulub mit ihren vierzig Weibern in Alaeddins Palast angekommen war, hatte sie zu beiden Seiten der Türe zwei Mann von der Leibwache des Kalifen aufstellen lassen mit dem Befehl, dem Alaeddin ihre Ankunft zu melden und ihn zu bitten, in ihr Zimmer zu kommen.

Alaeddin, der schon nicht mehr an Kut Alkulub dachte, war sehr überrascht, als er nach Hause kam und an seiner Türe die beiden Wachen des Kalifen erblickte.

"Was bedeutet das?", sagte er bei sich selber, "täusche ich mich nicht? Ist das wirklich mein Haus?"

Die beiden Wachen hatten sich unterdessen genähert, ihm ehrerbietig die Hand geküsst, und einer von ihnen sagte zu ihm:

"Wir sind im Dienst Kut Alkulubs, der Favoritin des Kalifen: Sie trägt uns auf, Euch zu melden, dass der Fürst sei Euch geschenkt hat samt allen ihren Weibern, und bittet Euch, gefälligst in ihr Zimmer zu kommen."

"Geht hin und sagt Eurer Herrin," antwortete Alaeddin, "dass sie willkommen ist; aber meldet ihr zugleich, dass, solange es ihr auch gefällt, bei mir zu verweilen, ich jedoch mir nie die Freiheit nehmen werde, sie zu besuchen, denn was dem Herrn geziemt, geziemt nicht dem Sklaven. Bittet sie auch von meiner Seite, mir die Summe anzuzeigen, welche sie täglich auf Befehl des Kalifen bezog."

Die beiden Wachen entledigten sich ihres Auftrags und kamen zurück, Alaeddin zu sagen, dass Kut Alkulub täglich hundert Goldstücke bezogen hätte.

"Ich hatte auch wohl nötig," sagte er hierauf bei sich selber, "dass der Kalif mir ein solches Geschenk machte!"

Kut Alkulub blieb lange bei Alaeddin, der ihr pünktlich alle Morgen hundert Goldstücke übergeben ließ.

Eines Tages, als er, ganz dem Schmerz und der Trauer über den Verlust Sobeïdes hingegeben, versäumt hatte, sich in den Diwan zu begeben, sagte der Kalif zu Giafar:

"Wesir, habe ich dem Alaeddin nicht Kut Alkulub geschenkt, um ihn über den Verlust seiner Gattin zu trösten? Warum kommt er nun doch nicht wie gewöhnlich zu uns?"

"Herr," antwortete der Wesir, "man hat wohl recht, zu sagen, dass ein Liebender bei seiner Gebieterin bald seiner alten Freunde vergisst."

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