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            Christian Gottfried Körner
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               1805

                  20.1.1805, an Körner
                  27.1.1805, an Schiller
                  25.2.1805, an Schiller
                  5.3.1805, an Körner
                  17.4.1805, an Schiller
                  25.4.1805, an Körner
                  5.5.1805, an Schiller

Dresden, den 27. Jan. 1805.

Aller Groll gegen Huber verschwand auch bei mir bei der Nachricht von seinem Tode. Er hatte so manche Ansprüche auf eine schönere Existenz, und nach dem, was er uns ehemals gewesen war, hat es mir immer Gewalt gekostet, hart und unfreundlich gegen ihn zu sein. Sein Tod ist wahrscheinlich eine Folge der ungeheuren Anstrengung, mit der er seine Schriftstellerei treiben mußte, da er wenigstens ehemals nicht mit Leichtigkeit arbeitete.

Auf Deine Nachricht habe ich sogleich die Phèdre von Racine wieder gelesen. Es hat dies Stück allerdings gewisse besondere Vorzüge, die Deine Wahl bestimmen konnten. Ist gleich der Theseus sehr mißlungen, und läßt Hippolyt manches zu wünschen übrig, so ist doch ächter Gehalt in der Darstellung der Frauen und vorzüglich der Phaedra. Besonders ist viel feine Weiblichkeit mit starker Leidenschaft in ihrem Dialog mit Hippolyt. Auch liebe ich die Stelle sehr im 4ten Act:

Ils ne se verront plus.

Phèdre.
Ils s’aimeront toujours.

Gleich im Anfang ist es ein glücklicher Zug, daß Phaedra sich schmücken läßt, als sie zum ersten Male wieder in der Welt erscheint. Ihre letzten Worte sind aber sehr sonderbar, und ich bin neugierig, wie Du den Gedanken übertragen wirst, daß ihr Tod dem Tage, den ihre Augen verdunkelt haben, seine Klarheit wiedergeben soll. Solche Stellen habe ich indessen wirklich nur selten in diesem Stücke getroffen. – Selbst Önone ist mehr als eine gewöhnliche Vertraute. Aber der Theramen ist doch ein gar zu unbedeutendes Subject, und gleichwohl hat er zuletzt die Erzählung zu sagen, auf welche so viel Gewicht gelegt ist. Das ganze Stück verliert in der Aufführung, wenn diese Stelle schlecht gesprochen wird. Diese Unbequemlichkeit findet sich in mehreren Stücken von Racine, der doch sonst alles so gut auf die Aufführung vor seinem Publicum berechnete. In der Phedre hat er besonders alle Geschicklichkeit aufgeboten, um das Anstößige des Stoffes zu mildern.

Schicke mir ja bald die Übersetzung. Bei einigen Stellen, glaube ich, würden auch gereimte Jamben eine gute Wirkung machen.

Da Dich im Winter der Katarrh so plagt, so prüfe doch Deine jetzige Wohnung, ob Du etwa der Zugluft oder der Erkältung mehr ausgesetzt bist. Vielleicht läßt sich dem Übel abhelfen.

Bei uns ist jetzt alles wohl, und es wird viel Musik getrieben. Endlich habe ich es durchgesetzt, daß auch vierstimmige Sachen im ernsten Styl durch Dilettanten bei mir ausgeführt werden. Alle Woche haben wir eine solche Übung, die sich vielleicht zu einem größern Singinstitut erweitert.

Von Berlin haben wir Nachricht, daß Iffland einige Gastrollen hier spielen wird. Mir ist es sehr lieb, ihn einmal zu sehen. Diesen Winter hat man viel Geduld im deutschen Theater nöthig gehabt. Es ist unglaublich, was man hier dem Publicum bieten kann. Unter den neuen komischen Producten ist die Nachtwandlerin eins, das man mit Vergnügen sieht. – Maria Stuart ist neulich hier zum ersten Male vor dem Hofe gegeben worden.

               Dein

Körner.

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