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Dresden, am 22. April 1804. Ungern gebe ich die Hoffnung einer Zusammenkunft in Schandau auf; aber gegen das Hinderniß, das Du angiebst, kann ich freilich nichts einwenden. Auch für Deine Gesundheit würde der Aufenthalt in diesem Bade gewiß wohlthätige Folgen gehabt haben. Eine Reise zu Dir war längst mein Wunsch, und was Du mir über den guten Zustand Deiner Finanzen schreibst, könnte die Sache noch erleichtern; aber für Minna ist Schandau sehr nöthig, und zu diesem Behuf muß ich daher schon 4 Wochen Urlaub nehmen. Dies hindert allerdings eine nochmalige Entfernung in diesem Jahre. Auch fürchte ich, daß die Ankunft meiner ganzen Familie Deiner Frau zuviel Unruhe machen möchte, wenn sie durch die Niederkunft angegriffen ist. Der Tell kann bei der Aufführung eine allgemeine Wirkung nicht verfehlen, und wird auch beim einsamen Lesen gegen Deine andern Stücke nicht verlieren. Hast Du noch keine Anfrage vom hiesigen Theater nach dem Manuscript erhalten? Wenn der Name nicht anstößig ist, so kann in der Behandlung auch die strengste Censur nichts Bedenkliches finden. Wann erscheint denn das Stück im Druck? Sollte es sich noch verzögern, so bitte ich dich noch einmal um das Manuscript auf eine längere Zeit. Es freut mich, daß Du schon wieder für eine neue Arbeit entschieden bist. Ist es einer von den Planen, die ich kenne? Ich lese in einer Zeitung, daß Goethe den Götz neu bearbeitet hat. Hast Du das Manuscript gesehen? Im 2ten Theil der Eugenie wird er vielleicht bei manchen Situationen mit Dir im Tell zusammentreffen, so verschiedenartig auch der Stoff ist. Der Ostermeßkatalogus ist dick, aber nicht reich. Besonders im poetischen Fache scheint die Ernte sehr kümmerlich ausgefallen zu sein. In Dresden arbeiten zwei junge Männer1) an einer Übersetzung der Lusiade von Camoens. Den einen kenne ich, und erwarte etwas Gutes von ihm. Camoens Lebensumstände sind interessant. Du wirst in der Bibliothèque brittannique einen biographischen Aufsatz über ihn finden. Er war ein schöner Mann, den Damen gefährlich, ein tapferer Soldat, dabei heftig und in stetem Kampfe mit Cabale. In Indien hat er selbst gefochten. Bei einem Schiffbruche rettete er schwimmend nur ich selbst und sein Gedicht. – Valerie2) habe ich des gewaltigen Rühmens wegen auch gelesen. Es ist eine Dilettantenarbeit. Das Ganze ist ärmlich gedacht, und mache Schilderungen ganz mißlungen; aber in einzelnen leidenschaftlichen Stellen ist eine gewisse Tiefe und Innigkeit, die von wahrem Talent zeugt. Die hiesige Oper hat uns diesen Winter einen Achill gegeben, der aber nicht sonderlich homerisch ist. Paer hat für moderne Sujets wirklich großes Talent, aber mit den Griechen soll er sich nicht befassen. Sein Sargino war ein Stoff, der ganz für ihn paßte. Wirklich ein sehr hübsches Sujet zu einer Oper, aus einer Erzählung von Arnaud – ein Jüngling, der zu allen ritterlichen Übungen sich ungeschickt anstellt, und durch ein liebenswürdiges Mädchen gebildet wird. – Ein Duett, wo sie ihn lesen lehrt, und er das Gelesene immer auf sie anwendet, ist besonders allerliebst. Bei uns ist jetzt alles wohl, und das ganze Haus grüßt Dich und die Deinigen herzlich. Bei Dir ist hoffentlich nun alles wieder hergestellt. Lebe recht wohl. Dein Körner. 1)
Th. Hell (Winkler) und Fr. Kuhn. Die Übers. Erschien erst 1807.
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