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            Christian Gottfried Körner
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Dresden, 25. August 1797.

Dein Urtheil über Alexander Humboldt scheint mir doch fast zu streng. Sein Buch über die Nerven habe ich zwar nicht gelesen, und kenne ihn fast nur aus dem Gespräch – aber gesetzt, daß es ihm auch an Einbildungskraft fehlt, um die Natur zu empfinden, so kann er doch, däucht mich, für die Wissenschaft vieles leisten. Sein Bestreben alles zu messen und zu anatomiren, gehört zur scharfen Beobachtung, und ohne diese giebt es keine brauchbaren Materialien für den Naturforscher. Als Mathematiker ist es ihm auch nicht zu verdenken, daß er Maß und Zahl auf alles anwendet, was in seinem Wirkungskreise liegt. Indessen sucht er doch die zerstreuten Materialien zu einem Ganzen zu ordnen, achtet die Hypothesen, die seinen Blick erweitern, und wird dadurch zu neuen Fragen an die Natur veranlaßt. Daß die Empfänglichkeit seiner Thätigkeit nicht das Gleichgewicht hält, will ich wohl glauben. Menschen dieser Art sind immer in ihrem Wirkungskreise zu beschäftigt, als daß sie von dem, was außerhalb vorgeht, große Notiz nehmen sollten. Dies giebt ihnen das Ansehen von Härte und Herzlosigkeit. – Wilhelm Humboldt hat mir aus Wien geschrieben. Noch gefällt’s ihm ganz wohl, aber bald wird ihm doch gewiß die Leerheit zu lästig werden. Was sagst Du zu seinen Aufsätzen über Charakter? Ich habe sehr gute Ideen darin gefunden, aber noch will sich kein klares Resultat finden. Er kämpft wacker mit seinem Stoffe, aber Klarheit entsteht nur im Momente des Siegs, und zeither zeigte er sich immer noch während des Kampfs.

Ich lese jetzt den Euripides, der mir noch sehr fremd war. Gegen den Sophokles finde ich einen großen Abstand. Im Orest hat der Mordanschlag auf die Helena etwas Empörendes. Die Reden sind weitläufig und voll Wiederholungen. Im Hippolytus habe ich viel Feinheit und Kraft in der Darstellung von Phädra’s Leidenschaft gefunden. – Voß’s Bearbeitung von Virgils Eklogen ist ein interessantes Product. Im Commentar hätte er sich aber wohl noch kürzer fassen können. Er kramt zuweilen unnütze Gelehrsamkeit aus, fast wie Böttiger.

K.

Ü    Þ

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