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Dresden, den 20. Febr. 99. Ich begreife recht gut, daß Du in Deiner jetzigen Lage nicht dazu kommen konntest, einen Brief zu schreiben. Aber bei dem strengen Winter war mir bange um Deine Gesundheit, und ich würde bald mich darüber bei Deinem Weibchen erkundigt haben, wenn Du mich nicht beruhigt hättest. Daß Du diesen Winter so gut ausgehalten hast, und Dir sogar mehr als sonst zumuthen konntest, ist ein Beweis für Deine Genesung. Den Wallenstein muß ich lange entbehren. Aber ich gewinne dadurch den vollständigen Totaleindruck, auf den ich sehr begierig bin. Da Du Dich lange vorher mit dem Plane und mit einzelnen Theilen beschäftigt hast, so kann der äußere Drang in den letzten Momenten der Ausführung dem Werke sehr günstig sein. – Ich höre, daß man in Berlin die Piccolomini geben will. Du hast also wohl mit einigen Theatern contrahirt? Hast Du nicht Lust Dich mit dem hiesigen einzulassen? Oder scheust Du die hiesige Censur? Der Capuziner freilich im Lager dürfte nicht stehen bleiben. Über den Almanach lege ich den Schluß meiner Bemerkungen bei. Wie ich höre, ist es der letzte. Warum willst Du diese Unternehmung aufgeben? Das Auswählen unter den eingesandten Beiträgen mag wohl kein angenehmes Geschäft sein. Aber mir thut es leid, daß für Dich eine äußere Veranlassung zu poetischer Thätigkeit verloren geht. Du wirst freilich nicht müßig sein, aber Dich mehr mit größern Werken beschäftigen, und wir werden manche kleinere Gedichte einüben, die ich sehr ungern entbehre. Humboldts Schrift habe ich angefangen zu lesen, aber die ersten Capitel haben mir Angst gemacht. Ich habe jetzt weder Zeit noch Lust, in diese schauerliche Tiefe hinabzusteigen. Auch liebe ich über abstracte Gegenstände mehr den schulgerechten Vortrag, wo man Schritt vor Schritt weiter geht, und durch keine Seitenwendung die Prüfung erschwert. Dies Buch wird bei aller Reichhaltigkeit ein sehr kleines Publicum haben. Es hat von Seiten des Styls Vorzüge vor seinen vorherigen Arbeiten. Besonders ist die Vorrede recht gut geschrieben. In seinen Sätzen ahnt man Gehalt; aber ich bin nun zu alt worden, um mich an solchen Ahnungen zu begnügen. Ich muß wissen, woran ich bin. Was mir in der Luft zu stehen scheint, muß für mich einstürzen, wenn ich keine Grundlage dazu finden kann. Und diese Grundlagen liegen hier – wenn sie wirklich vorhanden sind – in den innersten Tiefen der Metaphysik. Ein Gebäude der Metaphysik zu eigenem Gebrauche zu gründen, ist für mich jetzt Bedürfniß, und ich habe einige Hoffnung, damit bald zu Stande zu kommen. Es ist mein Geschäft in jeder Stunde der Muße, die nach und nach immer häufiger werden. Bin ich mit meiner Philosophie fertig, dann will ich auch die Humboldtsche vornehmen. Fichtens Apologie ist in einem ungleichen Tone und zum Theil nachlässig geschrieben. Sie hat treffliche Stellen voll männlicher Beredsamkeit und philosophischer Begeisterung, aber dagegen manches Schwache, Kleinliche, Weitschweifige. Die Grazien sind bei ihm ausgeblieben, aber an Energie fehlt es ihm nicht. Übrigens habe ich hier noch wenig davon sprechen hören, nur von jungen Leuten, die sich für Fichte interessiren. Reinhard wird vielleicht Amtshalber etwas darüber sagen, aber schwerlich, was er denkt. Dein Körner. |
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