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Dresden, den 29. Sept. 95. Ich möchte mit Dir zanken, weil Du mir nicht eher davon geschrieben hast, daß ich Dir die Gedichte zurückschicken sollte. Gestern erhielt ich Deinen Brief Abends spät, und heute Mittag geht die Post, mit der ich sie zurücksenden soll. Ich habe nur noch die Elegie können abschrieben lassen. Das Reich der Schatten und die Würde der Frauen erwarte ich im nächsten Stück der Horen. Die Ideale weiß Dora größtentheils auswendig. Wenn der Almanach nicht vor der Mitte des Octobers herauskommt, so mußt Du mir die Gedichte noch einmal abschreiben lassen. Graf Geßler möchte ich gern damit tractiren, den ich in diesen Tagen erwarte, und der wirklich Sinn dafür hat. Gegen Ende Octobers aber geht er nach Italien. Nach seiner Zurückkunft wird er öfter in unsrer Gegend sein. Er hat seine Güter in Oberschlesien verkauft, und sich bei Landshut an der Lausitzer Grenze ansäßig gemacht. Die Stanzen machen eine äußerst gefällige Wirkung. Der Ton ist vortrefflich gehalten. Nur bin ich überzeugt, daß Du Deinen Werken unrecht thust. Den Abend habe ich noch abgeschrieben, und will versuchen, ob er sich componiren läßt. Freilich ist er größtentheils von der Gattung, die, wie mich dünkt, nicht gesungen, sondern declamirt werden soll; wo der Dichter ungestört genossen werden muß, wo die Darstellung in einer Reihe von Bildern liegt, wofür der Musiker keine Zeichen hat. Die letzte Strophe ist musikalisch, auch die erste, jedoch weniger. – Die Verse sind meisterhaft. Du mußt doch gestehen, daß dieses Metrum einen besondern Reiz hat, den man in den schönsten gereimten Gedichten nicht findet. Es tönt wie eine Melodie aus einer andern Welt. Diese Melodie nicht zu zerstören, ist noch eine besondere Schwierigkeit für den Musiker. Das 10te Stück der Horen wird ziemlich reich werden. Hoffentlich kann ich Dir etwas für’s 11te schicken. Über das 8te habe ich Dir wohl noch nicht geschrieben. In Jacobis Briefen hat mir manches recht wohl gefallen. Man muß sich nur erst an seine besondere Denkart gewöhnen. Klarheit und Bestimmtheit ist einmal nicht seine Sache; aber an Geist fehlt es ihm nicht. Schlegels Commentar zum Ugolino scheint mir recht gut gearbeitet. Von wem sind denn die beiden letzten Aufsätze? Gegen No. 3 ließe sich wohl manches einwenden. Dein K. |
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