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Die Macht des Gesanges (Gedicht)

Zum Gedicht Die Macht des Gesanges.

eine Ode, mit welcher Schiller im Jahre 1795, nachdem er sich längere Zeit vorzugsweise mit Philosophie und Geschichte beschäftigt, zur Poesie zurückkehrte. das Gedicht eröffnet somit die klassische Epoche seiner poetischen Laufbahn. In einer Reihe von Bildern, die dem Gebiete der realen Welt entnommen sind, schildert er uns die mächtige Wirkung, welche der Gesang, d. h. die Dichtkunst, auf den Hörer auszuüben vermag. In Str. 1 tritt uns zunächst die Gewalt der heroischen, d. h. der epischen und tragischen Poesie mit einer Mahnung an ihren geheimnißvollen Ursprung entgegen, wie er uns auch in dem „Grafen von Habsburg“ (Str. 5) und dem „Mädchen aus der Fremde“ (Str. 2) angedeutet ist. In Str. 2 erblicken wir den Dichter im Bunde mit den Parzen. Wie diese dem Menschen Lust und Schmerz bereiten, so läßt uns jener zwischen Furcht und Hoffnung schweben, und übt somit eine Herrschaft aus wie Mercur, der Götterbote, der mit seinem Stabe (vergl. 4. B. d. Aen. 45) die Seelen vom Orcus ruft und andere in den Tartarus hinabschickt. Der Dichter ist es, der unsere Seele einerseits mit Grauen erfüllen, uns andererseits zu lichten Regionen erheben kann. – In Str. 3 u. 4 wird die Dichtkunst, und zwar wiederum die heroische, mit dem Schicksal verglichen, dem Elemente, in welchem sie sich vorzugsweise bewegt. Wie die heitere Stimmung (3), in welche die angenehm dahin fließenden Tage uns versetzen, plötzlich durch schwere Schicksalsschläge unterbrochen werden kann: so ist die Poesie (4), die es mit etwas Heiligem und göttlich Erhabenem zu thun hat, im Stande, den Druck und die Noth des Lebens auf einige Zeit in den Hintergrund zu drängen und uns geistig und sittlich zu erheben. – Schließlich vermag auch die naive Dichtkunst (Str. 5) die in den Stürmen des Lebens verloren gegangene Einfachheit wieder hervorzuzaubern und den Menschen in die Arme der Natur und somit zur Wahrheit zurückzuführen.

 
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