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Die Malteser(Bd. 7). Die erste Anregung zu diesem in Sch.’s Nachlaß vorgefundenen Fragment reicht in das Jahr 1792 zurück, wo er die „Vorrede (Bd. 11) zu der Geschichte des Malteserordens nach Vertot von M. N. (Niethammer) bearbeitet“ schrieb. Es war in demselben Jahre, wo die Franzosen ihren Einfall in Deutschland gemacht, durch welchen Mainz und Worms verloren gingen, worauf die Oestreicher auch die Niederlande räumen mußten. Daß einige Abschnitte des Vertot’schen Werkes in Sch.’s Seele sich sogleich poetisch gestalteten, geht aus der genannten Vorrede hervor, welche theils an sein Gedicht „Die Johanniter“ (s. d.), theils an den Entwurf zu den Maltesern lebhaft erinnert. Indessen ist von der Vertheidigung von Malta, als einem neuen dramatischen Sujet, doch erst im Jahre 1795 die Rede, wo Sch., in Zweifel, einerseits ob seine Natur sich mehr für das Epos oder das Drama eigne, andererseits, ob er sich zum Wallenstein oder zu den Maltesern wenden solle, bei W. v. Humboldt um Rath angefragt hatte. Humboldt, welcher über Sch.’s Beruf zum dramatischen Dichter keinen Augenblick in Zweifel war, wies in seiner Antwort nur darauf hin, daß Sch. geneigt sei, seine dramatischen Charaktere mehr aus dem Ideal als aus der unmittelbaren Natur zu schöpfen und entschied sich für eine dramatische Bearbeitung der Malteser. Da Sch. damals aber mit weitläuftigen Redactionsgeschäften für die Herausgabe der Horen überhäuft war, so mußten seine dramatischen Entwürfe vorläufig zurücktreten; und als er im Frühjahr 1796 wieder Zeit zu eigenen poetischen Productionen gewann, entschied er sich doch für den mehr realistischen Wallenstein, während die Malteser mehr eine lyrische Stimmung und eine vorherrschend ideelle Behandlung verlangt haben würden. Erst im J. 1799, als er seinen Wallenstein vollendet und der Herzog von Weimar seinen Plan zu der Malteser-Tragödie zu sehen wünschte, arbeitete das Schema ins Reine und lieferte so vermuthlich den Entwurf, wie er jetzt in seinen Werken steht. Zum Verständniß dieses Entwurfes ist ein kurzer Blick auf den betreffenden Abschnitt der Geschichte nothwendig. Im Jahre 1453 hatte Muhamed II. Constantinopel erobert und dem griechischen Kaiserthume ein Ende gemacht, von welcher Zeit an die Osmanischen Türken über ein Jahrhundert lang die Christenheit hart bedrängten und als Eroberer eine glänzende Rolle spielten. Ihre höchste Macht erreichten sie unter Selim I. (1512-1520) und unter dessen einzigem Sohne Soliman II. (1519-1566), welcher sich unter vielfachen anderen Unternehmungen auch gegen Rhodus, den damaligen Sitz des Johanniterordens (vergl. Johannes der Täufer) wendete. Ungeachtet der Großmeister Philipp Villiers de l’Isle sich lange heldenmüthig vertheidigte, mußte er sich endlich doch ergeben, erlangte indessen (1522) die ehrenvolle Bedingung eines freien Abzuges. Einige Jahre später (1530) wies Kaiser Karl V. den Johanniterrittern die Insel Malta als Wohnsitz an unter der Bedingung, daß sie zunächst einen beständigen Krieg gegen die Ungläubigen und gegen die Seeräuber führen, später aber, falls es ihnen gelänge, Rhodus wieder zu erobern, die Insel Malta an Neapel zurückgeben sollten. Inzwischen hatte Sultan Soliman längs der ganzen Nordküste von Afrika Raubstaaten errichtet und den Beherrscher von Algier zum Großadmiral der türkischen Flotte ernannt, vermittelst deren derselbe Tunis eroberte und nun auch die Insel Malta bedrohte. Da nunmehr die ganze Christenheit laut einen neuen Kreuzzug forderte, so unternahm Karl V. denselben, die glänzendste That seines Lebens. Auf der Insel Sardinien sammelte er seine Schaaren, und von Cágliari aus ging 1535 eine Flotte von 500 Schiffen mit 30,000 Kriegern unter Segel. Die Festung Goletta, der Schlüssel von Tunis, wurde mit Sturm genommen und gegen 20,000 Christensclaven in Freiheit gesetzt. Somit war auch Malta auf eine Zeit lang gerettet. Der löwenmuthige Soliman kannte indessen keine Ruhe; als ein beinahe 70jähriger Greis griff er 1565 (D. C. V, 8) die Insel von neuem an, deren Besatzung sich unter Lavalette aufs tapferste vertheidigte, so daß er sich mit großem Verluste zurückziehen mußte. Von da an behaupteten sich die Ritter ehrenvoll bis zum Jahre 1790, ohne daß irgend welche fremde Vermittelung nöthig gewesen wäre. Werfen wir nun einen Blick auf Sch.’s poetische Gestaltung