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Vollendung und Aufführung des Wilhelm TellMittlerweile wurde am Tell nach Kräften fleißig fortgearbeitet und am 18. Februar 1804 konnte Schiller in seinen Kalender schreiben: „Den Tell geendigt.“ Er schickte am folgenden Tag das Werk an Goethe, der nach seiner lakonischen, trockenen Manier nur in zwei Zeilen antwortete: „Das Werk ist vortrefflich geraten und hat mir einen schönen Abend verschafft.“ Nun wurde, da der Verfasser sein Drama noch vor Ostern auf der Bühne zu sehen wünschte, sogleich die Aufführung besprochen, welche sich der Kunstgenosse sehr angelegen sein ließ. Am 17. März war die erste Vorstellung, welcher Schiller, nach Böttigers Versicherung, seiner Kränklichkeit wegen nicht beiwohnen konnte. Am 19. März folgte schon die zweite. Die aufgebotene Mühe und Sorgfalt wurde durch das Glück, welches das Werk durchaus machte, vollkommen gerechtfertigt und reichlich belohnt. Die Frau von Stael war so lange in Weimar geblieben, dass sie eine dieser ersten meisterhaften Darstellungen noch sehen konnte, welche zufällig auch Johannes v. Müller, auf der Durchreise nach Berlin begriffen, beiwohnte. Da geschah’s, als die bekannte Stelle vorgetragen wurde:
Dass die Augen aller Zuhörer sich auf Müller wandten, welcher neben Wieland in der fürstlichen Loge saß. Wieland fragte nachher die Frau von Stael, welche sich über die Langsamkeit der Deutschen im Eingreifen anspielender Stellen im Drama einige bittere Bemerkungen erlaubt hatte, ob sie nicht gesehen hätte, was heute vorgegangen sei, und er nannte diesen auftritt eine Szene aus einem alten, griechischen oder römischen Theater. Iffland in Berlin erhielt, seinem dringenden Wunsch gemäß, das Stück, wie ehemals den Wallenstein, partienweise, wie die einzelnen Akt fertig waren. Welchen Eindruck das Werk auf den alten Kunstkenner machte, möge man aus seiner Antwort auf die erste Sendung ersehen: „Ich habe gelesen, verschlungen, mein Knie gebogen und mein Herz, meine Tränen, mein jagendes Blut hat Ihrem Geist, Ihrem Herzen mit Entzücken gehuldigt! – O bald, bald mehr! … Blätter, Zettel, was Sie geben können! Ich reiche Hand und Herz Ihrem Genius entgegen. Welch’ ein Werk! Welche Fülle, Kraft, Blüte und Allgewalt! Gott erhalte Sie, Amen.“ Als endlich, nach vielem Bitten und Harren, das Stück ganz in seinen Händen war, fand er in einigen Stellen politische Bedenklichkeiten, und da er, wie er sich ausdrückt, über diese verfänglichen Stellen nicht nachfragen könnte, indem ihm alles überlassen sei, so schickte er mit seinen Aufträgen seinen Freund, den Sekretär des Theaters, Pauli, ohne dass man den eigentlichen Zweck seiner Reise kannte, nach Weimar. Den nähern Inhalt und das Resultat seiner Konferenz mit Schiller wüsste ich nicht anzugeben. Vielleicht dass der Dichter einiges strich und änderte, und was für den schnell vorübergehenden Gebrauch des Schauspielers anstößig gefunden wurde, wird er auch wohl für den Druck nicht haben stehen lassen. Das Schauspiel wurde in Berlin erst im Juli 1804, aber mit solchem Beifall gegeben, dass es in acht Tagen dreimal wiederholt werden musste. |
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