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Homepage Literatur Schiller, Friedrich Nachlass I. Demetrius Erster Aufzug Zweiter Aufzug II. Warbeck Personen Konzept Fragment III. Die Maltheser Vorerinnerung Fragment IV. Die Kinder Vorerinnerung |
KonzeptErster AktLord Hereford, ein Anhänger Yorks, hat mit seinen fünf Söhnen England verlassen, auf die Nachricht, dass sich Richard von York, zweiter Sohn Eduards IV., den man schon als Knabe ermordet glaubte, lebend in Brüssel befinde, und sein Erbrecht zurückfordere. Die Anerkennung des Prätendenten durch seine Tante, die Herzogin Margaretha von Burgund, durch Frankreich und Portugal, und die öffentliche Stimme waren ihm hinreichende Gründe, von Heinrich VII. abzufallen, und seine Besitzungen an seine Hoffnungen zu wagen. Er tritt in den Palast der Margaretha, wo er die Bildnisse der Yorks aufgestellt findet; er freut sich nun, auf einem Boden zu sein, wo er seine Neigung zu dem Haus York frei bekennen dürfe. Lord Stanley, Botschafter Heinrichs VII. am Hof der Margaretha, tritt ihm hier entgegen, und sucht umsonst ihm die Augen über den gespielten Betrug zu öffnen. Beide geraten in Hitze, und der Streit der zwei Rosen erneuert sich in der Vorhalle der Margaretha. Der Bischof von Ypern, vertrauter Rat der Herzogin, kommt dazu, und bringt sie auseinander. Er rühmt die Pietät der Herzogin gegen ihre unterdrückte Partei und ihre schutzlosen Verwandten, und spricht dasjenige aus, wofür Margaretha gern gehalten sein möchte. Bürger und Bürgerfrauen von Brüssel erfüllen die Vorhalle, um die Herzogin mit dem Prinzen von York zu erwarten. Stanley schilt ihre Verblendung; sie geraten aber durch die Schmähungen, die er gegen ihren angebeteten Prinzen ausstößt, in eine solche Wut, dass sie ihn zu zerreißen drohen. Man hört Trompeten, welche die Ankunft des York verkünden. Richard tritt zwischen sie, rettet den Abgesandten, haranguiert das Volk und bringt es zur Ruhe. Während er spricht, tritt Margaretha mit dem Prinzen von Gothland, der Prinzessin von Bretagne und anderen Großen ein. – Hereford wird von dem Anblick Richards hingerissen, überzeugt und überwältigt. Er wirft sich vor ihm nieder und huldigt ihm, als dem Sohn seines Königs. Margaretha nimmt nun das Wort und erklärt sich über ihren Neffen mit der Zärtlichkeit der mütterlichen Verwandten. – Sie fordert den Prinzen auf, den Lord wohl aufzunehmen. Richard umarmt ihn, und äußert sich mit Gefühl und zugleich mit fürstlicher Würde. Hereford wird zunehmend von ihm eingenommen, und fragt jetzt nach seiner Geschichte. – Richard will ausweichen. Die Herzogin übernimmt es, sie vorzutragen, indem sie den Richard entschuldigt. – Nun folgt die Erzählung von Richards fabelhafter Geschichte, welche großen Eindruck macht, und öfters von dem Affekt der Zuhörer unterbrochen wird. – Stanley protestiert noch einmal dagegen, und geht ab, ohne Glauben zu finden. Richards edle Erklärung löscht den Eindruck seiner Worte aus. Hereford verstärkt seine Versicherungen und verspricht dem Herzog Richard einen zuströmenden Anhang in England. Richard erinnert sich mit Rührung an seine vorige Unbekanntheit mit sich selbst, und vergleicht jenen sorglosen Zustand mit seiner