Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info
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      Schiller, Friedrich
         Biografien
            Hoffmeister - Schillers Leben

            Vorwort
            Inhalt

            1. Teil
               1 Kapitel
               2. Kapitel
               3. Kapitel
               4. Kapitel
               5. Kapitel
               6. Kapitel
               7. Kapitel
               8. Kapitel
               9. Kapitel
               10. Kapitel
                  Aufenthalt in Leipzig
                  Lied an die Freude
                  Bewerbung um M. Schwan
                  Bearbeitung D. Carlos in Prosa
                  Aufenthalt in Dresden
                  Leidenschaftliche Liebe
                  Gedichte
                  Der Menschenfeind
                  Don Carlos vollendet
                  Entstehungsgeschichte
                  Charakteristik
                  Briefe über Don Carlos
            2. Teil
            3. Teil

Zehntes Kapitel

Aufenthalt in Leipzig

   Die Reise nach Leipzig nennt Schiller selbst, in einem Brief an Schwan vom 24. April, die fatalste, die man sich denken könne. „Morast, Schnee und Gewässer“, schreibt er, „waren die drei schlimmsten Feinde, die uns wechselweise peinigten, und ob wir gleich von Vach an immer zwei Vorspannpferde gebrauchen mussten, so wurde doch unsere Reise, die Freitags geschlossen sein sollte, bis auf den Sonntag verzögert.“

   Über seinen Aufenthalt in Leipzig fließen die Nachrichten sehr spärlich. Wir wissen wenig davon zu sagen, wie dort sein äußeres Leben eingerichtet war; wohl aber erfahren wir aus einem Brief des Dichters an Huber vom 25. März, wie er es einzurichten beabsichtigte. „Ich bin Willens“, so schreibt er dem Freund, bei meinem neuen Etablissement in Leipzig einem Fehler zuvorzukommen, der mir hier in Mannheim bisher sehr viel Unannehmlichkeit machte. Es ist dieser: meine eigene Ökonomie nicht mehr zu führen, und auch nicht mehr allein zu wohnen. Das Erste ist schlechterdings meine Sache nicht. Es kostet mir weniger, eine ganze Verschwörung und Staatsaktion durchzuführen, als meine Wirtschaft; und Poesie, wissen Sie selbst, ist nirgends gefährlicher, als bei ökonomischen Rechnungen. Meine Seele wird geteilt, ich stürze aus meinen idealistischen Welten, wenn mich ein zerrissener Strumpf an die wirkliche mahnt. Fürs andere brauche ich zu meiner geheimen Glückseligkeit einen rechten, wahren Herzensfreund, der mir stets an der Hand ist, wie mein Engel, dem ich meine aufkeimenden Ideen in der Geburt mitteilen kann, nicht aber erst durch Briefe oder lange Besuche zutragen muss. Schon der nichts bedeutende Umstand, dass ich, wenn dieser Freund außer meinen vier Pfählen wohnt, die Straße passieren muss, um ihn zu erreichen, dass ich mich umkleiden muss u. dgl., tötet den Genuss des Augenblicks, und die Gedankenreihe kann zerrissen sein, bis ich ihn habe … Wenn es möglich ist, dass ich eine Wohnung mit Ihnen beziehen kann, so sind alle meine Besorgnisse gehoben. Ich bin kein schlimmer Nachbar, wie Sie sich vielleicht vorstellen möchten; um mich in einen anderen zu schicken, habe ich Biegsamkeit genug, und auch hier und da etwas Geschick, wie Yorik sagt, ihn verbessern und aufheitern zu helfen. Können sie mir dann noch außerdem die Bekanntschaft von Leuten zustande bringen, die sich meiner kleinen wirtschaft annehmen mögen, so ist alles in Richtigkeit.“

   „Ich brauche nicht mehr als ein Schlafzimmer, das zugleich mein Arbeitszimmer sein kann, und dann ein Besuchszimmer. Mein notwendiges Hausgerät wäre eine gute Kommode, ein Schreibtisch, ein Bett und Sofa, dann ein Tisch und einige Sessel… Parterre und unter dem Dach kann ich nicht wohnen, und dann möcht’ ich auch durchaus nicht die Aussicht auf einen Kirchhof haben. Ich liebe die Menschen und also auch ihr Gedränge. Wenn ich’s nicht so veranstalten kann, dass wir (ich verstehe darunter das fünffache Kleeblatt) zusammen essen, so würde ich mich an die table d’hôte im Gasthof engagieren, denn ich fastete lieber, als dass ich nicht in Gesellschaft (großer oder auserlesen guter) speiste.“

   In welcher Ausdehnung es ihm gelang, diese häusliche Pläne in Ausführung zu bringen, ist uns unbekannt. Nach unverdächtigen Mitteilungen1) lebte der Dichter, während man ihn rings im Herzen trug, und auf dem Papier ihm einen Triumphbogen nach dem anderen baute, zu Leipzig in einem der kleinsten Studentenzimmer, wie späterhin zu Dresden in edler Armut, die er auf die genialste Weise nicht bloß zu ertragen, sondern zu genießen wusste, innig froh der wiedererlangten Freiheit, der Freundschaft und der Poesie.

   Er war zur Messzeit in Leipzig angekommen. Das Getümmel der Menschen, die bunte Mannigfaltigkeit der Gegenstände beschäftigten ihn ganz. In einem Brief an Schwan rühmt er sich unzähliger Bekanntschaften, die er dort schon in der ersten Woche gemacht, und nennt darunter Oeser, Weiße, Hiller (den Musikdirektor und Kompanisten), Huber, Jünger (den Theaterdichter) und den Schauspieler Reineke. Seine angenehmste Erholung sei, Richters Kaffeehaus zu besuchen, wo sich die halbe Welt Leipzigs zusammenfinde, und er seine Bekanntschaften mit Einheimischen und Fremden erweitere. Auch seien ihm von verschiedenen Seiten her verführerische Einladungen nach Berlin und Dresden gemacht worden, denen er wohl schwerlich widerstehen werde. „Es ist so eine eigene Sache“, fährt er fort, „mit einem schriftstellerischen Namen, bester Freund! Die wenigen Menschen von Wert und Bedeutung, die sich einem auf diese Veranlassung darbieten, und deren Achtung einem Freude gewährt, werden nur allzu sehr durch den fatalen Schwarm derjenigen aufgewogen, die wie Geschmeißfliegen um Schriftsteller herumsummen, einen wie ein Wundertier angaffen und sich obendrein gar, einiger voll geklecksten Bogen wegen, zu Kollegen aufwerfen. Vielen wollt’ es gar nicht zu Kopf, dass ein Mensch, der die Räuber gemacht hat, wie andere Muttersöhne aussehen solle. Wenigstens rund geschnittene Haare, Courierstiefel und eine Hetzpeitsche hätte man erwartet.“ Zuletzt bemerkt Schiller noch, er wolle nach dem Beispiel vieler Leipziger Familien einige Monate des Sommers das Landleben genießen. Hierzu wählte er das nahe gelegene Dorf Gohlis, das schon Flemming in seinen Gedichten verherrlicht hat, und wohin ein sehr anmutiger Spaziergang durch das berühmte Rosental führt2).

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1) Blätter für literar. Unterhaltung, 1836, Nr. 285. ­
2) Neuerdings ist dort von einem Verein eine Schiller-Bibliothek gegründet worden, welche die gesamte auf Schiller bezügliche Literatur: Die verschiedenen Ausgaben, Erläuterungsschriften, Biografien usw. umfassen soll. Auch wird daselbst Schillers Andenken alljährlich durch ein Fest gefeiert.
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