des an sich eng begrenzten historischen Materials, so werden wir nach Malta geführt. Soliman, der dem Orden den Untergang geschworen, hat seine ganze Macht vor der Insel vereinigt. Die türkische Flotte hält beide Seehäfen gesperrt und das Fort St. Elmo ist bereits zu Lande angegriffen. Es handelt sich darum, dasselbe zu halten, da die Vertheidigungsmittel ausreichend sind, zugleich aber auch auf Entsatz von Sicilien zu rechnen ist. Philipp II., König von Spanien und gleichzeitig Besitzer des Königreichs beider Sicilien, hat angesichts der seinen Staaten drohenden Gefahr Hülfe zugesagt, ist jedoch zu kräftigem Handeln nicht zu bewegen. So wächst die Gefahr und mit ihr die bangen Sorgen des Großmeisters. Bei der entschiedenen Uebermacht des Feindes kann nur jener ursprüngliche Geist, der den Orden ins Dasein gerufen, zu treuem Aushaaren ermuthigen und schließlich zum Siege führen. Dieser Geist aber ist entflohen; die Ritter haben es verlernt, ihre persönlichen Neigungen den Ordensgesetzen zum Opfer zu bringen; sie murren über die ihnen auferlegten Lasten und verlangen, daß das Fort aufgegeben werde. Jetzt wird es dem Großmeister klar, daß ein neuer Geist über den Orden kommen müsse; aber er selbst hat die Gesetze desselben übertreten, denn er hat einen Sohn, St. Priest, der sich unter den Vertheidigern von St. Elmo befindet. Ihn möchte er gern erhalten, daher seine schwankenden Maßregeln. Erst als eine wirkliche Empörung unter den Rittern ausbricht, wird er zu einem bestimmten Entschlusse getrieben. Sein eigenes erhebendes Beispiel soll den Rittern neuen Muth einflößen, das Vertrauen auf ihre Kraft wiederherstellen; er sucht sich die Tüchtigsten und Edelsten aus, um an ihrer Spitze die Vertheidigung des Forts zu übernehmen. Da naht sich sein Sohn. Ohne zu wissen, daß der Großmeister sein Vater ist, erklärt er, daß er an der Empörung keinen Theil habe und treu mit ihm ausharren wolle. Von Rührung übermannt, giebt sich Lavalette ihm als Vater zu erkennen und beide wollen nun vereint die Vertheidigung fortsetzen. Dieses Beispiel ist von wunderbarer Wirkung. Von tiefer Reue ergriffen, kehren die Ritter zum Gehorsam zurück; die neugeschaffene Eintracht steigert sich zu glühender Begeisterung; ja, man bittet den Großmeister inständigst, vom persönlichen Kampfe abzustehen, um sich selbst dem Orden zu erhalten. Widerstrebend willigt er ein, während St. Priest mit den übrigen Rittern nach St. Elmo zurückkehrt. Das Fort wird zwar von den Türken erstürmt, der Sieg aber ist für sie zugleich eine moralische Niederlage. St. Priest ist im Kampfe gefallen und wird von Allen tief betrauert. Jetzt offenbart Lavalette seine ganze Seelengröße, indem er das Loos seines verklärten Sohnes preist. Er betrachtet fortan alle Ritter als seine Söhne und den Sieg des Ordens über den Feind wie über sich selbst als entschieden. Die Kraft seines ursprünglichen Geistes ist gerettet. Daß die Ausführung eines so einfachen und durchsichtigen Planes unterblieb, ist allerdings zu bedauern. Sch. hätte es hier mit der Darstellung einer erhabenen Idee zu thun gehabt, wie er sie liebte; und da das Stück lauter männliche Charaktere enthielt, so wäre es vermuthlich ein treffliches Seitenstück zu seiner Jungfrau von Orleans geworden. Die Idee selbst ist in der Herstellung des geistlichen Sinnes aus der Verweltlichung, der Einigung aus der Zwietracht zu suchen. Die Träger dieser Idee sind der Großmeister und St. Priest, die sich in begeistertem Heldenmuthe dem Tode weihen. Ihnen gegenüber wird das Schicksal durch die furchtbare Türkenmacht repräsentirt, welche die kleine Heldenschaar zu erdrücken droht. Was die Ausführung betrifft, so mußten zwei Handlungen parallel neben einander hergehen, eine auf der Scene, die sich vor den Augen des Zuschauers entwickelte und eine zweite hinter derselben, von der er nur zu hören bekam. Daneben sollte der Chor, als Vertreter des guten Geistes in dem Orden, eine bedeutungsvolle Rolle spielen, wodurch dem Dichter reiche Gelegenheit geboten war, seiner damaligen lyrischen Stimmung einen Ausdruck zu geben. Wenn Sch. gleichwohl mit der Ausführung dieses Planes zögerte, so hatte dies vielleicht darin seinen Grund, daß es demselben an Reichthum der Handlung fehlte, während er selbst sich umfangreicheren dramatischen Aufgaben gewachsen fühlte. |
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