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Dresden, den 2. Jan. 95. Nur ein Paar Zeilen, um Dir zu zeigen, daß es mir wenigstens nicht an gutem Willen fehlt, Dir aus der Verlegenheit zu helfen. Ich lasse die Metaphysik jetzt ruhen, weil ich einen von den drei Aufsätzen, von welchen ich Dir geschrieben habe, unmöglich in so kurzer Zeit liefern kann. Aber bei genauer Prüfung meiner Materialien für die Musik habe ich doch Stoff genug gefunden, um Dir jetzt einen Aufsatz: Über das Ideal des Charakters in der musikalischen Darstellung, liefern zu können. An diese Arbeit mache ich mich sogleich, und an meinem Fließe soll es nicht liegen, wenn ich in 3 Wochen nicht fertig werden sollte. Ich will mich alles weiten Ausholens möglichst zu enthalten suchen. Doch kenne ich mich selbst zu sehr aus Erfahrung, daß ich Dir rathe, noch nicht ganz gewiß auf mich zu rechnen. In 8 Tagen glaube ich Dir eher mit Zuverlässigkeit sagen zu können, ob ich fertig werde.1) Schlegel hat wegen des Aufsatzes über den Dante an seinen Bruder geschrieben, und erwartet mit jedem Posttage Antwort. Inzwischen läßt er das Manuscript abschreiben, um Dir es sogleich schicken zu können, wenn die Antwort eingeht.2) Ich freue mich über die Heiterkeit Deines Briefes. Ein solcher Beweis Deiner jetzigen Stimmung war mir ein schönes Geschenk zum Anfang des Jahres. In diesem Jahre, denk ich, soll’s mit meiner Autorschaft rascher gehen. Körner. 1)
Der Aufsatz „über Charakterdarstellung in der Musik“ erschien erst im
fünften Hefte der Horen.
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