Siebtes Abenteuer
Wie die Kämpfe begannen und zuerst
mit vier Riesen
Am zehnten Morgen wurde der
Frieden aufgesagt,
Des musste da entgelten mancher Ritter unverzagt.
Kriemhild die Königstochter versäumte nicht die Zeit,
Mit großem Fleiße zierte sie sich in köstlichem Kleid.
Da ging sie hin behende wo
sie den Berner fand:
"Der Friede hat ein Ende, das mach ich dir bekannt.
Siehst du die zwölf Recken dort in dem Garten stehn?
Die hüten mir die Rosen, die Degen ausersehn.
"Der mit ihnen streitet,"
so sprach die Königin,
"Ein Halsen und ein Küssen empfängt er zum Gewinn.
Siegt er ob im Garten, ihm wird ein Kränzelein;
Er soll vor allen Recken auch immer gepriesen sein.
Doch unter euch allen ersah
ich nicht den Mann,
Vor dem ich meiner Recken Sorge noch gewann."
Da sprach der Held von Berne: "Das Wort missziemt euch sehr;
Und wenn es Wolfhart hörte, der vertrüg es euch schwer."
Da sprach der gute Meister
im Zorn zur Königin:
"Nun kehrt, eh wir euch schelten, zu den euern wieder hin.
Euch und eure Recken lobt ihr allzu viel;
Glaubt mir auf meine Treue: Sich hebt ein hartes Spiel."
Da nahmen sie die Königin
und führten sie hindann.
Sie sprach: "Es wird gerochen, wenn ich es fügen kann."
Sie ging zu ihrem Vater und klagt' es ihm zuhand:
"Übel zu mir gesprochen hat der alte Hildebrand."
Da sprach der König Gibich:
"Er tat nicht wohl daran;
Es ist auch gegen Frauen nimmer recht getan.
Ich selber will dich rächen, liebe Tochter mein:
Sie mögen Gott wohl klagen, dass sie kamen über Rhein."
Da ging mit sich zu Rate
der alte Hildebrand:
Er schuf, dass die Hütten wurden all verbrannt.
Da sah man auf dem Felde viel Recken ausersehn,
Und geziert mit reichen Decken die schönen Rosse stehn.
Da ließ Herr Dietrich blasen
das krumme Heerhorn:
Sich rüsteten zum Kampfe die Degen wohl geborn.
Sie ersprengten ihre Rosse bis vor des Gartens Tor,
Und hielten alle Zwölfe einen Rosslauf weit davor.
Da sprach der König Gibich:
"Wo ist nun Pusold?
Denn ich all mein Leben gewesen bin so hold.
Dass man meine Tochter so bescholten hat,
Dir klag ichs, starker Riese: Räche du die Übeltat."
Da sprach der Riese Pusold:
"König und Herre mein,
Ich red es auf mein Ende, es muss gerochen sein."
Da sprach Meister Hildebrand: "Siehst du das, Wolfhart?
Nun, lieber Neffe, hebe dich zu ihm auf die Fahrt."
Da sprach der starke Recke,
der kühne Wolfhart:
Wir haben diese Reise allzu lang gespart.
Ich säume mich nicht länger, es ist nun an der Zeit:
Ich will in den Garten, den Riesen bestehn mit Streit."
Da sprang in den Garten
Wolfhart der kühne Mann:
Da lief ihn der Riese gar grimmiglich an.
Dem Riesen kocht' im Herzen des Zornes allzu viel:
Da schlug er Wolfharten, dass er in die Rosen fiel.
Hildebrand der alte rief
Wolfharten an:
"O weh, wie bist du, Neffe, gefallen auf den Plan!
Wirst du von einem Riesen hier zu Tod erschlagen,
Fraun und Ritter können dich nimmer genug beklagen."
Wolfhart der Kühne sprang
wieder aus dem Grieß
Und sprach: "Das wurmt dem Riesen, dass er mich leben ließ."
Da lief er Pusolden zorniglich an:
Da musste vor ihm fliehen der ungefüge Mann.
Er schlug ihm tiefe Wunden
so lang und so groß,
Dass ein Bach von Blute ihm aus dem Leibe schoss.
Dann straft' er ihn mit Streichen und schlug ihm Wunden rot:
Wo er ihn mocht erreichen, da bracht er ihn in Not.
Zum Eid die Finger reckte
der Riese Pusold:
Doch Wolfhart sprach: "Du wurdest nie einem Christen hold:
Des musst du hier entgelten, das will ich dir sagen."
