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An Georg Göschen.

Ludwigsburg d. 15. Sept. [Sonntag] 93.

Wünschen Sie mir Glück, lieber Göschen. Ein kleiner Karl Friderich Schiller ist da, groß und stark, die Mutter wohl auf, alles glücklich abgelaufen. Kaum daß wir sechs Tage hier waren, so gieng es los.

Ich habe Heilbronn verlassen, wo es mir an aller häußlichen Bequemlichkeit fehlte, und für diesen großen Mangel zu wenig andre Entschädigung war. Hier in Ludwigsburg bin ich sehr angenehm und bequem logirt, bin meiner Familie und meinen Freunden näher, und im Vaterland.

Mich verlangt sehr nach Nachrichten von Ihnen, den ihrigen, und von dem Gang Ihrer Entreprisen.

Fürs erste: wie halten Sie es mit dem Kalender? Diese Frage ist mir kürzlich auf einmal aufs Herz gefallen, und ich möchte wißen, ob Sie dabey noch auf mich rechnen. Gearbeitet habe ich dafür noch nichts, aber sollten Sie schlechterdings auf mich gerechnet haben, so wäre vielleicht noch Rath zu schaffen.

Antworten Sie mir darauf bald. Wie stehts mit Wielands Schriften? Ich höre hier, daß 8 Bände auf nächstkommende Jubilate Messe fertig werden sollen. Das wäre ein starker Zug auf einmal.

Es ist erstaunlich, wie es hier im Reich von Nachdrücken wimmelt. Alles kauft sie, und ich wundre mich nicht mehr, daß diese litterarische Korsaren so viel Glück machen. Schützen Sie ja ihre Wielandischen Schriften vor diesem Geschmeisse.

Hoffentlich hat Ihnen Goepferdt das 3te Stück der Thalia geliefert. Das 4te ist unter der Preße, und soll mit dem 5ten, vielleicht auch dem 6ten auf Neujahr fertig seyn. Das Mehreste in allen diesen Stücken wird von meiner eigenen Hand seyn, denn ich habe jetzt Lust und Freude zur Arbeit.

Wenn Sie nichts dagegen haben, so soll künftig ein auch zwey Bogen der Thalia der Beurtheilung neuer ästhetischer Werke gewidmet seyn, und zwar im Geschmack der Litteraturbriefe. Doch würde diese Einrichtung erst mit dem Jahr 94 anfangen.

Leben Sie wohl lieber Freund. Es wird Sie doch nicht beschweren, mir gegen Ausgang Oktobers 30 biß 40 Ldor zu schicken? Ich habe hier ganz horrende Ausgaben, weil Mißwachs, Krieg und Fremde alles vertheuern.

Meine Frau grüßt Sie und ihre liebe Jette herzlich. Ganz

               Der Ihrige

Schiller.

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