jetzigen Lage. – Es ist eine schwere Pflicht und kein Glück, dass er seine Rechte behaupten muss. Er scheint sich noch einmal zu bedenken, und es der Herzogin zu bedenken zu geben, ob er das blutige Kampfspiel unternehmen soll, welches den Frieden zweier Länder zerstört. Sie ermuntert ihn dazu, wie schwer ihr auch die Trennung von ihm werde und der Gedanke, ihn den Zufällen des Krieges auszusetzen. – Lebhafte Bezeugungen ihrer Zärtlichkeit. – Jetzt spricht sie von dem zweifachen Anliegen ihres Herzens, der Restitution ihres Neffen und der Vermählung Adelaidens, welche nächstens mit dem Prinzen von Gothland soll gefeiert werden. Prinz Erich von Gothland bleibt allein mit der Prinzessin von Bretagne zurück, und spottet über die vorhergegangene Farce. Adelaide ist noch in einer großen Gemütsbewegung und zeigt ihre Empfindlichkeit über Erichs fühllose Kälte. Er verspottet sie und spricht von dem Prinzen von York mit Verachtung. Sie nimmt mit Lebhaftigkeit Warbecks Partei, an dessen Wahrhaftigkeit sie nicht zweifelt, und stellt zwischen ihm und Erich eine dem Letzteren nachteilige Vergleichung an. Ihre Zärtlichkeit für den vorgeblichen York verrät sich. Erich demonstriert ihr aus Warbecks Benehmen, dass jener kein Fürst sein könne, und führt solche Beweise an, welche seine eigenen gemeinen Begriffe von einem Fürsten verraten. Adelaide verbirgt ihre Verachtung gegen ihn nicht, und setzt ihn aufs tiefste neben dem Yorkschen Prinzen herab. Erich hat wohl bemerkt, dass Adelaide für diesen Zärtlichkeit empfinde, aber seine Schadenfreude ist größer als seine Eifersucht; er findet ein Vergnügen daran, dass jene beiden sich hoffnungslos lieben, er selbst aber die Prinzessin besitzen werde. Der Besitz, meint er, mache es aus, und es gibt ihm einen süßen Genuss, dem Warbeck, den er hasst, die Geliebte zu entreißen. Adelaide spricht in einem Monolog ihre Liebe, ihr Mitleid mit Warbeck, und ihren Schmerz über ihre eigene Lage am Hof der Margaretha aus. Sie findet eine Ähnlichkeit in Richards und ihrem eigenen Schicksal; beide leben von der Gnade einer stolzen, gebieterischen Verwandten und sind hilflose Opfer der Gewalt. Zweiter AktDer erste Akt zeige Warbeck in seinem öffentlichen Verhältnis; jetzt erblickt man ihn in seinem innern. Die glänzende Hülle fällt; man sieht ihn von den eigenen Dienern, welche Margaretha ihm zugegeben hatte, vernachlässigt und unwürdig behandelt. Einige zweifeln an seiner Person und verachten ihn deswegen; andere, die an seine Person glauben, begegnen ihm mit Geringschätzung, weil er arm ist, und von der Gnade seiner Anverwandten lebt. Das doppelte Elend eines Betrügers, der die Rolle eines Fürsten spielt, und eines wirklichen Prinzen, der ohne Mittel ist, häuft sich auf seinem Haupt zusammen. Er leidet Mangel an dem Notwendigen, und vermisst in seinem fürstlichen Stand sogar das Glück und den Überfluss seines vorigen Privatstandes. Warbeck spielt seine Rolle mit einem gesetzten Ernst, mit einer gewissen Gravität und mit eigenem Glauben. So lange er den Richard vorstellt, ist er Richard; er ist es auch gewissermaßen für sich selbst, ja sogar zum Teil für die Mitansteller des Betrugs. Dieser Schein darf schlechterdings nichts Komödiantisches