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Labyrinth

nannte man im Alterthum ein Gebäude mit vielen ineinander laufenden Gängen und Gemächern, so daß man sich leicht darin verirren konnte. Die berühmtesten waren das ägyptische und das bei Knossos an der Nordküste von Kreta (Ph. II, 5). Nach dem letzteren mußten die Athener alle 9 Jahre 7 Knaben und 7 Mädchen als Tribut für den Minotaurus (vergl. Minos) schicken, ein Ungeheuer von Menschengestalt mit einem Stierkopfe, das sich von Menschenfleisch nährte. Theseus gesellte sich freiwillig diesen Opfern bei, erlegte den Minotaurus (Ph. I, 1 – Ged. D. Kampf m. d. Drachen) und fand mit Hülfe eines langen Fadens, den ihm des Mino’s Tochter, Ariadne, gegeben, den Ausgang aus dem Labyrinth. Sch. braucht den Ausdruck zunächst vergleichungsweise, wenn er (Ged. D. Freundschaft) sagt, daß ein einziger Geist die Welten lehrt:

„Um das Herz des großen Weltenraumes
Labyrinthenbahnen ziehn,“

dann, auf das Leben übergehend, von verwickelten Verhältnissen, wie (R. IV, 5) „verworrene Labyrinthe“ oder (D. C. III, 4), wo König Philipp zu Domingo sagt:

– – – – – „Ihr sollt
Aus diesem dunklen Labyrinth mich führen,
Worein ein blinder Eifer mich geworfen.“

eben so (Ged. Hero u. Leander), wo es von der Liebe heißt:

„Aus des Labyrinthes Pfaden
Leitet sie mit sicherm Faden.“

und (R. Vorr.), wo er von den „nächtlichen Labyrinthen des Lasters“ spricht. – Endlich bezeichnet er damit auch eine schwer zu lösende Verwirrung von Begriffen, wie (Gsts. 10, 198 u. 202) und (D. C. I, 2), wo Don Carlos sagt:

„Durch labyrinthische Sophismen kriecht
Mein unglückseliger Scharfsinn.“

 
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