| Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info | |
|
Homepage Literatur Schiller, Friedrich Biografien Hoffmeister - Schillers Leben Vorwort Inhalt 1. Teil 2. Teil 1. Kapitel 2. Kapitel 3. Kapitel 4. Kapitel 5. Kapitel 6. Kapitel 7. Kapitel 8. Kapitel Philosophische Schriften Über den Grund des Verg... Über die tragische Kunst Über Anmut und Würde Über das Pathetische Zerstreute Betrachtungen... Briefe über die ästhetische... Über das Erhabene Über die notw.Grenzen... Über den moralischen Wert... 9. Kapitel 10. Kapitel 3. Teil |
Über den moralischen Wert ästhetischer SittenGanz innerhalb der Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen liegt der Inhalt einer später geschriebenen Skizze: Über den moralischen Wert ästhetischer Sitten. Der Grundgedanke – dass das Sittliche durch das Schönheitsgefühl oder den Geschmack begünstigt werde – ist aus jener größeren Schrift herübergenommen. Aber die Anwendung wird hier auf zwei äußere Verhältnisse des Menschen gemacht, wodurch der Geschmack einen glücklichen Einfluss auf die sittliche Kultur haben soll. Erstlich breche derselbe den rohen Affekt der sinnlichen Begierde durch den guten Ton der Gesellschaft, welcher selbst nicht anderes sei, als ein ästhetisches Gesetz, und bringe Ordnung, Harmonie und Vollkommenheit in unser Betragen – wodurch dem guten Willen ein freier Spielraum verschafft und ein großer Vorschub geleistet werde. Dann sei er auch dadurch von großer Bedeutung für unsere Sittlichkeit, dass er der Legalität unseres Betragens höchst förderlich sei. So könne denn der Geschmack – wie auch die Religion – zu einem Surrogat der wahren Tugend dienen. – In Betreff der Einwendungen, die sich gegen diese Erörterungen machen lassen, müssen wir die Leser auf unser großes Werk verweisen. Mit dem letztgenannten Aufsatz schloss sich Schillers eigentliche Metaphysik des schönen und Erhabenen vollständig ab, und – zugleich sein Moralsystem; denn er hatte die Theorie des Erhabenen auf sein Freiheitsprinzip und die des Schönen auf sein Humanitätsprinzip gegründet, welche beide der Inhalt seiner sittlichen Welt waren. Als er aber nun zur poetischen Darstellung übergehen wollte, derenthalben alle diese Untersuchungen eigentlich unternommen worden waren, fühlte er, dass er sich noch über eben diese poetische Darstellung selbst theoretisch orientieren müsse; und aus diesem Bedürfnis entsprang der Aufsatz „Über naive und sentimentalische Dichtung“, welchem später die Skizze „Gedanken über den Gebrauch des Gemeinen und des Niedrigen in der Kunst“ als eine Ergänzung beigegeben wurde. Über diese zweite Gruppe, die Übergangsaufsätze von der Philosophie zur Poesie, behalten wir uns vor, im folgenden Kapitel das Nähere zu berichten. Aus dem Bisherigen erhellt aber schon zur Genüge, dass die ästhetischen Abhandlungen Schillers einen wohlgeordneten, organisch zusammenhängenden und abgeschlossenen Zyklus bilden, und in freiem Gang die ganze Poetik durchlaufen. Sie sind notwendige Früchte des Schillerschen Geistes, in dessen sukzessiver Entwicklung jede ihre Stelle und ihre Zeit hat. |
|
© 1999 - 2004 Copyright by Jürgen Kühnle |
|