Neuntes Abenteuer
Wie der letzte Teil der Kämpfe,
mit vier Königen, anhub
"O weh dieser Schande!",
sprach König Gernot,
"Eh ich bescholten lebte, lieber wär ich tot."
Da ließ er sich reichen einen goldfarbnen Schild:
"Uns bringt zu Unehren meine Schwester Kriemhild."
Da sprach sein Vater Gibich:
"Mein Sohn Gernot,
Nun sei dir befohlen unsre Schmach und unsre Not.
So schaffe, biedrer Degen, kühn und unverzagt,
Dass man von deiner Stärke immer singet und sagt."
"Ich will gerne fechten,
lieber Vater mein.
Hätte meine Schwester ihre Hochfahrt lassen sein,
Uns lägen nicht erschlagen Ritter und Riesen tot,
Man säh uns nicht im Garten hier stehn vor Scham so rot.
Dass du ihr das verhängtest,
davon ward sie so los;
Das mag man an ihr schauen, ihre Hochfahrt ist zu groß.
Sie ist der Rut entwachsen, und hört nicht mehr auf dich."
Da sprach König Gibich: "Mein Sohn, das reuet mich."
Da sprang in den Garten der
König Gernot:
"Wer mit mir will fechten, spring in die Rosen rot."
Da sprach der Recke Helmschrot: "Siehst du das, Hildebrand,
Wie Gernot der König durch die Rosen kommt gerannt?
Soll ich nicht zu ihm springen
hin in den grünen Klee,
So geschah mir all mein Leben nie so von Herzen weh."
"So greife nach dem Schilde und säume dich nicht lang;
Sieht das Frau Kriemhilde, um den Bruder wird ihr bang."
Da sprach der kühne Helmschrot:
"Wohlan, ich greif ihn an."
Er fasste nach dem Schilde und sprang hin auf den Plan.
Durch die Rosen watete der Held gar ritterlich:
Das sahen schöne Frauen, die lachten inniglich.
Da schlugen sie zusammen,
die Degen wohlgetan:
Wie mordlich sie stritten auf dem grünen Plan!
Ihr Blut vergossen beide wohl auf dem Anger weit:
Von den kühnen Helden hob sich ein fährlicher Streit.
Da kam zu großem Zorne
Helmschrot der Degen:
Anlief er Gernoten mit grimmigen Schlägen.
Nie kam der König Gernot zuvor in solche Not:
Da rief er zu den Frauen, denn er fürchtete den Tod.
Da säumte sich nicht länger
die Königin Kriemhild,
Helmschroten gab sie ein Rosenkränzlein mild,
Ein Halsen und ein Küssen gab sie dem kühnen Mann;
Wohl empfing ihn der von Berne und die in seinem Bann.
Da sprach der König Gunther,
ein Ritter ausersehn:
"So stark ist unser keiner, den Wölfingen zu stehn.
Er muss vor ihnen fliehen oder fallen auf den Plan.
Doch lass ichs drum mitnichten, den meinen greif ich an.
Mein Bruder tiefe Wunden
empfing, das schafft mir Not,
Ich fürcht er müsse sterben, der junge Gernot.
Reicher Gott vom Himmel, lass dir geklaget sein,
Dass wir Kriemhilden folgten, der lieben Schwester mein."
Auf sprang der König Gunther,
seinen Harnisch legt' er an:
Darob begann zu trauern jeder rheinische Mann.
Den Helm im Zorn der Degen sich zu Häupten band:
"Mit wem soll ich streiten? Das ist mir noch unbekannt."
Er nahm den Schild zum Arme,
sein Ross beschritt er schnell,
Eine Krone rot von Golde schien ihm von Helm so hell.
Da sprengt' in den Garten der König unverwandt:
"Meines Bruders tiefe Wunden sollen rächen meine Hand."
Da sprach Meister Hildebrand:
"Hörst du das, Alphart?