haben; es muss mehr ein Amt sein, das er bekleidet, und mit dem er sich identifizierte, als eine Maske, die er vornimmt. Nachdem der erste Schritt getan ist, hat er seine vorige Person ganz weggeworfen. Alle Schritte, die aus dem ersten fließen, hat er mit seinem ersten Entschluss adoptiert, und er stutzt über das Einzelne nicht mehr, nachdem er das Ganze einmal auf sich genommen hat. Eine gewisse poetische Dunkelheit, die er über sich selbst und seine Rolle hat, ein Aberglaube, eine Art von Wahnwitz, hilft seine Moralität retten. Eben das, was ihn in den Augen der Herzogin zu einem Rasenden macht, dient ihm zur Entschuldigung. Er darf nie klagen, als zuletzt, wenn die Liebe ihn aufgelöst hat. Kränkungen erleidet er mit verbissenem Unmut, und Gutes tut er mit stolzer Größe und einer gewissen Trockenheit, nicht sentimentalisch, sondern realistisch, aus einer gewissen Grandezza, aus Natur und ohne Reflexion. Es muss fühlbar gemacht werden, wie natürlich es ist, dass in dem Herzen der Prinzessin sich ein liebender Anteil an dem vorgeblichen Richard einfindet, und dort zur vollen Liebe wächst – eine Wirkung des Betrugs, an die man nicht dachte, und die doch so nahe lag. Es ist tragisch, wie ein schönes Gemüt durch die menschlichste Empfindung in ein unglückliches Verhältnis verwickelt wird, wie sich da, wo man nur Verderbliches säte, ein schönes Leben bildet. Die Prinzessin ist ein einfaches Mädchen ohne alles Fürstliche – ihre Geburt und ihr Stand erscheinen ihr nur als hindernde Schranken, die ihrer schönen Natur widerstreben. Die Größe hat für sie keine Reiz; sie hat allein Sinn für das Glück des Herzens, und nur dadurch erinnert sie an ihre Geburt, dass sie mit einer gewissen Exaltation von dem einfachen Stand spricht, der ihr darum eben, weil er außer ihr ist, weil sie ihn aus der Ferne anschaut, poetischer vorkommt. Adelaide beschäftigt sich mehr mit ihrer Liebe zu Warbeck, als mit der seinigen zu ihr. Sie ist von einer resignierten Natur zum Schlachtopfer erzogen. Ihre Hoffnung zu dem Geliebten zu erheben, wagt sie nicht; sie beneidet nur die Glückliche, die ihn einmal besitzen soll. Er muss eine reiche oder mächtige Königstochter heiraten; aber sie ist eine arme Waise, die nur von der Gnade ihrer Verwandten lebt. Warbeck, eine nach Selbstständigkeit strebende Natur, ist in der Gewalt eines falschen, gebieterischen, mächtigen, unversöhnlichen Weibes, wie eines bösen Geistes. Er hat sich ihr verkauft; sein Verhältnis zu ihr ist erniedrigend und tötend für ihn, und umsonst wendet er alles an, es zu veredeln. Sie sieht in ihm ewig nur ihr Werkzeug, den falschen York, den Betrüger, und ihre Forderungen an ihn sind durchaus ohne Delikatesse, ohne alle Rücksicht auf sein eigenes Ehrgefühl. Umsonst will er empor streben; immer wird er von ihr an das schändliche Verhältnis erinnert, das er so gern vergessen möchte, ja das er vergessen haben muss, um seine Rolle gut zu spielen. Öffentlich ehrt, liebkost sie ihn, insgeheim macht sie seine Tyrannin. Sie befiehlt ihm, und verbietet ihm, was er öffentlich wollen und nicht wollen soll; öffentlich tut sie, als ob seine Wünsche Befehle für sie wären, und redet ihm zu, das zu tun, was sie ihm streng verboten