Viertes Abenteuer
Wie der Mönch Ilsan aus dem
Kloster genommen ward
Noch hatten sie nicht alle
die Zwölf beisammen dort:
"Wie bringen wir aus dem Kloster den Mönch, den edeln, fort?
Hier mag kein Bote frommen, wir müssen selber hin:
Ihn kann nur der Berner aus seiner Kutte ziehn."
Auf saßen bald die Herren,
die Recken allbereit;
Dietrichens Reisen war gar manchem leid.
Da huben sich gen Isenburg die Herren auf die Fahrt,
Wo der Mönch um Rosen dem Kloster entnommen ward.
Da ritt zu allervorderst
Meister Hildebrand;
Herr Dietrich von Berne kam hinterdrein gerannt.
Speer und Schildrand selber trug der Degen hehr;
So ritt auch Meister Hildebrand; mit ihnen ritt niemand mehr.
An dem fünften Morgen, eine
Weile noch davor,
Waren die Herrn gekommen gen Isenburg aus Tor,
Da der Mönch die Messe wollt singen in der Früh;
Die Herren mit den Schilden stapften eilends hinzu.
Hilbrand begann zu klopfen:
"Lasst mich alsbald herein:
Ich will auch ein Prediger hier in dem Kloster sein."
Da rief der Mönch da drinnen: "Wer klopft uns an das Thor?
Geschwinde geht mir schauen, wer draußen steh davor.
Bringt mir meinen Harnisch,
dazu mein gutes Schwert;
Was sie dann suchen wollen, des werden sie gewährt;
Und meinen Helm, den lichten," sprach der Mönch Ilsan:
"Dass sie das Kloster zwingen, das wehr ich, wenn ich kann.
Nun hab ich meinen Harnisch,"
sprach der Mönch Ilsan,
"Wärt ihr denn zweiunddreißig, ich griff euch alle an,
Mein Schwert denn zerbreche mir in den Händen mein.
Wir wollen in dem Kloster von ihnen ungegessen sein.
Geschwinde geht mir schauen
was vor der Pforte sei."
"Herr, es ist ein Alter, und führt der Wölfe frei
Und eine goldne Schlange auf des Helmes Band." -
"Waffen, immer Waffen! Das ist mein Bruder Hildebrand."
"Bei ihm hält ein Junger
auf einem schnellen Pferd,
Mich dünkt an seiner Haltung, er sei ein Degen wert.
Der führt auf dem Schilde einen Leun, der schreckte mich."
"Er mag es wohl vollbringen: Es ist mein Herre Dieterich."
Da trat vor die Pforte der
Mönch Ilsan.
Eine graue Kutte hatt er über den Ringen an,
An den Beinen trug er zwei dicke graue Hosen:
So trat er vor die Pforte, der Märe wollt er losen.
"Benedicite Bruder," sprach
Meister Hildebrand.
"Nun geleite dich der Teufel," sprach der Mönch zuhand,
"Dass du das Jahr lang reitest und kommst nicht unter Dach!
Du fändest bei Frau Uten sicher besser Gemach."
"Das tät ich, wenn ich könnte,"
sprach Meister Hildebrand;
"Kriemhild die schöne hat nach uns gesandt,
Dass wir kommen sollen zu ihrer Lustbarkeit."
"Es scheint wohl, lieber Bruder, dass ihr ein Narre seid.
Ihr würdet es im Ernste
nicht sprechen, dünket mich.
Geschieht euch was zu Berne, mein Herr Dieterich?"
"Mein Herr will dich bitten," sprach Meister Hildebrand,
"Dass du die Fahrt ihm leistest, die ihm gelobt deine Hand.
Du gabst ihm deine Treue
und schwurst ihm einen Eid,
Wenn er reisen wollte, so wärst du ihm bereit."
"Nun mag ich nicht mehr reisen," sprach der Mönch Ilsan;
"Doch kann ich mich entsinnen, dass ich den Schwur getan.
Ist es euch Not zu Berne,
so will ich mit euch fahren;
Nach Worms am Rhein die Reise, die will ich lieber sparen."
Da sprach Hilbrand der alte: "Lieber Bruder mein,
Brüderlicher Treue gemahnt sollst du sein.
Es steht in dem Briefe, den
uns die Magd entbot,
Mir und meinem Herren ward Hilfe nie so Not."