Wie er klagt, der König, der dein zum Streite harrt,
Dass den Wölfingen niemand möge stehn:
Du bists von Vater und Mutter: Das lass den König sehn."
"Ich besteh ihn gerne,"
sprach der junge Mann.
"Nun schaue der von Berne, ob ich wohl streiten kann.
Wolfhart und Siegstab, meine Brüder hatten Eil:
Sie stritten wider Riesen; mir wird ein König zuteil."
Da griff nach dem Schilde
der unverzagte Degen,
In den Garten sprengte der junge Held verwegen.
Des erschrak gar wenig Gunther der König hehr,
Er säumte sich nicht länger, auf den Jüngling sprengt' er her.
Da sie zusammen kamen, die
Helden unverzagt,
Da ward von ihnen beiden kühnlich widersagt.
Zwei Speere sie verstachen mit ritterlicher Hand:
Da griffen zu den Schwertern die Recken unverwandt.
Sie sprangen von den Rossen
nieder in den Klee:
Da geschah von tiefen Wunden den beiden Kämpen weh.
König Gunther von dem Rheine, der Degen wohlgemut,
Zog von seiner Seiten eine Waffe, die war gut.
Er schwang sie auf den Wölfing
mit zornigem Schwung:
Das Blut schoss durch die Ringe dem kühnen Degen jung.
Den Schlag vergalt ihm wieder der Jüngling allgemach:
Er lockt' ihm aus dem Panzer einen blutigen Bach.
Die goldfarbnen Schilde
hieben sie von der Hand.
Von Helm und Harnisch flogen die Splitter in den Sand.
Alphart der junge, seine Kraft war gut:
Er lief den König Gunther jetzt an mit zornigem Mut
Und schlug ihn durch die Krone,
der Jüngling lobesam,
Dass ihm aus dem Helme das Blut geronnen kam
Über Stirn und Augen, dass er nicht mehr sah.
Auf sprang die Königstochter: Wie eilte sie sich da!
Sie fristete dem Bruder das
Leben und den Leib;
Und doch zu spät gekommen wär schier das edle Weib.
Auf setzte sie Alpharten ein Rosenkränzelein,
Ein Halsen und ein Küssen musst ihm die Königin leihn.
Alphart ging aus dem Garten,
der Sieg erfreut' ihn sehr:
Der Junge sprach: "Nun hab ich gesalbt den König hehr."
Darob begann zu lachen der alte Hildebrand;
Wohl empfing ihn der von Berne und mancher kühne Weigand.
Da sprach König Gibich:
"Was soll unser Leben?
Mit allen unsern Recken muss ich in Schanden schweben.
Wir haben hier im Garten weder Glück noch Heil.
Ich selbst will in die Rosen was mir auch wird zu Teil."
Da fuhr in die Rosen der
König Gibich;
Man sah ihn guter Dinge: Versuchen wollt er sich.
"Da fährt der König Gibich!", sprach Meister Hildebrand.
"Nun geht mir mein Geräte, ich besteh ihn allzuhand."
Der Alte ward gewappnet, er
kam gegangen dar;
Man nahm im Rosengarten der beiden Alten wahr.
Wie schnell König Gibich da seinen Kämpen fand!
Ihm trat alsbald entgegen der alte Hildebrand.
Da sprach König Gibich zu
dem Recken sturmbereit:
"Ich habe viel vernommen von eurer Weisheit."
"Dem ist nun so wie Gott will," sprach Meister Hildebrand;
"Es mag zu früh euch kommen, kühner Weigand.
Niemand lobe selber seine
Mannheit, seinen Sinn:
Wenn ihm hernach misslänge, Spott hätt er zum Gewinn.
Es kommt mancher in sein Alter, der solchen Brauch nicht hat,
Und dem wohl nütze wäre, vernähm er weisen Rat."
Da sprach König Gibich aus
ungefügem Zorn:
"Nun soll euch widersagt sein, ihr Recke hochgeborn."