hat. Wehe ihm, wenn er sich eigenmächtig etwas herausnehmen wollte! Dennoch tut er es zuweilen; daher ihre Ungnade und Abneigung. Adelaide kennt Warbecks eingeschränkte Lage, und sucht sie zu verbessern. Ob er gleich das Geschenk ihrer Großmut nicht annimmt, so macht ihn doch der Beweis ihrer Liebe glücklich. Erich sucht einen boshaften Anschlag gegen Warbeck auszuführen, um ihn zu beschimpfen. Er braucht einen verworfenen Menschen, dessen Aussagen für Warbeck äußerst demütigend sind. Warbeck benimmt sich fest und edel. Der Betrug wird entdeckt, und Erich beschämt. Die Herzogin ist von diesem Vorfall durch Belmont auf der Stelle unterrichtet worden, und kommt selbst, die beiden Prinzen miteinander auszusöhnen. Sie will, dass Warbeck dem Feind seine Hand biete, und da jener sich weigert, so gibt sie ihm zu verstehen, dass sie es so haben wolle. Sie legt einen Nachdruck darauf, dass Erich ein Prinz sei, und lässt den Warbeck, wiewohl auf eine nur ihm allein bemerkbare Art, seine Abhängigkeit von ihr, seine Nichtigkeit fühlen. Ein abenteuerlicher Abgesandter kommt im Namen Eduards von Clarence, um sich eine Sauvegarde nach Brüssel zu erbitten, damit er sich der Herzogin, seiner Tante, vorstellen und die Beweise seiner Geburt beibringen dürfe. Er sei aus dem Tower zu London entflohen, und komme, seine Ansprüche and en englischen Thron geltend zu machen. Margaretha zweifelt keinen Augenblick an der Betrügerei; aber es trifft mit ihren Zwecken zusammen, sie zu begünstigen. Sie zeigt sich daher geneigt, die Hand zu bieten, aber Warbeck redet mit Heftigkeit dagegen. Margaretha weist ihn, auf die ihr eigne gebieterische Art, in seine Schranken zurück, und lässt ihn fühlen, dass er hier keine Stimme habe. Warbeck muss schweigen; aber er geht ab mit der Erklärung, dass er es mit dem Prinzen von Clarence durch das Schwert ausmachen werde. Margaretha ist nun mit Belmont allein, und bemerkt mit stolzem Unwillen, dass Warbeck anfange, sich gegen sie etwas herauszunehmen. Sie hat schon längst eine Abneigung gegen ihn gehabt; nun fangen seine Anmaßungen an, ihren Hass zu erregen. Sie findet ihn nicht nur nicht unterwürfig genug; der Betrug selbst, den sie durch ihn spielt, ist ihr lästig, und seine Existenz als York, als ihr Neffe, beschämt ihren Fürstenstolz. In dieser ungünstigen Stimmung findet sie Adelaide, welche in großer Bewegung kommt, sie zu bitten, dass sie von den Bewerbungen des Prinzen von G. befreit werden möchte. Adelaide verrät zugleich ihr zärtliches Interesse für Warbeck, und bringt dadurch die schon erzürnte Herzogin noch mehr gegen diesen auf. Sie wird mit Härte von ihr entlassen, und erhält den Befehl, an den Letzteren nicht mehr zu denken, und jenen als ihren Gemahl anzusehen. Die Hochzeit wird aufs schnellste beschlossen, und Adelaide sieht sich in der heftigsten Bedrängnis. Dritter AktEin offener Platz, Thron für die Herzogin, Schranken sind errichtet, Anstalten zu einem gerichtlichen Zweikampf. Zuschauer erfüllend en Hintergrund der Szene. – Eduard Plantagenet lässt sich von einem der Anwesenden erzählen, was diese Anstalten bedeuten. – Exposition von Simnels und Warbecks Rechtshandel, der durch einen gerichtlichen Zweikampf entschieden