"Helfet euerm Bruder," sprach Herr Dieterich:
"Wollt ihr daheim verbleiben, es beschimpft euch sicherlich."
Da sprach der kühne Ilsan:
"Viel lieber Bruder mein,
Will mirs der Abt erlauben, ich folg euch an den Rhein.
Käm ich in den Garten, da entgält es mancher Mann:
Ich weiß, dass ich die Zwölfe wohl allein bestehen kann.
"Ich will euch gerne helfen,"
sprach der Mönch Ilsan.
"Nun schaut, lieber Herre, was ich zum Streit gewann."
Da zog er ab die Kutte und warf sie in das Gras:
Hei, wie gute Waffen Ilsan der Mönch nach besaß!
"Was tragt ihr unter den Hosen?",
sprach Meister Hildebrand.
"Da trag ich, lieber Bruder, mein altes Sturmgewand."
Da schaute der von Berne Mönch Ilsans Schwert:
"Eines guten Predgerstabes seid ihr dabei gewährt.
Wem ihr den Bann entschlaget
mit euerm Predgerstab,
Ich geb euch meine Treue, es folgt ihm bis ins Grab.
Wüssten es am Rheine die Burgonden hehr,
Eh sie euch beichten wollten, sie würden Ketzer ehr.
Wir wolln gen Wormes reiten
zu schauen des Rheines Fluss
Nach einem Rosenkranze, nach einer Frauen Kuss."
"Das wisset, lieber Herre, es wird alsbald vollbracht.
Kriemhild soll noch wünschen, sie hätt es nimmer erdacht.
Trägt sie nach deutschen Recken,
das sollt ihr glauben mir,
Nach Rosen und nach Blumen so sehnliche Begier,
Wir wollen sie besuchen mit manchem kühnen Mann,
Der ihnen von den Augen das Moos wohl blasen kann.
Geruhet abzusteigen, lieber
Herre mein,
Und wollt ihr bei mir essen, ich geb euch guten Wein.
Die Mönche müssens zahlen, die hier im Kloster sind:
Die andern essen Gerste; ich sah daran mich blind."
Da ward gesetzt zu Tische
von Bern Herr Dieterich,
Und jenseits ihm entgegen, dass wisset sicherlich,
Hildebrand der alte, ein auserwählter Mann.
Da pflag der Beiden fleißig der gute Mönch Ilsan.
Da kam der Abt zusammen mit
seiner Bruderschaft,
Sie hatten zu gebieten über des Mönches Kraft.
Da sprach der von Berne, ein Fürst so trugendlich:
"Lasst ihr ihn nicht ziehen, ich zerstöre euch sicherlich."
Da sprach der Abt: "Herr Dietrich,
es ist nicht unser Recht,
Dass wir fechten sollen, es ziemt kei'm Gottesknecht.
Wir sollen spät und frühe zu dienen sein bereit
Dem Gott, der uns geschaffen hat: Der Mönch soll nicht zum
Streit."
Der Mönch Ilsan versetzte:
"Herr Abt, auf meinen Eid,
Geschieht dort in den Rosen diesen werten Recken leid
(Ich wollt es wohl verhindern, ließt ihr mich auf den Plan),
Das entgelten hier die Brüder, wenn ich es fügen kann."
Da erschrak der Abt der Rede:
"Lieber Bruder mein,
Wollt ihr mir dannen bringen ein Rosenkränzelein;
So büß ich eure Sünden, dieweil ihr reitet fern."
Der Rede musste lachen Herr Dieterich von Bern.
Da gab der Mönch zur Antwort:
"Habt das auf meinen Eid,
Euch soll bei meiner Heimkehr ein Kränzlein sein bereit,
Mich wolle denn im Garten niemand mit Streit bestehn;
Und kann ich Rosen pflücken, die sollen euch nicht entgehn.
Nun lasst mich Urlaub nehmen,
ich muss an den Rhein.
Schließt mich in eur Gebete, ihr lieben Brüder mein,
Und bittet Gott vom Himmel, dass er mir gebe Heil,
So bring ich euch vom Rheine der Rosen ein gutes Teil.
Euer sind zweiundfünfzig,
hab ich es recht ersehn:
Just so manchen Recken will ich dort bestehn.
Schickt mich denn Gott herwieder, ihr leiben Brüder mein,
So bring ich euer jedem ein Rosenkränzelein."