Da sprach der alte Hildebrand, der Meister unverzagt:
"Das ist gar unnötig, dass ihr mir widersagt.
Was wir zwei einander zu
Leide je getan,
Das schlichten wir mit Schwertern; was soll viel Redens dann?"
Die Zwiesprach ging zu Ende der Fürsten sturmbereit:
Sie griffen zu den Schwertern; ihre Schilde waren breit.
Da stritten miteinander die
greisen Herrn mit Macht;
Auf ihren Helmen sah man ein Feuer hell entfacht.
Der König Gibich dachte zu rächen all sein Leid;
Hildebrand der alte musste fliehen seinen Streit.
Da sprach der Vogt von Berne:
"Hilbrand, du kühner Degen,
Erschlägt dich König Gibich, Frau Uten will ich geben
Einen Mann in jungen Jahren: Des ist die Frau wohl wert.
Nein, Hildebrand, du alter, versuche besser dein Schwert."
Er sprach: "Nein, Vogt von Berne,
und würd ich erschlagen,
So hörte man Frau Uten jammern und klagen.
Sie nähme keinen andern: Ihre Treue, die ist groß
Gegen mich gewesen seit uns die Minne beschloss.
Seit sie mir gegeben ward
zu rechter Eh,
Ihrem roten Munde tat sie mit Küssen immer weh.
Sollte sie dann nehmen einen andern Mann für mich,
So will ich lieber streiten um die Fraue minniglich."
Er schlug dem König Gibich
durch Harnisch und durch Schild:
Der Rede Dietrichens der König nun entgilt.
Da sprach der kühne Wittich: "Seht, Herr Dieterich,
Hildebrand der Alte ficht kühn und listiglich."
Die alten Künste suchte der
Meister jetzt heraus
Und gab dem König Gibich einen Schlag, der fuhr im Saus:
Er musste vor ihm nieder fallen auf den Plan.
Da erschrak seine Tochter und die ihm untertan.
Kriemhild die Königstochter,
die sprang empor zuhand:
"Bei aller Frauen Ehre, getreuer Hildebrand,
Schlagt mir nicht zu Tode den lieben Vater mein."
Da sprach Hilbrand der Alte: "Wo ist mein Kränzelein?"
Ein Kränzlein von Rosen gab
ihm die schöne Maid;
Da wollte sie auch küssen den Recken kühn im Streit.
Da sprach Hilbrand der Alte: "Die Unzucht soll nicht sein:
Den Kuss will ich verwahren der lieben Frauen mein.
"Um Treu ist sie gepriesen
und auch um Frömmigkeit:
Was sollt ich denn küssen eine unbescheidne Maid?
Des hätt ich wenig Ehre, das will ich euch sagen.
Nun heißet euern Vater zu der Herberge tragen."
Da ging aus dem Garten der
Meister lobesam;
Wohl empfing ihn der von Berne und die in seinem Bann.
"Wer sich an alte Kessel reibt, der wird leicht schwarz davon:
Herr Gibich hats erfahren; er empfing nun seinen Lohn."
Noch sollten sich bestehen
zwei Fürsten auserkannt,
Dietrich von Berne und der Held von Niederland.
Siegfried der König, der sprang da auf den Plan:
"Wo ist denn der meine, der mir zum Kampf soll nahn?
Fürcht er sich also, er
lässt sich ja nicht schaun?
Das bringt ihm wenig Ehre hier vor den schönen Fraun.
Wir beiden hätten billig die ersten sollen sein;
Ich sehe wohl, er traut sich vor mir nicht zu gedeihn.
Ich hört ihn immer rühmen,
den Fürsten hochgeboren:
Dass er so zage wäre, das hätt ich wohl verschworen.
Was säumt er nun so lange? Er hat nicht Reckensinn.
Kann ich es immer fügen, es bringt ihm Ungewinn."
Ü
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