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Dresden, 11. August 1788.

Heute erwache ich seit sechs fatalen Tagen zum erstenmale mit dem Gefühl von Gesundheit, und meine erste vernünftige Stunde soll Dein sein.

Den fünften Nachmittags sind wir von Carlsbad abgereist, in dem abscheulichsten Wetter, mit Kutschern, die den Weg nicht wußten, und durch die infamsten Wege, die es auf Gottes Erdboten geben kann. Nichts fehlte, als mein Magenkrampf, und dieser kam richtig den anderen Morgen durch eine Erkältung. Wir mußten im Mittagsquartiere bleiben, setzten den andern Tag, da ich etwas besser war, die Reise fort. Aber Wetter und Weg wurden immer schlechter und nach ein Paar Stunden hatte ich den Zufall wieder. Mit großer Beschwerde erreichten wir Freiberg, wo wir wenigstens ein gutes Nachtlager fanden. Der vierte Tag war leidlich, und ich kam ziemlich wohl in Dresden an; aber ein Paar Stunden nachher fing das Drücken wieder an, und brachte mich um zwei Nächte Schlaf. Diese Nacht ist die erste, da es aufgehört hat. Meine Frau ließ gestern Petzold holen; er hält meine Zufälle für Vorboten der Hämorrhoiden, räth mir Kämpf’sch Visceral-Klystire, Seifenpillen, Reiten, rothen Wein etc. Soviel habe ich bemerkt, daß die Stöße im Fahren mir sehr übel bekamen und die Zufälle erneuerten. – Doch genug von dem Zeuge. – Eben bekomme ich Deine Briefe über den Carlos. Ich hielt das Unternehmen für gefährlich, aber meines Erachtens hast Du Dich gut aus der Sache gezogen. Der Ton gefällt mir sehr, weder affectirte Bescheidenheit, noch Selbstlob. Du giebst Dein Kunstwerk preis und willst nur Deine Ideale retten, in die Du verliebt bist. Auch der Styl ist geistvoll und ohne Prätension; kurz diese Briefe sind mir eins der liebsten unter Deinen prosaischen Producten. Über den Inhalt behalte ich mir vor meine Meinung zu sagen, wenn ich die Fortsetzung gelesen und reifer darüber nachgedacht habe.

Ich habe noch einen Brief von Dir in Carlsbad erhalten. – Daß es Dir in Volkstädt so gefällt, ist gut für Dich, aber nicht für mich. Doch einst schlägt vielleicht auch meine Stunde. – – Von Sophie willst Du mehr wissen. Was ich Dir von ihr schreiben kann, wird Dir wenig frommen. Sie ist weniger für uns, als ich geglaubt habe. Der Mensch lebt nicht von Natur allein. Ihr Schicksal interessirte; sie hat viel weibliche Tugenden, aber ihre Seele scheint doch im Grunde von gemeinerem Schlage zu sein. Was ich für Salzmannschen Sauerteig hielt, scheint ihr natürlicher zu sein, als ich anfangs glaubte. Ich halte sie nur der moralischen und nicht der ästhetischen Begeisterung fähig. – Herders Geschichte hat mich gefreut; ich weiß nicht, was mich an ihn anzieht, aber ich gönne ihm sein Geschenk und seinen jetzigen Genuß von Herzen. Nur traue ich ihm einen gelehrten Adelstolz zu, der mich schüchtern machen würde, wenn ich ihn aufsuchen sollte.

Ich freue mich jetzt wieder in meiner Klause zu sein. Nur Gesundheit, und dieser Winter soll nicht ungenutzt vorbeigehen. Besorge doch, daß ich gleich ein Exemplar von der niederländischen Geschichte bekomme.

Julius hat wohl nichts an Raphael zu schreiben?

K.

Ü    Þ

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