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An Charlotte von Kalb.

Jena, den 8. May [Mittwoch] 93.

Eine sehr angenehme Ueberraschung war mir der unerwartete Beweis Ihres gütigen Andenkens, Ihres Vertrauens, Ihrer Theilnahme an mir.

Bloß meine üble Gesundheit ist Schuld, daß Sie mir in der Versicherung des ersten zuvorgekommen sind. Aber glauben Sie mir, daß es keiner Erinnerung bedurfte, das Bild meiner Freundin in meiner Seele lebendig zu erhalten. Ich habe Ursachen, die Bande, die mich an das Leben heften, nicht allzusorgfältig zu bevestigen – wie ich unter andern Umständen nicht unterlassen würde. Dieß entschuldige mich gegen Sie, daß ich nicht eifriger gewesen bin, mein Andenken bey Ihnen zu erneuern.

Was Sie mir in Beziehung auf den lieben Fritz auftragen werden, wird eine sehr nahe Angelegenheit für mich seyn, und ich kann Ihnen nicht genug sagen, wie sehr ich Ihnen für dieses Zeichen Ihres Vertrauens verpflichtet bin. Darum bitte ich Sie, lassen Sie meinen Antheil an dieser Sache so groß seyn als immer möglich ist. Es könnte mir nicht leicht etwas angenehmeres begegnen, als in dieser Sache zu Ihrer Zufriedenheit beyzutragen, und Ihnen hierinn einen Beweis meiner Dankbarkeit zu geben, die nur mit meinem Leben endigen wird.

Für meine Gesundheit erwarte ich von der eintretenden milden Jahreszeit eine Erleichterung. Ich habe einen gefährlichen Winter glücklicher, als ich hoffen konnte, zurückgelegt, und so lange meine Krankheit fortfährt, wie bißher mein Gemüth zu verschonen, werde ich mich nicht für unglücklich halten. Meine Natur hat noch viele Stärke, und wird sich, wie es scheint, so tapfer als möglich wehren, und den Ausschlag noch einige Zeitlang zweifelhaft machen.

Laßen Sie mich die angenehme Nachricht hören, daß es Ihnen in ihrem einsamen Aufenthalt gefällt, und daß Sie sich einer gleichförmigen Gesundheit und heitern Stimmung erfreuen.

Schiller.

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