Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info
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      Schiller, Friedrich
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            Christian Gottfried Körner
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                  ...
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                  5.10.1795, an Körner
                  19.10.1795, an Körner
                  2.11.1795, an Körner
                  6.11.1795, an Schiller
                  16.11.1795, an Körner
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                  15.12.1795, an Schiller
                  18.12.1795, an Schiller
                  21.12.1795, an Körner
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               1804
               1805

Dresden, den 18. Dec. 95.

Mein letzter Brief war eben fort, als ich den Deinigen mit den Horen erhielt. Daß Du die jetzige Witterung empfinden würdest, war zu erwarten. Indessen ist es ein großer Beweis Deiner bessern Gesundheit, wenn Du nicht eigentliche Rückfälle bekommen hast. Hier gehen viel Krankheiten herum. Auch Geßler hat den fatalen Zufall wieder am Auge gehabt, der ihn für sein Gesicht bange macht.

Die Horen haben ihre Sache wieder recht gut gemacht. Dein Aufsatz über das Naive hat mich besonders gefreut. Sehr oft fand ich auch meine eignen Gefühle darin erklärt, besonders bei der Wirkung der naiven Dichter. Weniger einverstanden bin ich mit Deinen Ideen über die Gefahr ästhetischer Sitten, ohngeachtet ich gegen viele einzelne Stellen in diesem Aufsatze nichts zu erinnern habe. Ich muß mir immer Gewalt anthun, um den Stoff, den mir Deine Aufsätze geben, nicht gleich zu verarbeiten. Es gibt so manches, was ich über diesen Gegenstand sagen möchte; und gleichwohl mag ich jetzt eine angefangene Arbeit nicht unterbrechen, um nur endlich einmal etwas fertig zu machen. Genug, es kann mir für die Horen nie an Materialien fehlen. Schon an Deinen Aufsätzen im ersten Jahrgange habe ich auf lange Zeit zu thun.

In Schlegels Briefen hat mir der Ton im ersten vorzüglich gefallen. Nachher befriedigte er mich weniger. Er wird trockener, ohne doch tief genug einzudringen.

Das Fest der Grazien scheint mir von Herder zu sein.1) Einzelne schöne Ideen, aber das Ganze steif und, wie mich däucht, verfehlt. Das Fest ist rührend und interessant, nur sind es eben doch die Grazien, die ich darin vermisse. Über die beiden Gedichte: die Theilung der Welt und die Thaten der Philosophen, bin ich noch nicht mit mir einig, wem ich sie zuschreiben soll2). Der Schluß des ersten läßt mich auf Dich rathen, aber nach dem Anfange wär’ ich eher auf Goethen gefallen. Bei dem 2ten fiel ich zuerst auf Langbein, dann auf Goethe. Die übrigen Gedichte können von Dir sein, außer der heilige Wahnsinn. Dieser ist gewiß von Herder.3) Auch können die Horen und Theophanie von ihm sein.

Was hältst Du von Kants neuester Schrift: Zum ewigen Frieden? Mich hat sie weniger befriedigt. Kant scheint hier nicht in seinem Fache zu sein. Aus einseitigen Beobachtungen folgert er Sätze, die eine strenge Prüfung nicht aushalten. Der Vortrag ist hier und da sehr geistvoll, auch sogar launig; aber an anderen Stellen wieder sehr vernachlässigt. Ich habe mir nicht versagen können, einiges, was mir darüber einfiel, gleich aufzuschreiben. Wenn Dich diese Untersuchungen interessiren, will ich Dir’s schicken. Für den Druck ist es gar nicht bestimmt.

               Dein

Körner.

Wo bleibt nur der Almanach?

Ü    Þ


1) War von Herder. ­
2) Bekanntlich von Schiller, der beide Stücke im Inhaltsverzeichniß des Jahrgangs „Anonym“ bezeichnete.
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3) Von Herder, dem auch „die Horen“ gehörten, während die Theophanie von Schiller war.
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