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Dresden, den 7. Nov. 97. Du hast lange nichts von mir gesehen, weil ich Dir einen ausführlichen Brief über den Almanach schreiben wollte, und vor einer pressanten Actenarbeit, die mich noch jetzt beschäftigt, nicht dazu kommen konnte. Also nur für jetzt ein Lebenszeichen. Unter den Compositionen ist mir die Zeltersche von Goethens indischer Legende die liebste. Zumstegs Arbeiten zeigen von Talent, sind aber manchmal etwas gesucht. Meine Composition vom Reiterliede schicke ich Dir hier in einer anderen Form, so daß jeder Vers besonders geschrieben ist. Ich höre hier von einer gewissen Mariane Meyer1) aus Berlin, die von Goethen genaue Nachrichten haben will, daß er bald zurückkommen würde. Hat er Dir etwa von Geßlern geschrieben? Es wäre möglich, daß er ihn in Zürich gesehen hätte. Die letzte Nachricht von Geßlern ist aus Genua vom 2. Sept., wo er von baldiger Rückkehr schreibt. – Von Humboldts weiß ich gar nichts. Göschen war hier und erzählte mir sehr vergnügt, daß er auf einen Antrag wegen des Carlos von Dir eine freundliche Antwort erhalten hätte. Du sagtest mir einmal von einem kleinen epischen Gedichte.2) Wäre dies nicht für Göschen, wenn Du mit dem Wallenstein fertig wärest? Es wird mir schwer, Dich nicht um die fertigen Stücke vom Wallenstein zu plagen; doch muß ich nachgeben, wenn Du noch fest bei Deinem Vorsatze bleibst. Dein Körner. 1)
Goethe hatte sie 1795 in Karlsbad kennen lernen. Sie war eine getaufte
Jüdin und verheiratete sich mit einem Fürsten Reuß in morganatischer Ehe,
nach dessen Tode sie den Namen einer Frau v. Eybenburg führte. Sie starb
1811. Vgl. Varnhagens ausgewählte Schriften. Charlotte von Schiller und
ihre Freunde 3, 24. Goethes Briefe an sie in Frankls Sonntagsblatt. 1846.
23. Juni.
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