Friedrich Schiller @ www.Wissen-im-Netz.info
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      Schiller, Friedrich
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            Christian Gottfried Körner
               Inhalt
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               1800
                  ...
                  3.7.1800, an Körner
                  9.7.1800, an Schiller
                  13.7.1800, an Körner
                  17.7.1800, an Körner
                  22.7.1800, an Schiller
                  25.7.1800, an Schiller
                  28.7.1800, an Körner
                  6.8.1800, an Schiller
                  3.9.1800, an Körner
                  10.9.1800, an Schiller
                  21.10.1800, an Körner
                  27.10.1800, an Schiller
                  16.11.1800, an Körner
                  23.11.1800, an Schiller
                  29.12.1800, an Schiller
               1801
               1802
               1803
               1804
               1805

Dresden, den 10. Sept. 1800.

Ich war sehr auf die Erscheinung Deiner Gedichte begierig, aber fürchtete immer, Deine Strenge gegen Dich selbst möchte Dir die Revision so weitläufig und mühsam machen, daß Du die Lust darüber verlieren würdest. Freilich hast Du solche Fortschritte gemacht, daß Dich die meisten Deiner früheren Arbeiten nicht mehr befriedigen können. Und da Du in neuern Zeiten so fruchtbar gewesen bist, so darf man sich eigentlich nicht beschweren, wenn Du uns manche Deiner früheren Producte entziehst, die bei allem poetischen Gehalte doch vielleicht einer gänzlichen Umformung bedurft hätten. Daß Du aber auch die Künstler und die Freude nicht aufgenommen hast, werden Dir viele nicht verzeihen. Deine Ursachen begreife ich wohl. Indessen sollt’ ich nicht glauben, daß Du nicht beiden Gedichten eine Gestalt geben könntest, die Deinen jetzigen Forderungen entspräche. Aus den Künstlern, die mir besonders lieb sind, ließen sich, däucht mich, 2 Gedichte machen. Manches ist freilich nachher im Reich der Formen poetischer gedacht worden. Aber der historische Theil der Künstler gäbe noch immer ein treffliches Gedicht.

Was ich noch mit der ersten Gestalt verglichen habe, hat allerdings jetzt gewonnen. Über einzelne Stellen ließe sich vielleicht streiten, z. B. ob in dem Handschuh die Verbeugung oder das Werfen in’s Gesicht besser sei. Dies ist vielleicht passender für den Menschen, jenes mehr für den Ritter. So habe ich auch in der Übersetzung des Virgil bei der Stelle von Laokoon etwas vermißt, was in der ersten Ausgabe stand, obgleich die jetzige Lesart dem Originale getreuer ist. Doch über dergleichen Detail einmal mündlich.

Über Humboldt höre ich von Geßler seltsame Geschichten von Geisterseherei. Was weißt Du denn davon? Auch Alexander Humboldt soll immer seine Mutter zu sehen glauben.1)

Die neuen Gedichte: an Goethe, die Worte des Wahns, die Begegnung, gehören, däucht mich, zu den vorzüglichsten. In dem an Goethe war mir besonders viel aus der Seele gesprochen. Es giebt 2 Arten von Lehrgedichten, die Dir vorzüglich gelingen, und wobei Du Deinen Trieb nach philosophischem Gehalt ohne Nachtheil der Kunst befriedigen könntest. Im Reich der Form hat die Phantasie dem Producte des Verstandes eine lebendige Gestalt gegeben – und in den Worten des Glaubens spricht die Vernunft zu dem Herzen.

Daß der Wallenstein reißend abgehen würde, habe ich erwartet. Aber einen so schnellen Absatz einer so starken Auflage hätte ich doch kaum vermuthet. Cotta muß schönes Geld an Deinen Werken verdienen.

Wie steht’s denn mit den Musenalmanach? Ich fand ihn unter den angekündigten Schriften. Mir ist’s immer lieb, wenn Du auch nur den Namen dazu hergiebst. Manches wird doch bei diesem Anlasse von Dir und Goethen ausgeführt, was sonst nur in Euren Köpfen bliebe.

Mir war auch für Dich anfänglich bange, daß Du in Weimar weniger productiv sein würdest. Aber der Erfolg hat das Gegentheil gezeigt.

Indessen kann sich Goethe wegen seiner Verhältnisse vielleicht weniger zurückziehen, als Du.

Deine Schwiegermutter sahen wir neulich ganz unvermuthet, mit den schwarzburgischen Fürstinnen. Letztere schienen mir sehr natürlich und gutmüthig, auch nicht ohne Gefühl für Kunst.

               Dein

Körner.

Ü    Þ


1) Vgl. Fr. Nicolais akadem. Vortrag: „Beispiel einer Erscheinung mehrerer Phantasmen,“ in der Berliner Monatsschrift 1799 Mai, und den sich darauf beziehenden Spott Goethes in der Walpurgisnacht. ­

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