| Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info | |
|
Homepage Literatur Schiller, Friedrich Biografien Hoffmeister - Schillers Leben Vorwort Inhalt 1. Teil 2. Teil 1. Kapitel 2. Kapitel 3. Kapitel 4. Kapitel 5. Kapitel 6. Kapitel 7. Kapitel 8. Kapitel 9. Kapitel Überdruss an der Spekulation Fichte Rückkehr zur Poesie Der Musenalmanach Schiller begr. Dichtweise... Über naive und sent. Dichtung Über den Gebrauch... 10. Kapitel Schiller als phil. Schriftsteller Rückblick 3. Teil |
Neuntes KapitelÜberdruss an der SpekulationWir sind nun zu dem Zeitpunkt gekommen, wo wir Schillers schwierigen und allmählichen Übergang von der Spekulation zur Produktion darzustellen haben – oder vielmehr die Rückkehr von jener zu dieser. Denn ohne sich früher in der Poesie vielfach versucht und geübt zu haben, hätte sich jetzt in ihm schwerlich der Dichter vom Philosophen losgewunden. Schillers philosophische Untersuchungen selbst erleichterten diesen Rücktritt, weil sie der Poesie so nahe wie möglich lagen; denn ihr Inhalt war ja das Ästhetische, ihre Form war von einem poetischen Element durchdrungen, und ihr Verfasser hatte sich, wie er an Körner schreibt, nur der Ausübung wegen mit der Theorie geplagt. Diese Theorie konnte jetzt, nach Abfassung der ästhetischen Briefe (denn deren Beilagen kommen nicht in Betracht), als beendigt erscheinen; und so sah er sich von der Philosophie wie entlassen, nachdem er das übernommene Geschäft vollständig verrichtet hatte. Zwar ganz genügend war die Aufgabe nicht gelöst worden; denn die in den ästhetischen Briefen aufgestellte Theorie des Schönen konnte ihn unmöglich selbst befriedigen. Aber selbst dieses ungenügende Resultat am ende der Laufbahn musste den übertritt auf das angrenzende Gebiet der Dichtkunst beschleunigen. In dem Briefwechsel zwischen ihm und Goethe finden wir seinen Überdruss am Theoretisieren und seine Sehnsucht nach der Dichtkunst stark genug ausgedrückt. „Ich gebe schon an sich“, heißt es an einer Stelle, „der Darstellung vor der Untersuchung den Vorzug.“ Er lechzte ordentlich, wie er sich ausdrückt, nach einer individuellen Darstellung. „Es ist hohe Zeit“, sagt er anderswo, „dass ich für eine Weile die philosophische Bude schließe. Das Herz schmachtet nach einem betastlichen Gegenstand.“ Dieses Verlangen wurde durch den Verkehr mit Goethe unendlich verstärkt, während auf die andere, die philosophische Waagschale, kein neues Gewicht mehr gelegt wurde. Humboldt, mit dem er „das gesellschaftliche Denken“ beinahe täglich geübt und genossen hatte, war gegen Anfang Juli 1795 mit den Seinigen in Familienangelegenheiten nach seinem Gut Tegel bei Berlin abgereist. Die Krankheit seiner Mutter und Frau verzögerte seine Rückkehr bis Ende 1796. |
|
© 1999 - 2004 Copyright by Jürgen Kühnle |
|