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Dresden, den 7. September 1787. Deine Nachrichten von der Jenaschen Reise sind sehr unterhaltend. Du bist ja unter lauter Theologen gerathen. Mich wundert, daß Du Eichhorn1) nicht gesehen hast; er passirt für einen hellen Kopf. Daß Reinhold Dich zum Proselyten macht, möchte mich bald verdrießen, da ich Dir immer vergebens von Kant vorgepredigt habe. Ich wäre begierig Reinholds Bekanntschaft zu machen. Was hält er denn von Herders Gott? Du hast doch meinen Brief darüber erhalten? Apropos, von Briefen. Es liegt einer in Meiningen an Dich, nebst vier Louisd’or, auch einem Einschluß aus München, den Huber nicht geöffnet hat, weil ich von dieser Abrede nichts wußte. Zum Unglück habe ich gerade auf diesem Briefe Reinwalds Adresse zu setzen vergessen. Er muß also auf der Post nachfragen lassen. Huber möchte gern wegen seines Stücks2) bald Nachricht haben. Kunzens sind fort, und wir befinden uns nicht schlechter. Auch Minna und Dorchen waren zuletzt nicht sehr von ihnen erbaut. Ich war ihre Hetzereien und Prätensionen herzlich satt. Caroline besonders hatte ein erhabnes Gouvernanten-Air angenommen, das ihr sehr übel stand. Beide waren piquirt gegen Huber, weil er nicht mehr so freundlich als sonst gegen sie ist. Daher entstand ein ewiges Klatschen und Nergeln über ihn und Dorchen, das nichts als jedem von uns unangenehme Empfindungen machte. Ich bin jetzt überzeugt, daß es vergebliche Arbeit ist, das Verhältniß zwischen D. und H.3) aufheben zu wollen, und so lange noch eine Möglichkeit ist, daß es für beide eine Quelle von Glückseligkeit werden kann, so ist es pedantische Stümperei, es zu stören. Müssen denn alle Verbindungen zwischen Personen von beiden Geschlechtern nach dem gewöhnlichen Romanenstempel geprägt sein! Men Plan ist jetzt, das Verhältniß auf die bestmöglich Art zu erhalten, alle Quellen von Unannehmlichkeiten abzuschneiden, ihm die vortheilhafteste mögliche Richtung zu geben. – Huber arbeitet jetzt mit Erfolg an seinem Stück. Fährst Du noch fort an den Niederlanden zu arbeiten? Wirst Du Dich nicht der regierenden Herzogin vorstellen lassen, wenn Du länger in Weimar bleibst? Mich wundert, daß es dir auffällt, sie das erstemal in einer großen Gesellschaft sprechen zu müssen. Überhaupt scheint der Vorrath von Toleranz, den Du mitgenommen hattest, schon ziemlich erschöpft zu sein. Trenck ist hier gewesen, und man hat den Gasthof bald gestürmt, um ihn zu sehen. Im October kommt er wieder hierher und soll sich einige Tage hier aufhalten wollen. Charlotte empfiehl uns bestens. Alle grüßen Dich. K. 1)
Joh. Gottfr. Eichhorn, geb. 1752 zu Dörrenzimmern, seit 1775 Prof. der
oriental. Sprachen in Jena, später in Göttingen.
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