werden soll. Eduard vernimmt diesen Bericht mit dem höchsten Erstaunen, und seine Fragen, die zugleich eine tiefe Unwissenheit des Neuesten, und das größte Interesse für diese Angelegenheit verraten, erregen die Verwunderung des anderen. Der englische Botschafter ist auch zugegen, und der seltsame Jüngling hat schnell seine ganze Aufmerksamkeit erregt. Er scheint ihn zu kennen und zu erschrecken. Simnel zeigt sich mit seinem Anhang, und haranguiert das Volk. Er spricht von seinem Geschlecht, seiner Flucht aus dem Tower, und die Menge teilt sich über ihn in zwei Parteien. Der englische Botschafter macht sich an Eduard, und sucht ihn auszuforschen; aber er findet ihn höchst schüchtern und misstrauisch, und bestärkt sich eben dadurch in seinem Verdacht. Die Herzogin kommt mit ihrem Hof; Erich, Adelaide und Warbeck begleiten sie; Trompeten ertönen, und Margaretha setzt sich auf den Thron. – Unterdessen hat Warbeck eine kurze Szene mit Adelaide, worin diese ihren Unwillen und schmerz über die bevorstehende unwürdige Szene, Warbeck aber seinen leichten Mut über den Kampf zu erkennen gibt. – Ein Herold tritt auf, und nachdem er die Veranlassung dieser Feierlichkeit verkündigt hat, ruft er die beiden Kämpfer in die Schranken. Zuerst den Simnel, der sich öffentlich für Eduard Plantagenet bekennt, und seine Ansprüche vorlegt; darauf den Herzog von York, welcher Simnels Vorgeben für falsch und frevelhaft erklärt, und bereit ist, dieses mit seinem Schwert zu beweisen. Beide Kämpfer berufen sich auf das Urteil Gottes; man schreitet zu den gewöhnlichen Formalitäten, worauf sich beide entfernen, um in den Schranken zu kämpfen. Während der üblichen Vorbereitungen gemacht werden, hat der junge Plantagenet durch seine große Gemütsbewegung und durch seine rührende Gestalt die Aufmerksamkeit der Herzogin und der Prinzessin erregt. – Jene fragt nach ihm; er gibt einige sinnvolle Antworten und zeigt etwas Leidenschaftliches in seinem Benehmen gegen die Herzogin. Ehe sie Zeit hat, ihre Neugierde wegen des interessanten Jünglings zu befriedigen, ertönen die Trompeten, welche das Signal zum Kampf geben. Der Kampf. – Simnel wird überwunden und fällt. – Alles steht auf; die Schranken werden eingebrochen; das Volk dringt schreiend hinzu. Simnel bekennt sterbend seinen Betrug und die Anstifter; er erkennt den Warbeck für den echten York, und bittet ihn um Verzeihung. Freude des Volks. Warbeck, als Sieger und anerkannter Herzog, ergreift diesen Augenblick, der Prinzessin öffentlich seine Liebe zu erklären, und die Herzogin um ihre Einwilligung zu bitten. Warbeck, als Sieger und anerkannter Herzog, ergreift diesen Augenblick, der Prinzessin öffentlich seine Liebe zu erklären, und die Herzogin um ihre Einwilligung zu bitten. Die englischen Lords legen sich darein und unterstützen seine Bitte. Erich wütet, die Herzogin knirscht vor Zorn, ruft die Prinzessin hinweg, und geht ab mit wütenden Blicken. Jetzt sammeln sich die Lords um ihren Herzog, schwören ihm Treue und Beistand, und begleiten ihn im Triumph nach Hause. Plantagenet allein fühlt sich verlassen, seine Persönlichkeit verloren, ohne Stütze, hat nichts für sich, als sein Recht. Er entschließt sich dennoch, sich der