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Homepage Literatur Schiller, Friedrich Biografien Hoffmeister - Schillers Leben Vorwort Inhalt 1. Teil 2. Teil 1. Kapitel Geschichtsstudium Erste historische Arbeiten Verbrecher aus verlorener Ehre Der Geisterseher P. Gespräch im Geisterseher Die philosophischen Briefe 2. Kapitel 3. Kapitel 4. Kapitel 5. Kapitel 6. Kapitel 7. Kapitel 8. Kapitel 9. Kapitel 10. Kapitel 3. Teil |
Erstes KapitelEntscheidung für das GeschichtsstudiumMit Don Carlos ist ein poetischer Zyklus durchlaufen. Nachdem in diesem kosmopolitischen Drama die uns bekannten sittlichen Grundüberzeugungen Schillers zu ihrer Blütenkrone sich entwickelt haben, ist sein poetisches Interesse, das sich ganz aus sittlich-politischen Ideen nährte, erschöpft, und das zweite Grundelement seines Geistes, das spekulative Prinzip, ergreift die Zügel seines Lebens. Es tritt die zweite, die historisch-philosophische Periode, ein, in welcher er sich in der wirklichen äußeren Welt umsieht, und zugleich sich über die höchsten Fragen wissenschaftlich zu verständigen sucht, bis er nach erlangter Selbstläuterung zu einer gereiften Kunstdichtung in dem letzten Lebensabschnitt zurückkehrt. Es war indes nicht einzig der innere Entwicklungsgang, was ihn auf eine geraume Zeit von der Dichtkunst abzog; auch äußere Verhältnisse trugen dazu bei, diesen wichtigen Wendepunkt in seinem Leben herbeizuführen. Dringender, als je, ward er an die Abtragung seiner alten Schuld gemahnt. Den goldenen Traum, auf die Ausübung seines Dichtertalents die äußere Existenz zu gründen, hatten die herbsten Erfahrungen zerstört. So war ihm denn der Gedanke nahe gelegt, sein Lebensglück seinem ebenso ausgezeichneten, intellektuellen Talent anzuvertrauen und sich durch Aneignung einer Brotwissenschaft eine ehrenvolle Stellung in der Gesellschaft zu verschaffen. Welches aber diese Berufswissenschaft sein sollte, darüber war er lange immer von neuem mit sich uneins. Von dem Plan, die Rechte zu studieren, hatten ihn seine Freunde, wie es scheint, bald zurückgebracht. Näher musste ihm die Arzneikunst liegen, die er ja – und zwar mit Neigung, wie er sich jetzt sagte – ehemals studiert und selbst ausgeübt hatte. Aber er fand bald, dass von seinen früheren Studien wenig in ihm zurückgeblieben war, so dass er das Meiste von neuem hätte lernen müssen. Dazu kam seine jetzt völlig ausgebildete Vorliebe für das Geistige, die ihm, bei ernster Selbstbestimmung, die Medizin als etwas seiner Natur durchaus Heterogenes erscheinen ließ. So hätte unser Schiller gar keine Brotwissenschaft für sich gefunden, wenn sich ihm nicht endlich das Geschichtsstudium als ein Weg zu einer sorgenfreien Zukunft angeboten hätte. Die Geschichte hatte ihn schon in der Karlsschule aus seinem Plutarch angesprochen, und mit ihr war er seither durch seine Vorstudien zum Fiesco und Don Carlos in Verbindung geblieben. Wenn er die Geschichte zu seinem Lebensberuf machte, so trat er nicht aus der Sphäre des Geistigen, des Menschlichen, worin er sich allein mit eigenem Genügen bewegen konnte, und begann eine Laufbahn, welche sich an seine bisherigen dramatischen Arbeiten anschloss. Der wahre Historiograph und der neuere Tragiker sind Blutsverwandte; sie teilen sich in dieselbe Weltbetrachtung. Studierte Schiller die Geschichte, so konnte er hoffen, in derselben einst ein akademisches Lehramt und dadurch eine freie und selbstständige Stellung zu erhalten. Aber auch schon jetzt konnte er durch Übersetzungen oder eigene historische Darstellungen seiner Existenz zu Hilfe kommen, und zugleich mit der Feder nach und nach die gehörigen Kenntnisse für sein neues Fach und einen Ruf als Historiker sich verschaffen. Allein die Geschichte hatte für ihn auch ein inneres Interesse. Schiller war in das Alter gekommen, worin man dem Drang, die äußeren Dinge näher an sich heranzuziehen, sich in der äußeren Menschenwelt zu orientieren, nicht mehr ausweichen kann. Hierzu sollte ihm nun das Studium der Geschichte behilflich sein. Was ihm die äußere Erfahrung bisher versagt hatte, das sollte ihm von nun an diese Disziplin gewähren. Er gedachte sich durch dieselbe in ein wissenschaftliches Verhältnis zu der Welt zu setzen. |
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