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      Schiller, Friedrich
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            Christian Gottfried Körner
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Dresden, 15. Oktober 1788.

Du scheinst jeden Herbst beinahe eine Art von Flußfieber auszuhalten zu haben. Sollte nicht ein diätetischer Fehler mit Schuld dabei sein? Seit meiner Krankheit trage ich einen Brustlatz von feinem Flanell auf dem bloßen Leib und Socken von spanischer Wolle in den Schuhen. Sollte dies Dir nicht auch gut sein? Du wirst Dich über meine Weisheit wundern, aber ich habe Gesundheit schätzen gelernt.

Meine Gesundheit ist wieder die alte, und es soll rasch wieder aus Arbeiten gehen, wenn ich jetzt nur die Werke Friedrichs durchgekostet habe. Fast glaube ich, daß meine Erwartung nicht befriedigt werden wird. Die Histoire de son tems hat viel Schülerhaftes in der Art zu erzählen und in den eingestreuten (oft sehr platten Bemerkungen. In den ersten Briefen an Voltaire ist viel Geschwätz, viel übertriebene Demuth und wenig Spuren des künftigen großen Mannes. Ich kann nicht glauben, daß Friedrich diese Producte für den Druck bestimmt hat. Nach der Einleitung zur Historire de son tems scheint er für Schriftstellerei Begeisterung gehabt zu haben. Auch zeigt dies sein Enthusiasmus für Voltaire. Aber diese Begeisterung hat ihn oft während der Ausführung verlassen. Außer den Nachlässigkeiten im Styl zeigt sich oft eine gewisse Kleinheit in der Art des Gesichtspunktes, Verkennung fremden Verdienstes, Parteilichkeit, Vorurtheil und dergl. Von sich selbst spricht er übrigens auf eine wirkliche schöne Art: in dem Ton des wahrhaft großen Mannes, mit der Unparteilichkeit eines Fremden, ohne Anmaßung und affectirte Bescheidenheit. – Ich hatte einen flüchtigen Einfall, ob ein episches Gedicht auf Friedrich keine Arbeit für Dich wäre. Versteht sich, ohne die conventionellen Schnörkel von Feerei und allegorischem Wesen. Auch könntest Du etwas anderes an der Stelle der Hexameter brauchen. Sollte diese Gattung der Dichtkunst keiner Verbesserung, keiner Anwendung auf einen solchen Gegenstand fähig sein? Das Begeisternde aus der Geschichte eines solchen Mannes in einen kleinen Raum zusammengedrängt, mit möglichster Pracht der Diction und des Wohlklanges dargestellt, mit Schilderungen der Phantasie aus der verschönerten wirklichen Welt durchwebt (wie die Episoden in Thomsons Jahreszeiten): sollte dies nicht ein interessantes Kunstwerk geben? Was meinst Du dazu? Im Meßkatalog finde ich auch die Geschichte der Verschwörungen. Kommt denn noch ein Theil davon heraus? – Die Beitsche Schuld habe ich prolongirt, aber nur bis Neujahr; es ist dies theuer genug. Die Post beträgt jetzt 280 Thaler. Anfangs warens 310 Thaler, 100 sind bezahlt, 70 Thaler sind nach und nach für Prolongation aufgelaufen. Treibe also ja Göschen, daß er zu Neujahr spätestens Dir das Geld für diese Schuld vorschießt . Wenn Du monatlich etwas eher besorgst, so gehen Dir fünf Procent zu gut. Schneider Müller fragt auch manchmal, ob Du nicht bald wiederkämest.

Die Recension vom Egmont habe ich noch nicht gesehen und ebensowenig den September vom Mercur. Ich bekomme alles von dieser Art sehr spät.

Lebe wohl für heute. Ich werde unterbrochen. Viele Grüße von M. und D.

Körner.

Ü    Þ


1) Körner selbst löste den Wechsel ein und brachte die Sache erst zur Sprache, als Schiller in bessere Umstände gekommen war; vgl. II, 296 f. ­
2) S. Schr. 4, 187 f. Schiller nennt ihn dort und I, 356: Miller.
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