Herzogin zu nähern. Stanley tritt zu ihm und versucht, ihn hinweg zu ängstigen. Vierter AktDie Herzogin kommt voll Zorn und Gift nach Hause. Ihr Hass gegen Warbeck ist durch sein Glück und seine Kühnheit gestiegen; die erhaltene Nachricht von der Entspringung des echten Plantagenet aus dem Tower macht ihr den Betrüger entbehrlich; sie ist entschlossen, ihn fallen zu lassen, und fängt gleich damit an, dass sie der Prinzessin, welche ihr nachgefolgt ist, mit Härte verbietet, an ihn zu denken, und sogar einen Zweifel über seine Person erregt. Warbeck lässt sich melden; sie schickt die Prinzessin, welche zu bleiben bittet, in Tränen von sich. Warbeck und die Herzogin. Warbeck, kühn gemacht durch sein Glück und auf seinen Anhang bauend, zugleich durch seine Liebe erhoben, und entschlossen seine bisherige unerträgliche Lage zu endigen, nimmt gegen die Herzogin einen mutigen Ton an, und wagt es, sie wegen ihres widersprechenden Betragens gegen ihn zur Rede zu setzen. Sie erstaunt über seine Dreistigkeit, und begegnet ihm mit der tiefsten Verachtung. Je mehr sie ihn zu erniedrigen sucht, desto mehr Selbständigkeit setzt er ihr entgegen. – Er beruft sich darauf, dass sie es gewesen, die ihn aus seinem Privatstand, wo er glücklich war, auf diesen Platz gestellt, dass sie verpflichtet sei, ihn zu halten, dass sie kein Recht habe, mit seinem Glück zu spielen. Ihre Antworten zeigen ihren fühllosen Fürstenstolz, ihre kalte egoistische Seele; sie hat sich nie um sein Glück bekümmert, er ist ihr bloß das Werkzeug ihrer Pläne gewesen, das sie wegwirft, sobald es unnütz wird. Aber dieses Werkzeug ist selbstständig, und eben das, was ihn fähig machte, den Fürsten zu spielen, gibt ihm die Kraft, sich einer schimpflichen Abhängigkeit zu entziehen. Endlich sieht sich die Herzogin genötigt, ihre innere Wut zu verbergen, und verlässt ihn, scheinbar versöhnt, aber Rache und Grimm in ihrem Herzen. Die Prinzessin wird durch die Furcht vor einer verhassten Verbindung, und weil sie alle Hoffnung aufgibt, etwas von der Güte der Herzogin zu erhalten, dem Betrüger gewaltsam in die Arme getrieben. Im vollen Vertrauen auf seine Person kommt sie und schlägt ihm selbst die Entführung vor. Sie zeigt ihm ihre ganze Zärtlichkeit und überlässt sich verdachtlos seiner Ehre und Liebe. Sie nennt ihm den Grafen Kildare, einen ehrwürdigen Greis und alten Freund des Yorkschen Hauses, zu dem wollten sie miteinander fliehen. Sie übergibt ihm alles, was sie von Kostbarkeiten besitzt. Je mehr Vertrauen sie ihm zeigt, desto qualvoller fühlt er seine Betrügerei; er darf ihre dargebotene Hand nicht annehmen, und noch weniger das Geständnis der Wahrheit wagen; sein Kampf ist fürchterlich; er verlässt sie in Verzweiflung. Sie bleibt verwundert über sein Betragen zurück, und macht sich Vorwürfe, dass sie vielleicht zu weit gegangen sei, entschuldigt sich mit der Gefahr, mit ihrer Liebe. Plantagenet tritt auf, schüchtern und erschrocken sich umsehend, und den teuren Familienboden mit schmerzlicher Rührung begrüßend. Er erblickt die Yorkschen Familienbilder, kniet davor nieder, und weint über sein Geschlecht und sein eignes Schicksal. Warbeck kommt zurück, entschlossen, der Prinzessin alles zu sagen. Er