Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info
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      Schiller, Friedrich
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            Hoffmeister - Schillers Leben

            Vorwort
            Inhalt

            1. Teil
            2. Teil
            3. Teil
               1.  Kapitel
               2. Kapitel
               3. Kapitel
               4. Kapitel
               5. Kapitel
               6. Kapitel
               7. Kapitel
               8. Kapitel
               9. Kapitel
               10. Kapitel
               11. Kapitel
                  Die Braut von Messina
                  Lustspiele Picards übersetzt
                  Wahl, Ausarbeitung Tell
                  Ausflug nach Lauchstädt
                  Johannes Müller
                  Frau von Stael
                  Vollendung Wilhelm Tell
               12. Kapitel
               13. Kapitel
               14. Kapitel

Ausflug nach Lauchstädt

   Von äußeren Begebnissen in dieser Zeit lässt sich wenig erzählen. Je fruchtbarer Schillers Tätigkeit und je reicher sein inneres Leben wurde, desto ärmer blieb sein äußeres. Ein Gedanke, die Heimat nochmals zu besuchen, wovon er in einem Brief an seine Schwester Luise vom 7. Januar 1803 spricht, ging nicht in Erfüllung; die Parze durchschnitt den Plan nur allzu bald. Dafür kam aber in dem Sommer diese Jahres ein kleiner Ausflug nach Lauchstädt zustande.

   Die Weimarsche Truppe spielte hier während der Kurzeit, in dem neu erbauten geschmackvollen und geräumigen Hause, unter großem Zulauf aus der Umgegend. Unserm Dichter gab die Ansicht eines neuen Publikums neue Blicke in das theatralische Wesen. Er fühlte sich in dem bewegten geselligen Verkehr heiter gestimmt, und gewann auch ein größeres Vertrauen zu seiner Gesundheit, so dass er zu einem Manöver, welches preußische und sächsische Offiziere zu ihrem Vergnügen veranstalteten, auf dem Weg nach Merseburg hinausritt. Er speiste in dem großen Kursaal in Gesellschaft von etwa hundert Badegästen, die sich hier zusammenfanden. Vom Mittag bis zum Abend brachte er gewöhnlich unter den Menschen zu, die sich in den Anlagen und in dem kleinen Pavillon herumtrieben. Interessante Bekanntschaften machte er am Herzog Eugen von Württemberg, einigen Professoren von Halle u.a. Auf die Einladung Niemeyers unternahm er eine Fahrt nach Halle, wo er sehr geehrt wurde, aber außer der Frankeschen Stiftungen sich nicht viel umsah, weil er sich etwas angegriffen fühlte. Die Liebe und Verehrung, womit die deutsche Jugend an ihm hing, konnte Schiller in Lauchstädt recht inne werden. Nach einem Ball in später Nacht wurde ihm von Studenten aus Halle und Leipzig eine Musik gebracht, und auch des andern Morgens, ehe er noch ganz ausgeschlafen hatte, wurde er mit Musik und Gesang begrüßt. Hier erlebte Schiller auch am 11. Juni den eigenen Zufall, dass, während seine Braut von Messina gegeben wurde, ein schweres Gewitter ausbrach, wobei die Donnerschläge und der Regen in dem leicht erbauten Schauspielhaus so heftig schallten, dass man eine Stunde lang fast kein Wort der Schauspieler verstand und die Handlung nur aus der Pantomime erraten musste. Dennoch wurde das Stück bis zu Ende gespielt, ungeachtet viele Zuschauer, besonders Frauenzimmer, aus dem gedrängt vollen Hause flohen. Lustig und fürchterlich zugleich, erzählt Schiller, war der Effekt, als bei den gewaltsamen Verwünschungen des Himmels, welche die Isabelle im letzten Akt ausspricht, der Donner einfiel; und gerade bei den Worten des Chores:

Wenn die Wolken getürmt den Himmel schwärzen,
Wenn dumpf tosend der Donner schallt,
Da, da fühlen sich alle Herzen
In des furchtbaren Schicksals Gewalt!

Fiel der wirkliche Donner mit fürchterlichem Knallen ein, so dass das Haus erzitterte und der Schauspieler Graff aus dem Stegreif eine Geste dabei machte, die das ganze Publikum ergriff.

   Nach Weimar zurückgekehrt, warf Schiller sich mit aller Kraft auf seinen Tell. Weil er, nach seinem Ausdruck, Wochen und Monate verschwendet, wollte er jetzt Tag und Stunden zu Rate halten. Zu dem Ende flüchtete er sich bald wieder in die Einsamkeit nach Jena, wo er in Goethes Zimmern wohnte. Nebenbei war er, mit Goethe, bemüht, Shakespeares Julius Cäsar und Kaufmann von Venedig auf die Bühne zu bringen. Die Beschäftigung mit Julius Cäsar hob, wie er sich ausdrückte, sein eigenes Schifflein: das Stück, sagte er, sie ihm für seinen Tell von unschätzbarem Wert.

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