Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info
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            Christian Gottfried Körner
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Dresden, 24. November 1788.

Diesmal will ich Dir die lange Pause vergeben; aber nun Du wieder in Weimar eingerichtet bist, ist’s wirklich Unrecht von Dir, wenn Du nicht öfter schreibst. Deine und Hubers Briefe geben mir noch manchmal den alten Schwung. Ohne Euch erschlaffte ich vielleicht ganz. Ich habe schlechterdings niemand hier, an dem ich mich reiben kann. Alles muß ich aus mir selbst zehren; mein Stolz hält mich zwar noch aufrecht, aber oft fällt mir der demüthigende Gedanke ein, daß ich noch nichts gethan habe, was mir für meinen Gehalt Bürge ist. Dann verfolgt mich die Furcht vor Stümperei, und in der Angst fange ich wieder an, Holz und Steine zu meinem juristischen Gebäude zusammenzutragen; freilich hätte ich mir dies Geschäft gern für ein späteres Alter aufgehoben, wenn ich jetzt etwas Tüchtiges von einer anderen Art hervorzubringen hoffte. Aber oft gebe ich diesen Gedanken ganz auf, es scheint mir an Fruchtbarkeit zu fehlen. Ich tauge vielleicht besser für Gegenstände, wobei Scharfsinn und ein gewisses Gefühl für Zweckmäßigkeit erfordert wird. Manchmal denke ich gar, daß ich bloß zum Juristen bestimmt bin. In dieser Sphäre bin ich wenigstens des Erfolges gewiß. Kunstgefühl ist bei weitem noch nicht Kunsttalent, und schon mancher hat durch diese Verwechselung seine wahre Bestimmung verfehlt.

Wider Deinen Plan wegen des Mercur habe ich nichts einzuwenden. Der mercantilische Erfolg hängt bloß vom Zutrauen des Publicums zu denjenigen ab, die sich als Unternehmer ankündigen. Wieland hat freilich bisher schon gezeigt, daß er trotz der ehemaligen vielversprechenden Ankündigung des Mercur in der Aufnahme von Beiträgen oft nichts weniger als streng war. Bei Dir ist wohl kein Zweifel über das, was Du leisten kannst, sondern über die Pünktlichkeit in Erscheinung Deiner Producte. Ich kann mich daher nicht überzeugen, daß eine bloße Ankündigung von Euch Beiden große Wirkungen in Ansehung des Debits hervorbringen werde. Eine ähnliche Ankündigung zu Ende des vorigen Jahres hat nicht gehindert, daß der Mercur, wie Du selbst sagst, in den letzten Zügen liegt. Ein neuer Plan, der Aufmerksamkeit erregte (etwa wie der, welchen ich Dir neulich zuschickte), würde die Mitarbeiter inskünftige zu sehr binden; und eigentlich hängt der innere Werth des Journals doch nur davon ab, daß ihm einige gute Köpfe ihre besseren Stunden widmen. Sollte daher ein neuer Plan und eine neue Ankündigung überhaupt nöthig sein? Wäre es nicht besser, die Stücke des 89sten Jahres an innerem Gehalt merklich zu verbessern und keinen unerheblichen Aufsatz aufzunehmen? Alsdann könnte man am Ende des Jahres das Publicum fragen, ob es ferner dergleichen Waare haben wollte; dazu gehörte mehr Unterstützung etc.

Mit deiner Antwort wegen der philosophischen Briefe muß ich mich beruhigen, ob sie wohl mich nicht ganz befriedigt.

Über Hubers dramatische Manier magst Du wohl nicht ganz unrecht haben. Indessen scheint mir doch immer soviel Gehalt in seiner Arbeit zu sein, daß ich sie ihm nicht verleiden möchte, wenigstens so lange er sich für keine andere Thätigkeit interessirt. Schreibst Du ihm denn manchmal? Er klagte neulich über Dein Stillschweigen.

Die Idee wegen der Memoires leuchtet mir sehr ein; so eine Arbeit habe ich mir immer gewünscht. Schreib’ mir doch Deinen Plan ausführlicher und sorge bald für einen Verleger, damit man immer anfangen kann. Alles kommt, däucht mich, darauf an, den Gesichtspunkt festzusetzen, aus welchem die Memoires zu bearbeiten sind. Als Quellen der Geschichte sind sie keines Auszugs fähig. Will man das Unternehmen nicht zu weitläufig machen und ein Werk liefern, das um seiner selbst willen lesbar ist, so wird man sich wohl auf einzelne charakteristische Züge einschränken müssen, die in der Nationalgeschichte oder in der Biographie merkwürdiger Menschen keinen Platz finden können, und gleichwohl an sich selbst interessant sind (nicht durch den Aufschluß, den sie über andere interessante Personen und Vorfälle geben). Solche Züge sind häufig in den Memoires vorhanden, und eben diese, weil sie keine, als die allgemeinsten historischen Kenntnisse voraussetzen, sind dem größten Theil des lesenden Publicums am willkommensten.

Lebe wohl. Alles ist gesund und grüßt Dich.

Körner.

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