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Loschwitz, 13. August 1790. Mit Verlangen sehe ich dem Zeitpunkte entgegen, wo Du wieder im achtzehnten Jahrhundert und nicht mehr im dreißigjährigen Kriege leben wirst. Ich hätte Dir längst geschrieben, aber Wichtiges war nicht vorgefallen, und um bloß mit Dir zu plaudern, hielt ich Dich jetzt für zu zerstreut. Dein Weibchen schreibt mir, daß Du krank bist, also jetzt nicht arbeiten kannst. So magst Du denn unterdessen hören, wie es uns gegangen ist. Dorchen hatte der Herzogin von Curland sehr gefallen, und war täglich mit ihr in Carlsbad zusammen gewesen. Sie wollte uns kennen lernen; wir reisten ihr bis Freiberg entgegen, fanden sie sehr liebenswürdig, und schienen auch ihr zu behagen: so daß wir in den acht und mehr Tagen ihres hiesigen Aufenthalts fast unzertrennlich von ihr gewesen sind. Sie hat alle die Weiblichkeit, welche Elise fehlt. Nichts an ihr ist abgezirkelt und studirt. Ihre Lebhaftigkeit geht oft bis zur Unbehutsamkeit; aber in ihrem ganzen Betragen herrscht angeborne Grazie. Sie hat ein ungemeines Talent, Personen, für die sie sich interessirt, durch tausend feine Aufmerksamkeiten angenehme Empfindungen zu machen. Aber dies geschieht mit Leichtigkeit, mit dem Muthwillen eines Wesens, das bloß auf sein Vergnügen denkt. Nichts Drückendes, keine Spur von Pflichtmäßigkeit oder Resignation. Ihr Äußeres ist sehr einnehmend, und sie kleidet sich mit Geschmack. In Jena hat sie bloß Pferde gewechselt, und sie und Elisa haben Dich grüßen lassen, wie sie schreiben. Ich wußte nicht einmal, daß sie durch Jena gehen würden; auch war es für Dich keine Sache, Dich von ihr bloß besehen zu lassen; denn zu etwas mehr war keine Zeit. Bei ihrer Zurückkunft von Pyrmont bleibt sie eine Woche in Sagan. Sie hat uns eingeladen zu ihr zu kommen, und wahrscheinlicherweise werden wir’s thun. Goethe war auch vor Kurzem ein Paar Tage hier. Graf Geßler suchte ihn auf und brachte ihn einen Abend auf unseren Weinberg. Er thaute auf und war zuletzt sehr mittheilend. Aber seine Art sich anzukündigen hat immer etwas Kaltes und Zurückscheuchendes. Ich habe wieder eine halbe Stunde lang ein interessantes Gespräch über Kunst mit ihm gehabt. Auf dem Rückwege denkt er hier wieder durchzukommen und länger zu bleiben. Bald werde ich Dir entscheidende Nachricht geben können, ob ich Appellationsrath werde oder nicht. Zur Zeit ist schon viel gewonnen, aber nicht ohne Schwierigkeit. Theils zweifelte man an meinem juristischen Fleiße, theils hatte ich gefährliche Compotenten. Das Appellationsgericht ist auf meiner Seite, und ich bin der zweite unter denen, die zu den 4 neuen Stellen denominirt sind. Im geheimen Consilium habe ich auch durchgedrungen, wie mir Wurm selbst gesagt hat, der mir am meisten zuwider zu sein schien. Jetzt beruht es noch auf dem Kabinette, und es ist kaum zu vermuthen, daß dieses sich dem Geh. Cons. und dem Appel-Gerichte entgegenstellen sollte. In etlichen Wochen kann es entschieden sein. Das Beste ist, daß ich nun keinen Schritt mehr in der Sache zu thun habe und alle Bitterkeiten des Clientenzustandes hoffentlich für mein ganzes Leben vorüber sind. Ein paar Umstände waren mir angenehm, daß der Consistorialpräsident mit Wärme für mich gesprochen und seine Zufriedenheit mit meinen Arbeiten auf eine Art, die mir wirklich schmeichelt, geäußert hat, und daß ich durch meine Probearbeit beim Appellationsgerichte einigen Widersachern habe das Maul stopfen können. Ich kenne etliche, unter welchen auch Minister Wurm ist, denen irgend eine Gelegenheit zum Tadel sehr willkommen gewesen wäre, und andere, die mir nicht sonderlich viel im juristischen Fache zugetraut haben, wenn sie auch sonst nichts wider mich hatten. Von schriftstellerischen Arbeiten ist nichts fertig worden. Nur meine Materialien haben sich vermehrt. Noch immer sinne ich auf eine bessere Einkleidung als die Form einer trockenen Abhandlung. Das Beste wäre freilich Julius und Raphael, wenn mit Dir Erzhistoriker jetzt in philosophicis etwas anzufangen wäre. Herrn v. Funk habe ich gesagt, was mir Dein Weibchen aufgetragen hat. Er ist jetzt unbeschäftigt gewesen, und wäre schon weit, wenn er eher Nachricht von Dir erhalten hätte. Deinem Lottchen sage viel Herzliches von mir und den bei den andern, die Dich auch schönstens grüßen. Kunze ist jetzt bei uns mit seinen Kindern. Huber klagt, daß er gar nichts von Dir hört, und wartet nur auf Nachricht wegen der Manuscripte, die er Dir geschickt hat. Lebe wohl. K. |
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