erblickt den knienden Plantagenet, erstaunt, fixiert ihn, lässt sich mit ihm ins Gespräch ein; was er hört, was er sieht, vermehrt seinen Schrecken und sein Erstaunen. Endlich zweifelt er nicht mehr, dass er den wahren York vor sich habe. Plantagenet entfernt sich mit einer edlen und bedeutenden Äußerung, und lässt ihn schreckenvoll zurück. Er hat kaum angefangen, seine Ahnung und seine Furcht auszusprechen, als der englische Botschafter eintritt und ein Gespräch mit ihm verlangt. Dieser bestätigt ihm augenblicklich seine Ahnung, und trägt ihm einen Vergleich mit dem englischen König an, wenn er den rechten York aus dem Weg schaffen helfe. Beide haben ein gemeinschaftliches Interesse, den wahren York zu verderben. Warbeck fühlt die ganze Gefahr seiner Situation; doch sein Hass gegen Lancaster und seine bessere Natur siegen, und er schickt den Versucher fort. Aber gehandelt muss werden. Der rechtmäßige York ist da; er kann zurückfordern, was sein ist; die Herzogin wird eilen, ihn anzuerkennen und dem falschen York sein Theaterkleid abzuziehen; alles ist auf dem Spiel; die Prinzessin ist verloren, wenn der rechte York nicht entfernt wird. Jetzt fühlt der Unglückliche, dass ein Betrug nur durch eine Reihe von Verbrechen behauptet werden kann; er verwünscht seinen ersten Schritt; er wünscht, dass er nie geboren wäre. Die Herzogin kommt mit ihrem Rat. Man erfährt, dass der Graf Kildare auf dem Weg nach Brüssel sei, dass er dort den jungen Plantagenet zu finden hoffe, der ihm Nachricht gegeben, er eile dorthin. Die Herzogin ist zugleich erfreut und verlegen über seine Ankunft; verlegen wegen Warbeck, doch sie ist fest entschlossen diesen aufzuopfern, sobald der rechte Plantagenet sich gefundne. Aber wo ist er denn, dieser teure Neffe? Kildare schreibt, er sei geraden Wegs nach Brüssel, so könnte er schon da sein. – Sie erinnert sich des Jünglings – ein Tuch wird auf dem Boden bemerkt – Sie erkennt es für dasselbe, welches sie dem Eduard vor neun Jahren geschenkt – Sie fragt voll Erstaunen, wer in das Zimmer gekommen. Man antwortet ihr: Niemand als Warbeck. Es durchfährt sie wie ein Blitz. Sie sendet nach dem unbekannten Jüngling, nach Warbeck. Fünfter AktHerzogin. Ihr Rat. Prinzessin. Lords. Vergeblich sind alle Nachforschungen nach Eduard, er ist nirgends zu finden. Die Herzogin hat einen grässlichen Argwohn. Sie schickt nach Warbeck. Erich und der Botschafter erzählen von einem Mord, der geschehen sein müsste; sie hätten um Hilfe schreien hören; wie sie herbeigeeilt, sie Blut auf dem Boden gewesen. Die Herzogin und Prinzessin in der größten Bewegung. Warbeck kommt. Herzogin empfängt ihn mit den Worten: Wo ist mein Neffe? Wo habt ihr ihn hingeschafft? Wie er stutzt, nennt sie ihn gerade heraus einen Mörder. Auf dieses Wort geraten alle Lords in Bewegung. Sie wiederholt es heftiger. Jene machen ihre Vorwürfe, dass sie den Herzog, ihren Neffen, einer so schrecklichen Tat beschuldige. Jetzt entreißt der Zorn ihr Geheimnis. Herzog, sagt sie, ein York! Er mein Neffe! – Und erzählt den ganzen Betrug mit wenigen Worten. Die Prinzessin stürzt der Herzogin in die Arme. Warbeck will sich an die Lords wenden; sie treten mit Abscheu zurück. In diesem Augenblick wird der gefürchtete Graf Kildare angemeldet. Die Herzogin sagt: „Er kommt zur rechten Zeit. Ich habe seine Ankunft nie gewünscht. Jetzt ist sie mir willkommen. Er kennt meine Neffen, er hat ihre Kindheit erzogen“ – Sie wendet sich zu Warbeck: „Verbirg dich, wenn du kannst! Sieh zu, ob du dich auch gegen diesen Zeugen behaupten wirst.