Da ward dem langen Riesen das Haupt abgeschlagen.
Auf sprang die Königstochter
wohl zu derselben Stund;
Sie hatte sich verspätet, drum ward ihm Sterben kund.
Da gab ihm Frau Kriemhilde ein Rosenkränzelein,
Ein Halsen und ein Küssen gab ihm das Mägdelein.
Da ging aus dem Garten
Wolfhart der kühne Mann:
Wohl empfing ihn der von Berne und die in seinem Bann;
Ihn empfingen auch die Freunde. Der Meister sprach da so:
"Ihr all, die streiten wollen, seit dieses Anfangs froh."
Da sprach der König Gibich:
"Wo ist nun Ortewein,
Dass er hier nicht will rächen den lieben Bruder sein?
Der von Wolfharts Händen hier liegt zu Tod erschlagen:
Ich kann bis an mein Ende ihn nimmer genug beklagen."
Eh er das Wort geendet, da
kam schon Ortewein:
"O weh mir deines Todes, du lieber Bruder mein!
Verflucht sei der Anger, dass er je Rosen trug!
Er verderbt der Recken und Helden noch genug.
Deines Todes muss entgelten
mancher Degen ausersehn:
Er mag sich billig fürchten, der mich soll bestehn."
Da sprach Meister Hildebrand: "Hörst du das, Siegestab,
Wie der Riese brüllet? Nun hilf ihm in sein Grab."
Da sprach Siegstab der Schnelle:
"Ich bin wohl so verwegen:
Dazu fuhr ich über Rhein, dass ich will Streites pflegen.
Wär er noch so ungefüge, doch will ich ihn bestehn."
Da dankt' ihm der Berner, der Degen ausersehn.
Da sprang in die Rosen
Siegstab der kühne Mann.
Da lief ihn der Riese gar grimmiglich an;
Ich sag euch in Wahrheit, des Starken Zorn war groß.
Sie schwiegen beid und schlugen nur aufeinander los.
Da stritt aus ganzen Kräften
der grimme Ries' Ortwein;
Wohl mocht ihn gereuen der liebe Bruder sein.
Auf den jungen Ritter sah man ihn freislich schlagen:
Siegstab der Kühne wollt ihm das nicht vertragen.
Lang hatte sich mit Schirmen
geschützt Siegstab der Held,
Den grimmen Riesen trieb er jetzt mannlich aus dem Feld.
Viel tiefe Wunden schlug ihm der kühne Siegestab,
Dass sich der Ungefüge des Siegs alsbald begab.
Er fällt' ihn zu der Erden,
das will ich euch sagen:
Da ward Ortwein der Riese von dem Recken Tot geschlagen.
Da schickte sich Kriemhilde die Königin darein:
Auf setzte sie dem Ritter ein Rosenkränzelein,
Ein Halsen und ein Küssen
gab sie dem jungen Mann.
Die Wölfinge freut' es, da Siegstab Sieg gewann.
Wohl empfing ihn der von Berne und all sein Heergesind;
Man zog ihm ab den Panzer: Da kühlt' er sich im Wind.
Da sprach König Gibich: "O
weh mir dieser Not!
Wie liegen meine Recken im Rosengarten tot!
Zwei so kühne Degen hat man mir erschlagen:
Starker Riese Struthan, das will ich dir klagen.
Nun räch du meinen Kummer,
gar wohl steht das dir an,
So will ich mit dir teilen das Land, das ich gewann.
Gedenk in deinem Herzen, sie sind dir nah verwandt;
Deine Bruderskinder lass rächen deine Hand."
Gar grauslich sprach entgegen
der Riese Struthan:
"Wo ist er nun so lange, der mir zum Kampf soll nahn?
Um meine Bruderskinder trag ich so große Not,
die mir im Rosengarten geschlagen sind zu Tod!"
Da sprach der alte Hildebrand:
"Heime, hörst du das?
Mit diesem sollst du fechten, Struthan trägt dir Hass.
Seine Bruderskinder beklagt er also sehr;
Seine Kraft und seine Stärke wiegt gegen dich nicht schwer."
Da sprach der starke Heime:
"Ich will ihn nicht bestehn.
Er ist zu ungefüge, zu gräulich anzusehn.
Und schlüg er mich zu Tode, das wär der Welt ein Spott."
Da sprach Meister Hildebrand: "Davor behüte dich Gott.
