Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info
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      Schiller, Friedrich
         Biografien
            Hoffmeister - Schillers Leben

            Vorwort
            Inhalt

            1. Teil
               1 Kapitel
               2. Kapitel
               3. Kapitel
               4. Kapitel
               5. Kapitel
               6. Kapitel
               7. Kapitel
               8. Kapitel
                  Ankunft in Mannheim
                  Kontrakt mit Dalberg
                  Krankheit
                  Bekanntschaften
                  Besuch von Abel
                  Die „Lumpenfête“
                  Fiesco, Kabale/Liebe a. Bühne
                  Aufnahme deut. Gesellschaft
                  Reise nach Frankfurt
                  Bedrängnisse
                  Abhandlung über das Theater
                  Preisfragen
                  Plan einer dr. Monatsschrift
               9. Kapitel
               10. Kapitel
            2. Teil
            3. Teil

Bedrängnisse

   Als er von seinem erheiternden Ausflug heimgekehrt war, empfingen ihn in Mannheim wieder die alten, quälenden Verhältnisse.

   Mit seinen Eltern hatte er seit seiner Rückkehr von Bauerbach den Briefwechsel längst von neuem eröffnet, aber die Nachrichten, welche er von der Solitude erhielt, waren nur ein Zuwachs seiner Leiden. Seine Mutter lag an schmerzhaften Krämpfen darnieder, die, vom Magen ausgehend, sich nach Brust, Kopf, Rücken und Lenden verbreiteten. Die Arzneien, die der Sohn nach den ausführlichen Krankheitsberichten des Vaters verordnete, waren wirkungslos. Ein schleichender Gram untergrub ihre Gesundheit. Schon im September 1783 hatte ihm die Mutter geschrieben, sie sei seit seiner Abwesenheit, in diesem Jahr, an Gesundheit und Aussehen um zehn Jahre älter geworden. Diese Krankheit und außerdem die spärlichen Mittel der Familie verhinderten auch, was Schiller so sehnlichst wünschte, eine Zusammenkunft an einem dritten Ort, oder einen Besuch in Mannheim. Auch konnte der Hauptmann Schiller, ohne Urlaub vom Herzog erhalten zu haben, seinen Posten nicht verlassen. Er schlug daher dem Sohn vor, An Serenissimum (den Herzog) zu schreiben, dass es ihm gestattet werde, zu den Seinigen zurückzukehren, oder er, der Hauptmann, wolle sich, wenn sein Sohn es wünsche, statt seiner an den Herzog wenden. Christophine wiederholte ihm dringend diesen Vorschlag. Schiller aber erklärte, dass seine Ehre entsetzlich leiden, die Achtung des Publikums, welche über sein ganzes künftiges Glück entschiede, gänzlich sinken würde, wenn er ohne Konnexion mit einem andern Fürsten, ohne Titel und dauernde Versorgung nach seiner einmal geschehenen, gewaltsamen Entfernung aus Württemberg sich wieder da blicken lasse. Dass der Vater den Namen zu dieser Bitte hergebe, nütze ihm wenig, denn jedermann werde doch ihn als die Triebfeder anklagen. Der Hauptmann stand nun von seinem Begehren gänzlich ab, und wünschte nur noch, dass es sich sein Sohn endlich einfallen lassen möchte, sich dem Herzog auf irgendeine Art wieder zu nähern. Er hoffte übrigens zu Gott, dass ihre Entfernung nicht immer fortdauern solle und dass er es endlich doch erleben werde, seinen einzigen Sohn auch wieder um sich zu haben.

