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Dresden, am 9. Oct. 1803. Ich habe einen Auftrag an Dich von dem neuen Director der Vergnügungen, Graf Vitzthum. Du kennst ihn selbst, und wirst ihn ziemlich unvergnüglich gefunden haben; aber er hat doch guten Willen und, wie es scheint, mehr Festigkeit als sein Vorgänger. Res severa est verum gaudium, und er wird es wenigstens an ernsthaften Gesichtern nicht fehlen lassen. Bei Rackenitzens schlaffem Charakter und ängstlichen Rücksichten ging alles rückwärts. Er hat mich gebeten, Dich an Dein versprechen zu erinnern, ihm das Theatermanuscript von der Braut von Messina zu schicken. Ich weiß wohl, wieviel man hier bei der Aufführung vermissen wird, aber ob das Stück in Berlin und Hamburg viel besser gegeben wird, muß ich bezweifeln. Also könntest Du wohl auch den Dresdnern ihren Willen thun. Du hattest Vitzthumen von Ochsenheimer gesagt, daß er ihn beim Chor besonders beschäftigen sollte. Dies wird er befolgen, und scheint überhaupt sich von Opitz weniger beherrschen zu lassen. Es wäre recht schön, wenn Du das Manuscript bald schicktest. Deine Schwägerin haben wir zeither recht oft gesehn. Vielleicht müssen wir dies nunmehr entbehren, da die Herzogin Mutter1) gestern angekommen ist. Indessen höre ich, daß sie nur 14 Tage bleiben wird. Es ist mir wirklich interessant, diese Frau kennen zu lernen, die so viel Gelegenheit gehabt hat, sich für höhern geistigen Genuß auszubilden. Indessen werde ich mich nicht zudrängen, sondern eine schickliche Veranlassung abwarten, mich ihr vorstellen zu lassen. Der neue Meßkatalogus ist nicht sehr reichhaltig. Über Schlegels Calderon habe ich Dir wohl noch nicht geschrieben. Eine üppige und rege Phantasie ist in Calderon nicht zu verkennen, aber was man Gemüth nennt, scheint ihm zu fehlen. Seine Gestalten sind flach, und er spielt bloß mit seinem Stoffe, anstatt ihn mit Liebe zu behandeln. In dieser Rücksicht steht er weit unter Shakespeare. Auch das Regellose des Plans ist bei Shakespeare von ganz andrer Art. Die einzelnen Scenen stehen mit der Hauptidee des Ganzen in einer wirklichen, aber oft tief liegenden Verbindung. Sie gehörten zur Vollständigkeit des Bildes, wie es mit allen seinen Umgebungen bestimmt und lebendig dem Dichter vorschwebte. Ich weiß nicht, ob es Absicht bei ihm war, alle Symmetrie einer künstlichen Zusammensetzung wie in einem gut angelegten englischen Garten zu verbergen. Vielleicht gab er oft bloß seinem Hange nach, auch in den Nebenfiguren tief in das Innere der menschlichen Natur einzudringen, und mochte für die Verhältnisse des Ganzen nicht aufopfern. – Shakespeare ist kühn, aber Calderon ist frech; und in dieser Frechheit, für die es nichts Heiliges giebt, glaubt mancher das Genialische zu finden. – In der Übersetzung waren mir die Trochäen des Dialogs ungenießbar und schleppend. Ob sie auch im Original sind, weiß ich nicht. Dora ist zur Herzogin von Curland nach Löbichau auf einige Wochen gereist. Dein Körner. |
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