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Der Kampf mit dem Drachen (Gedicht)Zum Gedicht Der Kampf mit dem Drachen. Dieses Gedicht stammt aus dem Jahre 1798. Obwohl die längste unter den Balladen, ist sie doch in dem kurzen Zeitraum von acht Tagen entstanden. Den Stoff lieferte dem Dichter Niethammer’s Uebersetzung von Vertot’s Geschichte des Johanniterordens, eine Arbeit, die Sch. mit einer Vorrede begleitete. Es wird darin eine Begebenheit erzählt, die sich zur Zeit des Papstes Clemens VI. unter dem Großmeister Helion de Villeneuve zugetragen haben soll, der von 1323-1346 Oberhaupt des Ordens war. Auf Rhodos, einer der unter den Sporaden bekannten, an der Küste von Kleinasien gelegenen Inseln, befand sich zu jener Zeit ein fürchterliches Amphibium (ein Krokodil oder eine Schlange), welches mannigfache Verheerungen unter den Viehheerden der Einwohner anrichtete. Als selbst mehrere Menschen verschlungen worden waren, hatten sich verschiedene Ritter aufgemacht, um das Ungeheuer zu erlegen, aber alle waren ein Opfer ihres Muthes geworden. Da gebot der Großmeister bei Verlust des Ordenskleides, dem Kampfe zu entsagen. Rücksichten der Menschenliebe und der Klugheit hatten den befehl gegeben, dem auch willig Folge geleistet ward. Nur einer der Ritter Dieudonné (Deodat) von Gozon, ein Provenzale, hatte keine Ruhe. Er bat um Urlaub und ging nach seiner Heimarth, wo er auf einem Schlosse Gozon, da sncoh jetzt sich dort findet, die in dem Gedichte geschilderten Vorbereitungen traf. Hierauf kehrte er 1345 nach Rhodos zurück, ließ in aller Stille seine Waffen nach einer Kirche auf dem Berge St. Stephan bringen und unternahm den Kampf, aus welchem er als Sieger hervorging. Von den Einwohnern im Jubel eingeholt, begleitete man ihn nach dem Palaste des Großmeisters. Dieser jedoch, verpflichtet, die strenge Ordenszucht aufrecht zu erhalten, schickte den Ritter in’s Gefängniß. Indessen suchte er, nachdem dem Gesetze Genüge geschehen, die Sache so zu lenken, daß die übrigen Ordensritter als Fürbitter auftraten, worauf Gozon wieder in den Orden aufgenommen und von ihm mit Wohlthaten überhäuft wurde. Ja, nach des Meisters Tode ward er sogar zum Oberhaupt des Ordens ernannt, dem er bis zu seinem Tode (1353) vorstand. Auf seinem Grabsteine las man später die Inschrift: „Draconis exstinctor“ (des Drachen Vertilger). – Ein anderer mit dem Inhalte der Schiller’schen Ballade überraschend ähnlicher Bericht dieser Begebenheit findet sich in: „E. G. Happelii, Gröste Denckwürdigkeiten der Welt oder sogenannte Relationes curiosae. Hamburg gedruckt und verlegt durch Thomas von Wiering im güldenen A, B, C bey der Börse, im Jahr 1683; Vol. I; S. 39 unter dem Titel: Die greuliche Drachen-Geschichte“, von der es heißt: „Diese Historia ist genommen aus Bosio, und zwar aus dem andern Buche seiner Historia, die er geschrieben von der Religion der Johanniter Ordens-Ritter von Jerusalem.“ Sch. hat dies Gedicht mit dem Zusatz „Romanze“ bezeichnet, wohl deshalb, weil die romantische Weltanschauung des christlichen Ritterthums, wie sie sich im Mittelalter ausgebildet, auf den Charakter desselben bestimmend eingewirkt hat. Im Ganzen hat sich der Dichter an die geschichtliche Ueberlieferung gehalten. Es ist nichts hinzu erfunden worden; nur hat sich die Begebenheit unter seinen Händen künstlerisch gestaltet, indem er uns sogleich mitten in einen Hauptakt derselben hineinversetzt und die weit auseinanderliegenen Einzelheiten zu einem leicht überschaulichen Bilde vereinigt. Als Grundidee ist der ritterliche Muth in seiner bescheidenen Unterwerfung unter die strenge Ordenszucht zu betrachten, und das ächt christliche Motiv der edlen Selbstverleugnung ist ein besonders erhebender Zug, den der Dichter seinem Gemälde hinzugefügt hat. Das Gedicht hat, wie es der Ballade geziemt, einen durchweg epischen Charakter, indem der Verlauf der Handlungen in einfachen jambischen, jedoch ernsten und feierlichen Klängen an dem Ohre des Hörers vorüberzieht. Bei dem bedeutenden Umfange des Gedichts erscheint die Eintheilung in zwölfzeilige Strophen ein glücklicher Griff, umsomehr als die Länge derselben durch die kurzen Verszeilen angemessen gemildert wird. Auf diese Weise bildet fast jede Strophe einen besonderen Abschnitt, was auch wegen der Ausmalung vieler Einzelheiten nöthig war. In letzterer Beziehung ist die Sprache oft höchst malerisch wirksam, und viele Stellen haben eine merkwürdige Kraft, so daß man zu einem gründlichen Studium der einzelnen Schönheiten mächtig angereizt wird. – Str. 2, V. 9-12, s. Johannes der Täufer. – Str. 12, V. 7. In Arabien steht die Pferdezucht in so hohem Ansehen, daß die edleren Thiere Stammbäume haben, aus denen ihre Abkunft zu ersehen ist. – Str. 25 stellt die oben angedeutete, von dem Dichter erfundene Grundidee dar, welcher zufolge ihm die christliche Selbstverleugnung höher steht als der ritterliche Heldenmuth. Mit der Darstellung dieses Grundgedankens schließt die Handlung rasch ab und regt den Hörer somit zu weiterem Nachsinnen an. Es ist dem Dichter nicht bloß darum zu thun, uns einen Genuß zu bereiten, sondern seine Arbeit strebt eine nachhaltige Wirkung an. |
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