   Eine Unterstützung von Haus war kaum zu denken. Der Vater meinte im Gegenteil, Eltern und Geschwister hätten ein ebenso großes Recht als Vertrauen, im Fall der Not Hilfe und Beistand vom Sohn zu erwarten. Der Hauptmann hatte nur vierhundert Gulden Besoldung, wovon er zehn Gulden an Grasplätzen gewann, die er damals einbüßte. Nun wurde dem Vater zu seinem Schrecken eine Schuldverschreibung von hundert Gulden gezeigt, die der Sohn bei der Generalin von Holl aufgenommen und zugleich wurde er wegen einer zweiten Schuld von fünfzig Gulden von Hauptmann Schade angegangen. Der alte Schiller entschloss sich endlich, für beide Posten eine zeitlang gut zu stehen, damit der Sohn desto ruhiger arbeiten könne; er versichere sich aber dabei, schreibt er, dass ihn der Sohn nicht zum Nachteil der Schwestern im Stich lassen werde. Aber Schiller hatte in Stuttgart noch andere, dem Vater verborgene Schulden, und kam bald in ein solches Gedränge, dass er nur den Hauptmann von Schade befriedigen konnte, und der gute Vater die Hollsche Schuld durch die kleine Summe tilgen musste, welche zur Aussteuer der Töchter erspart worden war. Der Vater schrieb ihm: „Solange er, mein Sohn, seine Rechnung auf Einnahmen setzt, die erst kommen sollen, mithin dem Zufall und Unfall unterworfen sind, solange wird er im Gedränge verwickelt bleiben. Wiederum, solange er denkt: Dieser, jener Gulden oder Batzen wird es nicht ausmachen, dass ich herauskomme, solange werden seine Schulden nicht geringer werden, und – das wäre mir Leide, wenn er sich nach einer schweren Kopfarbeit in Gesellschaft anderer guter Menschen nicht sollte erholen, erfreuen können. Aber dergleichen Erholungstag mehrere, als Beschäftigungstage zu nehmen, das wird wohl nicht angehen. Bester Sohn! Sein Aufenthalt in Bauerbach ist von dieser Art gewesen. Hinc illae lacrymae! Dafür muss er anjetzt büßen, und das nicht von ungefähr. Die Verlegenheit, in welcher er sich dermalen befindet, ist wahrlich ein Werk der höheren Vorsehung, um ihn von dem allzu großen Vertrauen auf eigene Kräfte abzubringen, um ihn mürbe zu machen, damit er allen Eigensinn ablege, dem guten Rat seines Vaters und anderer wahrer Freunde mehr folge, jedermann mit gehöriger Achtung, Höflichkeit und Dienstbeflissenheit begegne, und je mehr und mehr überzeugt werden, dass unser gnädigster Herzog bei seiner Einschränkung es gut mit ihm gemeint habe, und dass es mit seiner ganzen Verfassung jetzt weit besser stünde, wenn er sich gefügt hätte und im Land geblieben wäre. Er hat überhaupt manchen Malen so mürrische Launen, die Ihn bei seinen besten Freunden unerträglich machen, Steifigkeiten, die den besten Mann zurückschrecken, z.B. da ihn mein ehemaliger vortrefflicher Freund, Herr Amtmann Cramer von Altdorf bei Speyer, im verwichenen Spätjahr bei Herrn Hofrat Schwan angetroffen, hat er demselben ganz trocken und wenig geantwortet, da ich ihm doch durch einen Brief so gute Gelegenheit gemacht hatte, die Freundschaft dieses ehrlichen, vermögenden und vernünftigen Mannes, der keine Kinder hat, zu suchen, ob er nicht etwa für in eine Stütze hätte abgeben können. Er wird auch sehr wohl tun, wenn er diesen Fehler wiederum gut zu machen trachtet.“

   Wiederholt hatte der Hauptmann auf der Solitude geschrieben, Schiller möchte zur Medizin zurückkehren, und sich in Heidelberg den Doktorgrad erwerben; ein Theaterdichter sei in Deutschland ein kleines Licht, könne leicht in die Nachstellungen eines oder des anderen Fürsten fallen, die Arzneikunst dagegen gewähre ihm ein sicheres Einkommen und nicht weniger Reputation. Da er mit seinen bisherigen drei Stücken sein äußeres Glück nicht gemacht habe, was sei von künftigen zu erwarten, die vielleicht nicht mehr von gleicher Stärke sein würden? Auch Dalberg ließ ihm, als das zu liefernde dritte Drama im Sommer 1784 noch wenig vorgerückt war, durch seinen Hausarzt, den Hofrat Mai, diesen Rat geben. Schiller, obgleich sein Streicher eine ablehnende Antwort des Hofmannes voraussagte, wandte sich in einem noch erhaltenen rührenden Briefe an Dalberg, und bat ihn um einen Vorschuss auf ein Jahr, um in Heidelberg sein medizinisches Studium vollenden zu können. Der Poesie wollte er dann nur seine reinsten Augenblicke widmen! Dalberg erfüllte seine Bitte nicht, und so zerschlug sich denn dieser, auch später bisweilen wieder aufgegriffene Plan.

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