“ Kildare tritt herein, Warbeck steht am meisten von ihm entfernt und hat das Gesicht zu Boden geschlagen. – Die Herzogin geht ihm entgegen. „Ihr kommt, einen York zu umarmen; unglücklicher Mann! Ihr findet keinen,“ usw. Ehe Kildare noch antwortet, sieht er sich im Kreis um, und bemerkt den Warbeck. Er tritt näher, stutzt, staunt, ruft: Was seh’ ich! Warbeck richtet sich bei diesen Worten auf, sieht dem Grafen ins Gesicht und ruft: Mein Vater! – Kildare ruft ebenfalls: Mein Sohn! – Sein Sohn? – Wiederholen alle. Warbeck eilt an die Brust seines Vaters. Kildare steht voll Erstaunen, weiß nicht was er dazu sagen soll. Er bittet die Umstehenden, ihn einen Augenblick mit Warbeck allein zu lassen. Man tut es auch Achtung gegen ihn; zugleich wird gemeldet, dass man zwei Mörder eingebracht habe; die Herzogin eilt ab, sie zu vernehmen. Warbeck bleibt mit Kildare, der noch voll Erstaunen ist, in dem vermeinten York seinen Sohn zu finden. Warbeck erzählt ihm in kurzen Worten alles; Kildare apostrophiert die Vorsicht und preist ihre Wege. Er erklärt dem Warbeck, dass er nicht sein Sohn sei – dass er den Namen geraubt, der ihm wirklich gebühre. Er sei ein natürlicher Sohn Eduards IV., ein geborner York. Das Rätsel seiner dunkeln Gefühle löst sich ihm; das Knäuel seines Schicksals entwirrt sich auf einmal. In einer unendlichen Freudigkeit wirft er die ganze Last seiner bisherigen Qualen ab; er bittet den Kildare, ihn einen Augenblick weggehen zu lassen. Kildare und die Lords. Sie sind in Verzweiflung über den gespielten Betrug und beklagen ihre verlorne Existenz, ihre zerstörte Hoffnung. Indem erscheint Warbeck, den Plantagenet an der Hand führend. Alle erstaunen; Kildare erkennt den jungen Prinzen; dieser weiß nicht, wie ihm geschieht, die Warbeck das ganze Geheimnis löst und damit endigt, dem Plantagenet als seinem Herrn zu huldigen, und ihn, als seine Vetter, zu umarmen. Warbeck hat den Plantagenet vor dem Yorkschen Monumente schlafend gefunden und ihn von zwei Mördern gerettet, die im Begriff waren, ihn zu töten. Freude der Lords, Edelmut des Plantagenet. Herzogin kommt zu dieser Szene, sie umarmt ihren Neffen und schließt ihn an ihr Herz. Die Lords verlangen, dass sie gegen Warbeck ein Gleiches tue – Edle Erklärung Warbecks, der als ihr Neffe zu ihren Füßen fällt – Sie ist gerührt, sie ist gütig und zeigt es dadurch, dass sie geht, um die Prinzessin abzuholen. Zwischen-Handlung, solang sie weg ist. Erichs und des Botschafters Mordanschlag kommt ans Licht; ihnen wird verziehen, und sie stehen beschämt da. Warbeck zeigt sich dem Botschafter in der Stellung, wie er den Plantagenet umarmt, und schickt ihn zu seinem König mit der Erklärung, dass sie beide gemeinschaftlich ihre Rechte an den Thron geltend machen wollen. Die Herzogin kommt mit der Prinzessin zurück. Schluss. |
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