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VorerinnerungMalta ist von der ganzen Macht Solimans belagert, der dem Orden den Untergang schwur. Mit den türkischen Befehlshabern Mustapha und Pialy sind die Korsaren Uluzzialy und Dragut, und die Algierer Hascem und Candelissa vereinigt. Die Flotte der Türken liegt vor den beiden Seehäfen, und ohne eine Schlacht mit ihr zu wagen, kann kein Entsatz auf die Insel gebracht werden. Zu Lande haben die Feinde das Fort St. Elmo angegriffen, und schon große Vorteile darüber gewonnen. Der Besitz dieses Forts macht sie zu Herren der zwei Seehäfen, und setzt sie in Stand, St. Ange, St. Michael und Il Borgo mit Success anzugreifen, in welchen Plätzen die ganze Stärke des Ordens enthalten ist. La Valette ist Großmeister zu Malta. Er hat den Angriff der Türken erwartet, und sich darauf bereitet. Die Ritter sind nach der Insel berufen worden, und in großer Anzahl darauf erschienen. Außer ihnen sind noch gegen zehntausend Soldaten vorhanden; es fehlt nicht an Kriegs- und Mundvorrat, und die Festungswerke sind in gutem Stand. Aber gleichwohl ist auf einen Entsatz von Sizilien aus gerechnet, weil die Feinde durch ihre Menge und Beharrlichkeit die Werke zu Grunde richten, und die Mannschaft aufreiben müssen. La Valette hat alle Ursache, von Sizilien Hilfe zu hoffen, da der Untergang von Malta die Staaten des Königs von Spanien in die größte Gefahr setzen würde. Philipp der Zweite hat ihm daher auch alle Unterstützung zugesagt, und seinem Vizekönig in Sizilien deshalb Befehle gegeben. Eine Flotte liegt ausgerüstet in den Häfen dieser Insel; viele Ritter und andere Krieger sind herbeigeströmt, sich nach Malta einschiffen zu lassen; die Geschäftsträger des Großmeisters sind bei dem spanischen Vizekönig unermüdet, um das Auslaufen dieser Flotte zu beschleunigen. Aber die spanische Politik ist viel zu eigennützig, um an diese große Sache etwas Großes zu wagen. Die Macht der Türken schreckt die Spanier, und sie suchen Zeit zu gewinnen, bis diese Feinde geschwächt sind. Dies hoffen sie von dem Widerstand des Ordens bei der Tapferkeit seiner Ritter, und erwarten alsdann entweder die Aufhebung der Belagerung, oder einen leichteren Sieg. Ob der Orden dabei seine Kräfte zusetzt, ist ihnen gleichgültig; nur ganz untergehen soll er nicht. Der Vizekönig von Sizilien verspricht also von Zeit zu Zeit Hilfe, aber er leistet nichts. Unterdessen wird das Fort St. Elmo von dem Feind immer heftiger bedrängt. Es ist an sich selbst, wegen des engen Raumes, auf welchem nicht Werke genug angebracht werden konnten, kein sehr haltbarer Platz, und fast wenig Mannschaft. Die Türken haben schon einige Außenwerke im Besitz; ihr Geschütz beherrscht die Wälle, und es sind schon bedeutende Breschen geschossen. Die Besatzung wird durch die Werke nicht beschützt, und ist bei aller ihrer Tapferkeit ein leichter Raub des feindlichen Geschützes. Unter diesen Umständen suchen die Ritter, denen dieser Posten anvertraut ist, bei dem Großmeister an, sich an einen haltbaren Ort zurückzuziehen zu dürfen, weil keine Hoffnung sei, Elmo zu behaupten. Auch die übrigen Ritter stellen dem Großmeister vor, dass er die Elmoschen Ritter ohne Nutzen aufopfere, dass es nicht gut sei, die Kraft des Ordens durch fortgesetzte Verteidigung eines unhaltbaren Platzes nach und nach zu schwächen, dass es besser sein würde, die ganze Stärke an dem Hauptort zu konzentrieren. Diese Gründe sind sehr scheinbar, aber der Großmeister denkt ganz anders. Ob er selbst gleich überzeugt ist, dass St. Elmo nicht behauptet werden kann, und die Ritter schmerzlich beklagt, die dabei aufgeopfert werden, so halten ihn doch zwei Gründe ab, den Platz preiszugeben. Erstlich liegt alles daran, dass sich St. Elmo so lange als möglich halte, um der sizilianischen Hilfsflotte Zeit zu verschaffen, heranzukommen. Denn ist jenes Fort in den Händen des Feindes, so kann dieser beide Seehäfen verschließen, und der Entsatz ist schwerer. Auch würden die Spanier alsdann, wie sie gedroht haben, zurücksegeln. Zweitens muss die Macht der Türken physisch und moralisch geschwächt werden, wenn sie St. Elmo im Sturm zu erobern genötigt sind. Ihr Verlust bei dieser Unternehmung erschwert ihnen die ferneren Angriffe des Hauptortes, und ein solches Beispiel verzweifelter Gegenwehr gibt ihnen einen so hohen Begriff von der christlichen Tapferkeit, dass sie an der Gewissheit des Sieges zu zweifeln anfangen, und zu neuen Kämpfen weniger bereit sind. Der Großmeister hat also überwiegende Gründe, einen Teil seiner Ritter, die Verteidiger des Forts St. Elmo, der Wohlfahrt des Ganzen aufzuopfern. Ein solches Verfahren streitet nicht mit den Gesetzen des Ordens, da jeder Ritter sich bei der Aufnahme anheischig gemacht hat, sein Leben mit blindem Gehorsam für die Religion hinzugeben. Aber zur Unterwerfung unter ein so strenges Gesetz gehört der reine Geist des Ordens, weil eine solche Tat von innen heraus geschehen muss, und nicht durch äußere Gewalt kann erzwungen werden. Aber dieser reine Ordensgeist, der in diesem Augenblick so notwendig ist, fehlt. Kühn und tapfer sind die Ritter, aber sie wollen es auf ihre eigene Weise sein, und sich nicht mit blinder Resignation dem Gesetz unterwerfen. Der Augenblick fordert einen geistlichen Sinn, und ihr Sinn ist weltlich. Sie sind von ihrem ursprünglichen Stiftungsgeist ausgeartet; sie lieben noch andere Dinge als ihre Pflicht; sie sind Helden, aber nicht christliche Helden. Die Liebe, der Reichtum, der Ehrgeiz, der Nationalstolz und ähnliche Triebfedern bewegen ihre Herzen. Die Unordnungen im Orden haben im Moment der Belagerung ihren höchsten Gipfel erreicht. Viele Ritter überlassen sich offenbar ihren Ausschweifungen, und trotzen darauf, dass Krieg und Gefahr die Freiheit begünstigen. La Valette war zeither nachsichtig, teils aus liberaler Denkart, teils weil er sich selbst von gewissen Menschlichkeiten nicht frei wusste; aber jetzt sieht er sich genötigt, den Orden in seiner ersten Reinheit herzustellen, und gleichsam neu zu erschaffen. |
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