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* (Dresden) 17. März 1804. Gestern kam der Tell an, und morgen schicke ich ihn zurück. Aber ehe ich ein Wort darüber schreibe, muß es zuvor wegen der Sicherheit deiner Manuscripte bei mir ins Reine kommen. Was Opitz geschrieben hat, halte ich für eine Windbeutelei, um Dir eine unangenehme Empfindung zu machen, weil er sich durch Verweigerung des Manuscripts beleidigt fand. So gewiß, als man etwas wissen kann, weiß ich, daß das Manuscript nicht aus meinem Zimmer gekommen ist, als einen einzigen Nachmittag, da ich es der Frau von Rackenitz mit ihren Schwestern zu lesen gab. Ich weiß, daß diese bis Nachts um zwölf darin gelesen haben, und den andern Morgen um acht Uhr hatte ich es wieder. Es müßte also in der Zeit von zwölf bis acht von Rackenitzens Domestiquen abgeschrieben worden sein, und ich frage Dich, ob dieß wahrscheinlich ist. Hätte Rackenitz dieß selbst für das Theater veranstaltet – eine Schurkerei, wozu er wenigstens zu feig ist – so würde Opitz wohl schwerlich etwas davon geäußert haben. Übrigens sei es wie es wolle, so hättest Du mir einen großen Gefallen gethan, wenn Du zu irgend einer andern Zeit über Opitzens Äußerung geschrieben hättest. Die Ankunft eines neuen Werkes von Dir ist für mich allemal ein Fest, und auf den Tell hatte ich mich besonders gefreut. In einem solchen Momente ist jede Dissonanz eine peinliche Störung. Jedes Kunstwerk genieße ich gern mit freier unbefangener Seele, und dießmal war ich so verstimmt, daß der ganze Eindruck des ersten Lesens geschwächt wurde. Erst beim zweiten Lesen ergriff mich das Werk, so wie ich es von einem solchen Produkte erwartet hatte. Der Stoff hatte manche nicht unbedeutende Schwierigkeiten, die Du, wie mir däucht, glücklich überwunden hast. Die Schweizer-Charaktere aus der damaligen Zeit mußten einander ziemlich ähnlich sein, und gleichwohl brachtest Du mehrere Personen, die sich durch bestimmte Umrisse von einander unterscheiden sollten. Eine so rechtliche Revolution hatte natürlicherweise einen langsamen bedächtigen Gang, aber in unsern Tagen sind wir an stürmische Scenen so gewöhnt, daß die gehaltene Kraft auf dem Theater leicht verkannt wird. – Geßler durfte nicht als Caricatur erscheinen, aber das Widrige an ihm nicht zu sehr gemildert werden. Hassen soll man ihn, aber nicht verachten. Es muß einleuchten, daß auf ihm das ganze Werk der Unterdrückung beruht, daß sein Tod die Schweizer von ihrem gefährlichsten Feinde befreit. Du läßt ihn sehr weislich nur zweimal in den endscheidendsten Momenten auftreten. – Daß Tell seinen Feind nicht im offenen Kampfe tödtet, sondern auf der Straße auf ihn lauert, macht an sich einen fatalen Eindruck, und Du hast Alles in dem vorhergehenden Monolog aufgeboten, um diese Situation zu heben. Besonders ist es Dir sehr gelungen, Tells Widerwillen gegen einen solchen Mord auf eine Art anzudeuten, die seinen Charakter nicht schwächt. Überhaupt ist die biedere Anspruchlosigkeit in Tell sehr glücklich mit seinem Heroismus gemischt. Johannes Parricida trägt als Gegenstück des Tell am Schlusse viel zur Befriedigung bei.1) In der Darstellung überhaupt möchte ich nichts anders haben. Das Gemälde ist reich, aber doch nichts entbehrlich, vielmehr hast Du vielleicht noch manches abgekürzt, wobei man gerne mit Liebe verweilt hätte. Der Dialog ist weniger geschmückt als in Deinen früheren Werken, so wie es hier der Stoff erfordert. Nur in der ersten Scene des vierten Acts spricht vielleicht der Fischer noch zu poetisch. – Die Einmischung der schweizerischen Provinzialworte und die vielen Localzüge geben dem Ganzen eine sehr willkommene Individualität. Mehr über das Detail behalte ich mir vor, sobald ich das Werk länger bei mir haben kann. (Körner2)). 1)
Nach einer Bemerkung der Frau Emilie v. Gleichen, Schillers Tochter, war
diese Scene von Schillers Frau verlangt.
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