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Kassandraod. Alexandra war eine Tochter des Königs Priamus und der Hecuba. Ihre ausgezeichnete Schönheit lenkte die Blicke des Apollo auf sie, der ihr versprach, er wolle sie in die Zukunft blicken lehren, wenn sie ihn mit ihrer Gegenliebe belohne. Kassandra nahm das Geschenk des Gottes an; daher (Ged. 2. B. d. Aen. 42):
Da sie jedoch sich weigerte, ihm Wort zu halten, so fügte er dem Geschenke, das er nicht wieder zurücknehmen konnte, den Fluch hinzu, daß Niemand ihren Weissagungen Glauben schenken möge. Dieser Fluch ging schrecklich in Erfüllung. Man hielt sie für wahnsinnig (vergl. Iph. III, Zw.-H.), und sie wurde das Gespött der Leute. – Die aus dem Jahre 1802 stammende Ballade (Ged.), in welcher der an sich dramatische Stoff in ein lyrisches Gewand voll schwunghafter Diction eingekleidet erscheint, giebt dem mitgetheilten Mythus einen höheren Charakter. Der Blick in die Zukunft macht die Priesterin unglücklich und erfüllt sie mit einem Schmerz, dem ihre Seele erliegt. So wird sie in der Vorstellung des Dichters ein warnendes Beispiel für alle diejenigen, welche mit allzugroßem Ernst in die Tiefen des Lebens hineinschauen und sich dadurch den Genuß der Gegenwart verbittern. Zugleich aber erscheint sie uns als ein treues Abbild des Dichters selbst. Man fühlt es dem Gedichte an, daß es aus seiner innersten Seele herausgeschrieben ist. Ein besonderes Interesse dürfte ein Vergleich mit dem Monolog (J. v. O. IV, 1) darbieten, welchem eine ähnliche Seelenstimmung zu Grunde liegt; eben so ist ein Vergleich mit dem Gedichte (D. Glück), bes. V. 19 u. 20, zu empfehlen. – Str. 1. „Priams schöne Tochter“, deren Namen wir erst in Str. 12 erfahren, ist Polyxena. Achilles, „der herrliche Pelide“ (s. d.), hatte dem Priamus versprochen, er wolle den Frieden mit den Griechen vermitteln, wenn er sie ihm zur Gattin gäbe. Nach der Eroberung Troja’s verlangte Achilles’ Schatten Antheil an der Beute, und die unglückliche Polyxena ward an seinem Grabe geopfert. – Str. 5. Bei Hochzeitszügen pflegte die Mutter der Braut eine Fackel voranzutragen (vergl. Hymen). – V. 1-4 beziehen sich auf den Brand Troja’s; mit dem Gotte (V. 7) ist Ares oder Mars, der Bruder der Eris (vergl. die Schlußstrophe), gemeint. – Str. 6, V. 8 s. Pytho. – Str. 9, V. 6 u. 7. Es ist der Genuß an der Gegenwart gemeint. – Str. 12. „Der Beste der Hellenen“ ist Achill. – Str. 13. Kassandra’s Geliebter war nach Homer Othyryoneus (Il. 13, 363), nach Virigl Choröbus (Ged. 2. B. d. Aen. 61). – Str. 14. „Die bleichen Larven“ sind die erstarrten Gesichter der Todten, der nächsten Verwandten Kassandra’s, die sie im Geiste schon in Proserpina’s Reiche erblickt. – Str. 15. Die Priesterin sieht ihr eigenes Loos voraus. Als die gefangenen Trojanerinnen den Siegern als Beute vertheilt wurden, ward sie dem Agamemnon (s. d.) zu Theil. Sie prophezeihete demselben sein Schicksal, ohne jedoch Glauben zu finden und starb mit ihm unter Mörderhänden. – Str. 16. Der Sohn der Thetis ist Achilles. – Die ganze Strophe bildet einen ergreifenden Gegensatz zu der ersten. |
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