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An Lotte v. Lengefeld.

[Rudolstadt, d. 1. October Mittwoch 1788.]

Ich sehe Sie im Geist, ganz traulich und einsam zusammen bei Tische sitzen, das Duduchen auf dem Schoos, und vielleicht von den Abwesenden sich unterhalten. Es ist traurig dass ich mich Ihnen so nahe weiß, und doch nicht unter ihnen seyn kann; doch habe ich einige gute Aussichten, dass das Uebel morgen um vieles gehoben seyn werde. Wenn es so bleibt wie jezt, so kann ich heute Nacht schlafen. Ich war heute oft unter Ihnen; wenn man leidet, zählt man sich so gern die Freuden vor, die einem das Leben lieb machen, und das Ungemach aufwägen. Schlafen Sie recht wohl liebste Freundin. Grüßen Sie Ihre Mutter und wünschen Sie ihr eine schöne gute Nacht von mir. Wir wollen auch der Schwester in Kochberg einen recht freundlichen guten Abend wünschen. Eßen Sie das zum Nachtisch, dass doch etwas von mir unter ihnen ist. Sie brauchen sich nicht zu incommodiren. Antworten Sie mir morgen.

S.

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