Da sprachen sie einhellig,
die ganze Bruderschaft,
Dass sie ihm Heil erwünschten und Glück durch Gottes Kraft.
Als sie gegessen hatten und getrunken überall,
Da zog man Schimmings Bruder, ein Ross ihm aus dem Stall.
Mit einem Schwert umgürtet
stand bald der Mönch Ilsan;
Über den Harnisch zog er eine Kutte wohlgetan.
Dann ließ er sich bringen einen Schild und einen Speer:
Die hatt er oft geschwungen, das war nun lange her.
Das gute Ross Benig ward
jetzt von ihm beschritten;
Die Herren nahmen Urlaub, eh sie von dannen ritten.
Ihm folgte vor das Kloster der Abt mit manchem Mann:
Sie begannen all zu fluchen dem starken Mönch Ilsan.
Sie baten Gott vom Himmel,
das will ich euch sagen,
Dass er nimmer wieder käme, und würde tot geschlagen.
"Er tat uns viel zu Leide in unsrer Bruderschaft:
Dafür werd er erstochen und nimmer sieghaft.
Der Mann hat solche Stärke,
wir sind an ihm betrogen:
Er hat uns bei den Ohren so oft umhergezogen,
Wenn wir nicht leisten wollten was er uns gebot,
Er bracht uns in dem Kloster in Angst und große Not."
Da sprach ein alter Bruder:
"Gott will ich immer loben:
Er hat mich an dem Barte so oft umhergezogen,
Er tat mir an dem Leibe jämmerliche Pein,
Dass ich zu allen Zeiten in Sorgen musste sein."
An dem fünften Morgen, da
sich erhob der Tag,
Da kamen sie gen Berne, wo das Gesinde lag.
Nur Wolfhart lag alleine zur Wart den andern fern,
Fremder Mär zu harren, die sollt er melden den Herrn.
Da ging er hergegangen, nun
höret wie er sprach:
"Wohlauf, ihr Helden alle, vernehmt mein Ungemach.
Es hat mein Herr von Berne einen Mönch mit sich gebracht:
Mich nimmt immer Wunder was er mit dem hat erdacht."
"Es ist dein Spott," sprach Heime.
"Misstraust du meinem Wort?
Willst du mir nicht glauben, so sieh ihn selber dort."
Da sprangen auf die Herren allesamt zuhand,
Sie legten schnell die Schuhe sich an und ihr Gewand.
Die ihre Schuh nicht fanden,
die liefen barfuss
Herrn Dietrich zu empfangen mit ihrem frohen Gruß:
Den von Bern zu schauen war ihnen allen jach;
Wolfhart alleine schlich langsam hintennach.
Da sprachen zu dem Berner
die Herren freudiglich:
"Nun seit uns gottwillkommen von Bern Herr Dieterich.
Pfui, der leidge Teufel! Was soll der Mönch im Land?"
"Er soll euch Beichte hören," so sprach Herr Hildebrand.
"Was wollt ihr hier, Landstreicher?",
sprach da Wolfhart,
"Hebt euch in die Zelle zurück in schneller Fahrt.
Ich will mit euch nicht reisen fern in fremdes Land."
"Ihr sollt euch sein nicht schämen," sprach Meister
Hildebrand.
"Wer ist der junge Degen?",
sprach der Mönch Ilsan:
"Will er des nicht entbehren, ihm wird ein Schlag getan."
"Des entbehr ich gern," sprach Wolfhart gar vermessentlich.
"Wollt ihr unbescheiden werden?", sprach Herr Dieterich.
"Gern wüsst ich, wer er wäre,"
sprach wieder Ilsan,
"Der im Übermute so hoch sich brüsten kann?"
"Du wirst ihn nicht erkennen," sprach Meister Hildebrand,
"Es ist deiner Schwester Sohn, das mach ich dir bekannt."
"Ist es also Wolfhart?",
sprach der Mönch Ilsan:
"Ei hab ich ihn gefunden, den kühnen jungen Mann!
Er lag in der Wiege, da ich ihn sah zuletzt:
Da dacht ich nicht, er hätte mir heut so zugesetzt."
"Sie sind dir nachgeschlagen,
Wolfahrt und Siegestab:
Ohen große Stürme kommen sie nimmer in ihr Grab,
Noch alphart der junge." Da sprach der Mönch Ilsan:
"Nun freut mich, dass ich Kunde der jungen Degen gewann."
Ü
Þ |