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An Johann Kaspar und Elisabeth Schiller.

Ludwigsburg den 8. Nov. [Freitag] 93.

Recht leid thut es mir, liebste Eltern, daß ich meinen Geburtstag nicht mit Ihnen soll feyern können. Aber ich sehe wohl ein, daß der liebe Papa es jetzt nicht gut wagen kann, sich von der Solitude zu entfernen, da alle Tage ein Besuch vom Herzog erwartet wird. Es kommt überhaupt ja gar nicht just auf den Tag, an, wenn man zusammen fröhlich seyn will, und jeder Tag, wo ich mit meinen lieben und besten Eltern zusammen bin, soll mir festlich und willkommen wie ein Geburtstag seyn.

Wegen des lieben Kleinen darf die gute Mama sich keine Sorge machen. Eine Diarrhöe die ihn seit einigen Tagen plagt, hat ihn etwas angegriffen, aber davon wird er sich schnell wieder erhohlt haben. Hoven sagt, daß dieß bey Wasserkindern gar nichts seltenes sey, und da er auf der Haut keine Unreinigkeiten hat, so ist kein Wunder, wenn sie ihren Weg durch die Därme nehmen. Es geht ihm nichts an Wartung und Pflege ab, das können Sie glauben, und er ist auch, ein bischen Magerkeit abgerechnet, noch sehr munter und hat guten Appetit.

Ich bin, seitdem ich nach Stuttgardt eine Excursion gemacht habe, ziemlich leidlich gewesen, und habe diese günstige Zeit benutzt, in meinen so lange liegen gebliebenen Geschäften ein wenig vorwärts zu kommen. Ich war diese ganze Woche sehr fleißig und es gieng mir von der Hand. Dieß ist auch Ursache, daß ich Ihnen nicht früher selbst geschrieben habe. Es ist mir immer himmlisch wohl, wenn ich beschäftigt bin, und meine Arbeit mir gedeiht. Für Ihr, mir so wertes, Bildniß danke ich Ihnen tausendmal liebster Vater. So froh ich indeß bin, daß ich dieß Andenken von Ihnen habe, so viel froher bin ich doch, daß die Vorsehung mir vergönnt hat, Sie selbst zu haben und in Ihrer Nähe zu leben. Wir müssen aber diese Zeit etwas besser nützen, und keine so lange Pausen machen, ehe wir wieder zusammen kommen. Wenn Sie den Herzog einmal auf der Solitude gehabt haben, und wissen, wie Sie daran sind, so soll denke ich eine kurze Abwesenheit von einigen Tagen, in dieser Jahreszeit besonders, gar keine Schwierigkeiten haben. Meinen Wagen will ich mit nächster Gelegenheit hinauf schaffen und bey Ihnen stehen lassen, daß Sie Sich seiner immer bedienen können.

Jetzt meine und unser aller herzlichsten und kindlichsten Grüße an Sie beide, und an die gute Nane meinen brüderlichen Gruß.

Auf baldiges frohes Wiedersehen

               Ihr gehorsamer Sohn

Fr. Schiller.

P. S. Madame Simanowitz habe ich, da das Wetter so schlecht war, nicht hieher bitten wollen. Vor einer Stunde aber hat es sich aufgehellt, und es kann noch biß Sonntag recht schön werden. Ich will sie also mit der heutigen Post einladen, uns auf d. Sonntag zu besuchen.

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