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Dresden, 17. October 1804. Nach einer ganz beruhigenden Nachricht von Dir hatten wir uns längst gesehnt; Du kannst also denken, wie sehr uns Dein letzter Brief erfreute. Daß Du wieder Lust und Kraft zur Production fühlst, ist mir das beste Zeichen. Für Deine Aussichten in Berlin habe ich mich nie recht interessiren können. Nur sehr überwiegende Vortheile könnten Dich für den dortigen Aufenthalt bestimmen. Das geistige Klima in Berlin hat mir nie gefallen wollen. Für den Tell sind wir Alle sehr dankbar, und er hat uns neuen Genuß gegeben. Vorgestern lasen wir den größten Theil zusammen bei Geßler. Es waren 5 Frauenzimmer und 4 Mannspersonen, Carl mit eingeschlossen. Die Hauptrollen waren vertheilt, und Geßler hatte seinen Ahnherrn. Oft fehlten uns aber doch Personen, weil so wenig als möglich weggelassen werden sollte. So traf sich’s, daß in der Scene, die vor dem Schuß nach dem Apfel vorhergeht, Emma den Frießhardt lesen mußte. Hast Du denn einen Tell von Lemierre gesehn, der 1766 in Paris aufgeführt worden ist? Lies ihn doch Spaßes halber. Es ist gar ein ärmliches Werklein. Ich möchte wissen, ob er sich lange auf dem Theater in Paris gehalten hätte. Aus eigner Erfahrung habe ich gefunden, daß die Rolle des Tell schwer zu lesen ist. Man kann ihr leicht zu viel Würde geben, und den Zug von schlichter Jovialität verfehlen, der wesentlich zu Deiner Idee gehört. Gestern hörte ich, daß der hiesige Theaterdirector den Gedanken noch gar nicht aufgiebt, den Tell einmal hier aufzuführen. Wenn’s irgend möglich ist, so thut er’s. Er hat mehr Muth, als alle seine Vorgänger. Nur weiß ich gar nicht, wie man die Rollen besetzen will. Der 2te Theil von Goethens Eugenie verspätet sich. Überhaupt war der Michaelis-Meßkatalogus nicht sehr reichhaltig. Man spricht hier von einem neuen Roman Deiner Schwägerin. Wie heißt er denn? Dein Körner. |
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