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            Christian Gottfried Körner
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                  20.11.1797, an Körner
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                  25.12.1797, an Schiller
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Dresden, den 27. Sept. 97.

Mit jedem Posttage warte ich jetzt auf Bogen vom Almanach. Eine Ballade: die Kraniche des Ibykus, habe ich kürzlich durch Rackenitz bekommen. Ich wollte fast mehr auf Dich, als auf Goethe rathen. Deine Manier finde ich besonders in der Beschreibung des tragischen Chors. Dagegen ist die Versification mehr Goethen, als Dir ähnlich. Die Darstellung ist köstlich und einzelne Stellen machen große Wirkung; aber das Ganze hat etwas Trocknes, ohngefähr wie der Ring des Polykrates. Die Einheit ist hier wieder ein abstracter Begriff, die Rache des Schicksals, wie dort der Nemesis. Solche Begriffe schaden der dramatischen Darstellung nicht; weil die Aufmerksamkeit zu sehr auf der handelnden und leidenden menschlichen Natur haftet, und die unsinnliche Idee gleichsam nur im Hintergrunde steht. Aber im erzählenden Gedicht darf das Unsinnliche, däucht mich, nicht herrschen. Der eigentliche Stoff der Ballade ist wohl höhere menschliche Natur in Handlung. Das Begeisternde in einer menschlichen Begebenheit wird aufgefaßt und gleichsam in einem dichterischen Monument verewigt. Das Ziel ist entweder Sieg nach einem schweren Kampfe, oder eine heldenmäßige Resignation bei dem Übergewicht der äußern Kraft.

Hermann und Dorothea habe ich nun ganz gelesen, aber noch nicht studirt. Der Ton ist durchaus glücklich gehalten, und der höhere Schwung vor dem Schlusse thut treffliche Wirkung. Das ganze Product gehört unstreitig unter Goethes Werke vom ersten Range. Aber fast ist es von zu hohem ästhetischen Werthe, um nach Verdienst aufgenommen zu werden.

Der größte Theil des Publicums klebt immer am Stoffe, und hier sind die herrschenden politischen Parteien einigermaßen interessirt; daher erwarte ich die seltsamsten Urtheile im Lob und Tadel.

Ob wohl Humboldt noch nach Paris geht? Indessen, wenn er einmal dort ist, wird er wohl nicht viel wagen. In Paris scheint die Pluralität offenbar für die jetzt herrschende Partei zu sein; also hat man fast gar nichts von künftigen Unruhen zu fürchten.

Bei mir ist diesen Sommer nichts fertig geworden. Ich hatte mir philosophische Arbeit vorgenommen, aber die Nothwendigkeit, meine Kinder selbst zu unterrichten, hat mich sehr zerstreut. Ich habe über Erziehung manches gelesen und gedacht, und bin zuletzt aus pädagogischem Bedürfniß auf das Studium der Natur gefallen, das bei mir seit mehreren Jahren in den Winkel gestellt war. Jetzt fange ich ihm wieder an Geschmack abzugewinnen. Überhaupt bin ich selbst vorwärts gekommen, wenn ich auch nichts außer mir hervorgebracht habe.

Hoffentlich bist Du wieder gesunder.

               Dein

Körner.

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