Und versähn die Leute
deiner Zagheit sich,
Viel hoch gelobter Recke, das wär mir leid für dich."
"Auch sprach ichs nicht im Ernste: Ich will ihn doch bestehn;
Vor dem Ungefügen wolle mir Gott zur Seite stehn."
Da sprang in den Garten der
Degen ausersehn:
Das dankt' ihm der Berner und die in seinem Lehn.
Da sah man auch den Riesen durch Rosen watend nahn.
Da rief aus großem Zorne der Reise Struthan:
"Was magst du wohl hoffen,
du wunderkleiner Mann!
Und kämen deiner Tausend, das ficht mich wenig an."
Doch Heime sprach hinwieder: "Das Prahlen steht dir fein;
Erfährst du meine Stärke, es muss dein Ende sein."
Da zürnte sehr der Riese,
er gab ihm einen Schlag,
Dass der starke Heime vor ihm am Boden lag.
Hildebrand der Alte rief da Heimen an:
"Du bist in große Schande gefallen auf den Plan
Vor Rittern und vor Frauen:
Die haben es gesehn.
Du musst dich immer schämen, dass es dir ist geschehn."
Heime der Kühne bald auf die Füße sprang,
Nagelring die Waffe an der Hand ihm laut erklang.
Ingrimmig lief er den
langen Riesen an:
Da schlug er tiefe Wunden dem ungefügen Mann;
Der Klee ward gerötet auf der Heide grün:
Sie stritten beide wacker, die stolzen Helden kühn.
Heime der Edle da
Nagelringen schlug
Auf den Riesen Struthan, dass er ihm gab genug.
Zwischen seinen Brüsten schlug er ihm Wunden weit:
So stritt er mit dem Langen vergebens lange Zeit.
Jetzt kam er angelaufen und
gab ihm einen Schlag,
Dass der grimme Riese vor ihm am Boden lag.
Er stach ihn zu der Erde, das will ich euch sagen;
Da waren drei der Riesen zu Tode nun erschlagen.
Da kam Kriemhild und gab ihm
ein Rosenkränzelein;
Ein Halsen und ein Küssen musst ihm gegeben sein.
Da ging aus dem Garten der Ritter wohlgetan:
Wohl empfing ihn der von Berne und die in seinem Bann.
Da sprach der Held von Berne:
"Ich bin dir treulich hold
Und will auch mit dir teilen mein Silber und mein Gold."
Doch Gibich sprach, der König: "O weh mir dieser Not,
Wie liegen meine Diener hier so jämmerlich tot.
Verflucht sei der Anger,
der die Rosen hat getragen;
Darum sind mir der Recken zu Tode drei erschlagen.
In ganzen Treuen waren sie mir zu Dienst bereit.
Asprian, starker Riese, dir sei mein Schade leid."
"Ihr sollt, lieber Herre,
an mir nicht verzagen:
Ich will die Riesen rächen, die uns hier sind erschlagen.
Die starken Wölfinge tun uns des Leids zu viel:
Nun will ich mit ihnen spielen ein hartes Spiel,"
So sprach aus großem Zorne
der Riese Asprian:
"Ich bringe sie in Nöte, wenn ich es fügen kann."
Er wappnete sich im Grimme: In die Rosen er sich hob,
Mit zweien scharfen Schwertern er durch den Anger stob.
Da rief Meister Hildebrand:
"Wittich, Geselle mein,
So lieb ich und der Berner dir beide mögen sein:
Siehst du den Riesen Asprian im Rosengarten stehn?
Mit dem sollst du streiten, du magst ihn wohl bestehn."
Doch Wittich sprach: "Ihr ratet
mir stets zu meinem Leid;
Ich bin hier fremd im Lande, des entgelt ich allezeit.
Was hasst ihr mich so, Meister? Könnt ihr etwa sagen,
Ich hab euch den Bruder oder Vater erschlagen,
Dass ihr mich verratet an
den Teufelsmann?
Bestündet ihr ihn selber, das wäre wohlgetan.
Ich will mit ihm nicht streiten," sprach der kühne Held,
"Nicht tausend Marken nähm ich dafür zum Schmerzengeld."
Der Berner sprach: "Nun lass mich
genießen diesen Tag,
Dass ich willig mit dir teile, was ich besitzen mag.
Diese große Reise würde gar zunicht,
Bestündest du im Garten mit Streit den deinen nicht."
"Ihr bittet mich des Dinges,
des ihr euch nicht getraut;
Ihr sprächet anders, ging es euch selbst an Haar und Haut.
Besteh ihn wer da wolle, ich will der Thor nicht sein;
Bestimmt mir andern Gegner, zu keinem sag ich nein."
Hildebrand der Alte zog
seinen Herrn beiseit:
"Was ratet ihr nun, Herre? Er will nicht in den Streit.
Wolltet ihr ihm Schimming, sein Ross, wieder geben,
So möcht er für euch wagen den Leib und auch das Leben."
Der Berner sprach: "Ich gäb ihm
lieber wohl ein Land;
Doch will ers nicht entbehren, ich gelob es ihm zuhand."
Da sprach der Meister: "Herre, es muss gehalten sein."
"So werdet ihr mir Bürge: Ich geb es auf die Treue mein."
"Wes hast du dich beraten?",
sprach Meister Hildebrand,
"Das lass mich wissen, Wittich, kühner Weigand.
Ein Herzogtum zu Lehen will dir mein Herre geben:
Dir wird Osterdinge: Darum wage Leib und Leben."
Da sprach der kühne Wittich:
"Gäb er mir all sein Land,
Ich wollt ihn nicht bestehen," sprach der Weigand.
"Meinthalben mag der Riese wohl ohne Sorge sein:
Ich besteh ihn nimmer, das hab auf die Treue mein."
Da sprach der Held von Berne,
der unverzagte Degen:
"Schimming den Schnellen will ich dir wieder geben,
Den du aus dem Berge brachtest, von dem Vater dein:
Erschlägst du den Riesen, er soll dein eigen sein.
"Er ward mir zu Garten, da
du strittst mit Amelolt.
Ich lasse dir ihn wieder, verdienst du den Sold."
"Noch will ich nicht streiten," sprach der Weigand,
"Es werde denn um Schimming mir Bürge Meister
Hildebrand.
Würde mir Schimming wieder
untertan,
So griff' ich willig den großen Riesen an."
Da sprach der alte Hildebrand: "Ich will dir Bürge sein,
Dass ihn dir gibt zu eigen der liebe Herre mein."
Da sprang in den Garten
Wittich der Weigand;
Das dankt' ihm der Berner und Meister Hildebrand.
Asprian der Kühne war aller Mannheit voll:
Mit zweien scharfen Schwertern konnt er fechten wohl.
Wenn er streiten sollte, da
war er geschwind:
Anlief er im Grimme Wittich, Wielands Kind.
Auch war der junge Degen dem Riesen gram genug,
Er zog sein Schwert Mimung, das durch die Helme schlug.
Da sprangen sie zusammen
und schlugen so, die Degen,
Als schlügen zwanzig Schmiede mit starken Hammerschlägen.
Von den beiden Schwertern kam Wittich in Not:
Seine lichten Panzerringe wurden vom Blute rot.
So drängte mit den Schwertern
der Ries' den jungen Mann,
Dass er vor ihm zu weichen hin zu den Fraun begann.
Da rief ihm zu der Meister: "Du fliehest lästerlich:
Schimming den schnellen behält mein Herr für sich."
Da nahm in beide Hände
Wittich die Waffe gut:
Anlief er den Riesen mit zornigem Mut.
Er ließ den Mimung sausen, der edle Weigand:
Da traf er den Riesen und schlug ihm ab eine Hand,
Dazu eine Achsel, das will
ich euch sagen,
Der Rosse Stärkstes hätte genug daran zu tragen.
Von des Riesen Blute ward der Anger nass:
Da wollte fliehen Asprian; wie kühnen Mut er besaß.
Da rief die Königstochter:
"Held, willst du mir ihn geben?"
Er stellte sich als hört' ers nicht und nahm ihm ganz das
Leben.
Da wandt er sich zu Kriemhild und sprach: "Ihr stolze Magd,
Wollt ihr den Riesen langen? Er sei euch unverzagt."
Da säumte sich nicht länger
Kriemhild die Königin:
Mit einem Kranz von Rosen ging sie zu Wittich hin,
Ein Halsen und ein Küssen gab sie dem kühnen Mann.
Da freute sich Wittich, dass er den Schimming gewann.
Schimming der Schnelle ward
Wittich untertan:
Darauf war bald gesessen der kühne, junge Mann.
"Nun fürcht ich keinen Kaiser in allen Landen fern:
Nimmer in den Nöten lässt Schimming seinen Herrn."
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